Trump holt Investment-Banker

Goldman Sachs ist zurück im Rampenlicht

Donald Trump hat gern und oft gegen den Einfluss der Wall Street in Washington gewettert. Doch ausgerechnet er beruft nun gleich mehrere Goldman-Sachs-Manager in sein Team. Für die Investmentbank brechen neue Zeiten an.
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„Jetzt stehen sie wieder im Fokus – und im harten Rampenlicht wird jede Falte, jede Narbe, jeder Hautflecken sichtbar.“, sagt Wirtschaftsprofessor Erik Gordon von der Uni Michigan über Goldman Sachs. Im Bild ist Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank, zu sehen. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt. Quelle: AP
Gary Cohn

„Jetzt stehen sie wieder im Fokus – und im harten Rampenlicht wird jede Falte, jede Narbe, jeder Hautflecken sichtbar.“, sagt Wirtschaftsprofessor Erik Gordon von der Uni Michigan über Goldman Sachs. Im Bild ist Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank, zu sehen. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt.

(Foto: AP)

New YorkMit der Regierungsübernahme durch Donald Trump kehrt die US-Investmentbank Goldman Sachs zurück ins Scheinwerferlicht. Eine Riege ehemaliger oder noch aktiver Goldman-Banker übernimmt unter dem künftigen US-Präsidenten zentrale Schaltstellen der Macht. Darunter ist Trumps Chef-Berater Stephen Bannon, der von 1984 bis 1990 für die New Yorker Bank arbeitete und sich danach einen Namen als ultrarechter Publizist machte. Finanzminister Steven Mnuchin stand 17 Jahre in den Diensten des Geldhauses, bevor er eine Investmentfirma gründete und sich als Hollywoodproduzent betätigte.

Für Goldman brechen mit Trump neue Zeiten an: Die öffentlichkeitsscheuen Jahre nach der Finanzkrise sind vorbei.

Die Mächtigen von Goldman Sachs
Gary Cohn
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Wer es an die Spitze von Goldman Sachs schafft, hat als Banker kaum noch Luft zur Karriere-Verbesserung. Der nächste logische Schritt? Die Politik. Diesen Weg geht nun Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt. Cohn wird fortan den Nationalen Wirtschaftsrat („National Economic Council”) leiten. Übrigens ist er nicht der einzige Goldjunge, dem Donald Trump die Türen in die Politik öffnete.

Steve Mnuchin
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Der designierte Finanzminister der Trump-Regierung ist Steve Mnuchin. Er arbeitete 17 Jahre lang bei Goldman Sachs. Anschließend leitete er einen Hedgefonds. Die Investmentbank scheint ein solides Karrieretreppchen für künftige Finanzminister zu sein – Mnuchin ist der dritte Goldjunge, der seit den Neunzigern für den Job berufen wurde. Bill Clinton hatte Robert Rubin berufen, George W. Bush sich für Hank Paulson entschieden.

Steve Bannon
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Als rechter Hardliner machte sich Steve Bannon einen Namen. Seine Internetseite „Breitbart” gibt Ultrarechten eine Meinungsplattform. Sein Kommunikationstalent kam dem ehemaligen Goldman-Banker zugute – als Wahlkampfstratege verhalf er Trump zum Sieg. Im Januar 2917 wurde er Chef-Berater Trumps, hat seitdem aber mit einigem Machtverlust zu kämpfen.

Jose Manuel Barroso
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Ein Wechsel geht auch in die umgekehrte Richtung, wie der Fall des EU-Politikers Jose Manuel Barroso zeigt. Der frühere Präsident der Europäischen Kommission wird „Non-Executive Chairman“ bei der in London sitzenden Tochter Goldman Sachs International. Seine Funktion: Er soll dem Elite-Geldhaus bei der Beratung von Kunden helfen.

Anders Fogh Rasmussen
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Vor Barroso machte ein der hochrangigsten Sicherheitspolitiker des Westens die gleiche berufliche Umorientierung: Anders Fogh Rasmussen. Erst dänischer Regierungschef, dann bis 2014 Generalsekretär der Nato. Auch er ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Personalrochaden bei der amerikanischen Bank in beide Richtungen gehen. Rasmussen arbeitet als Berater für Goldman Sachs.

Robert Zoellick
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Robert Zoellick ist Träger des Bundesverdienstkreuzes: Als Mitarbeiter des US-Außenministeriums war er Chefunterhändler der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung. Später arbeitete er unter anderem im Weißen Haus, bei der staatlichen Immobilienbank Fannie Mae und als Berater für die Investmentbank Goldman Sachs.

