Trump-Effekt: Der Tigerstaat Taiwan faucht wieder

Trump-Effekt
Der Tigerstaat Taiwan faucht wieder

Taiwan galt als abgeschrieben. Der Inselstaat schaffte den Strukturwandel kaum. Doch jetzt überraschen die Taiwaner mit stärkerem Wachstum – und hoffen auf einen Trump-Effekt.
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PekingTaiwan wurde einst als Tigerstaat gefeiert, als aufstrebende Wirtschaftsmacht in Asien. Doch die Boom-Phase ist lange vorbei. Das vergangene Jahr begann für den Inselstaat vor der chinesischen Küste sogar mit einer Rezession. Der Abwärtssog scheint überwunden – zumindest vorerst.

Taiwans Wirtschaft wächst wieder, und zwar so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Im vierten Quartal legte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,58 Prozent zu, wie das Statistikbüro am Mittwoch in Taipeh mitteilte.
Tsai Ing-wen hat als erste Präsidentin des Landes Wirtschaftsreformen zum wichtigsten Ziel ihrer Amtszeit erhoben. In den kommenden zwölf Monaten werde sie Infrastrukturprojekte vorantreiben, die Unterstützung für Forschungsprojekte ausweiten und die eine Energiewende einleiten, um nicht mehr auf Strom von den Atomkraftwerken angewiesen zu sein.

Die Hightech-Industrie war Taiwans Aushängeschild. Über Jahre schwächelten die Vorzeigeunternehmen. Aber jetzt geht es wieder aufwärts. Die Industrie legte im Schlussquartal 2016 um 6,09 Prozent zu. „Die Industrie ist Taiwans Wachstumstreiber“, sagte Rajiv Biswas, Asia Pacific Chief Economist vom Analyseunternehmen IHS Global Insight.
Besonders gut lief es für die Halbleiterhersteller. Der Branchenverband Semiconductor Industry Association verzeichnete alleine für November ein Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Es klingt paradox: Während die anderen asiatischen Staaten vor mehr Protektionismus der USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump zittern, hofft Taiwan auf neue Wachstumsimpulse. Trump hatte sich mehrfach positiv zu Taiwan geäußert, und als erster designierter US-Präsident kurz nach seiner Wahl mit seiner Taiwanischen Amtskollegin telefoniert.
Trump hat sich Berater in sein Team geholt, die sich offen für Taiwan und gegen China aussprechen. Professor Peter Navarro hat 2011 ein Buch mit dem Titel „Tod durch China – Den Drachen herausfordern, ein weltweiter Aufruf zum Handeln“ über die Bedrohung durch China geschrieben. Er kritisiert die Regierung von Trumps Vorgänger Barack Obama für ihren Umgang mit dem „Leuchtturm der Demokratie“ in Taiwan.

Reince Priebus hat als Stabschef den wohl wichtigsten Posten im Weißen Haus nach dem Präsidenten. Er gilt seit langer Zeit als ein Freund des Inselstaates. Priebus hatte in Taipeh die neue Präsidentin kurz vor ihrer erfolgreichen Wahl getroffen.
Taiwans Außenminister David Lee hatte bereits begrüßt, mit Priebus könnten die USA eine neue Hochphase in ihren Beziehungen zu Taiwan einläuten. Er sei ein „Freund Taiwans“ und verstehe die Belange der Insel sehr gut.

China beobachtet die Entwicklungen jedoch mit Sorge. Auch sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Bürgerkrieges betrachtet die kommunistische Führung die Insel nur als abtrünnige Provinz. Peking droht mit einer gewaltsamen Rückeroberung, was die USA in einen Krieg ziehen würde, da sie sich 1979 der Sicherheit der heute 23 Millionen Taiwanesen verpflichtet haben.

Doch auch Taiwans Führung traut Donald Trump nicht völlig. Das Land dürfe auf keinem Fall zu einem Spielball in den Verhandlungen zwischen Peking und Washington werden, warnte Taiwans Chefvertreter in den USA, Stanley Kao. Auf keinen Fall dürfe Trump die Unterstützung der USA für den Inselstaat im Gegenzug für andere Zugeständnisse von Peking zur Verhandlungsmasse machen.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • Für meine Frau bin ich der einzige Tiger, Taiwan braucht sie nicht.

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