Unter US-Präsident George W. Bush kümmerte er sich um die Positionen der Regierung zum Welthandel und trat 2006 wieder in die Dienste von Goldman Sachs. Von Mitte 2007 bis Ende 2012 war er dann Präsident der Weltbank. Im Oktober 2013 gab Goldman Sachs bekannt, dass Zoellick Vorsitzender des internationalen Berater-Direktoriums der Bank werde. Das Gremium sondiere für Goldman-Kunden weltweit Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten.

Mario Draghi
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Als Chef der Europäischen Zentralbank hat der Italiener Mario Draghi den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Draghi hat eine lange Laufbahn als Geldverwalter hinter sich. Von 2006 bis 2011 war er Chef der italienischen Notenbank Banca d'Italia. Auch bei Goldman Sachs brachte er es weit: Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Er war damit Partner und hielt Aktien der Bank.

„Goldman Sachs hat sich in den vergangenen Jahren im Stillen auf die Geschäfte konzentriert“, sagt Wirtschaftsprofessor Erik Gordon von der Uni Michigan: „Jetzt stehen sie wieder im Fokus – und im harten Rampenlicht wird jede Falte, jede Narbe, jeder Hautflecken sichtbar.“ Bereits vor der Amtsübernahme Trumps am 20. Januar werden Stimmen laut, die davor warnen, mit den Goldman-Sachs-Managern im Weißen Haus drohten die Reformen im US-Finanzsystem nach der Finanzkrise abgewickelt zu werden. Dass Trump voraussichtlich den zweiten Mann in der Bank, Gary Cohn, zu seinem Chef-Wirtschaftsstrategen berufen wird, hat solchen Sorgen noch einmal zusätzliche Nahrung gegeben.

In den USA ist es fast schon eine Tradition, dass neue US-Präsidenten ihr Team mit Spitzenleuten aus dem Umfeld von Goldman Sachs verstärken: angefangen mit Franklin D. Roosevelt in den 1930er-Jahren, der sich in Wirtschaftsfragen („New Deal“) eng mit dem damaligen Goldman-Chef Sidney Weinberg beriet. Bei Trump sah es zunächst nach einer Ausnahme aus, schließlich hatte er den aktuellen Bank-Chef Lloyd Blankfein im Wahlkampf noch als Mitglied einer "globale Machtstruktur" bezeichnet, welche die US-Arbeiterschaft ausbeute. In seiner Regierungsarbeit will Trump aber offensichtlich nicht auf die Banker verzichten.

Blutsauger und Macher – Das sind Trumps weitere Minister

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Seit der Finanzkrise versucht das Geldinstitut sein ramponiertes Image aufzupolieren. „Wir haben uns aus einigen Geschäften und Gelegenheiten zurückgezogen. Wir haben beschlossen, dass wir solche Geschäfte nicht mehr machen sollten, weil unsere Marke und Reputation zu wertvoll sind“, sagte Cohn 2014 in einem Interview mit einer kanadischen Zeitung. Goldman Sachs, für viele ein Synonym für Elitarismus, startete eine landesweite Werbekampagne, die sich an normale Bürger richtete und das Engagement der Bank bei der Förderung alternativer Energien hervorhob. Mittlerweile haben auch Normalbürger die Chance, über eine Online-Plattform mit der Bank Geschäfte zu machen.

Aus ihrer besonderen Rolle als eine der Schaltstellen im komplizierten Zusammenspiel zwischen Washington und der Wall Street kommt das Geldhaus nicht heraus – und will es wohl auch gar nicht. „Goldman wird immer eng mit der Politik verbunden sein, auch wenn es Zeiten gibt, in denen die Verbindung schwächer ist“, sagt Jerry Braakman von der Beteiligungsgesellschaft First American Trust, die Anteile an Goldman Sachs hält: „Geld und Politik finden sich immer.“

  • rtr
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3 Kommentare zu "Trump holt Investment-Banker: Goldman Sachs ist zurück im Rampenlicht"

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  • Das HB sollte sich lieber mal um die Rolle des Spekulanten Soros kümmern. Der Kriegstreiber der 21.Jahrhunderts. Soros lebt genauso gut vom Kriegsgeschrei wie seine Vorbilder des 30-jährigen Krieg Tilly und Wallenstein. Auch diese Herrschaften haben ihr Vermögen mit den Krieg und dem Leid der Menschen gemacht.

  • Der Artikel ging etwas daneben. Wenn man so eine Geschichte als "Rückkehr" von Goldman-Sachs aufbaut und ein belegendes Beispiel ist jemand der 26 Jahre aus dem Laden draussen ist... dann ist die Faktenlage doch wohl mehr als dünn...

    Jetzt mal ganz ehrlich: die Frage ist doch, wie die Ausrichtung des Teams sein wird. Jemand der Goldman verlassen hat, aber weiss wie das Spielchen läuft kann eine Idealbesetzung sein! Das ist jemand, der auch den Sumpf trocken legen kann! Es gibt genügend Ex-Banker, die dem System kritisch gegenüber stehen, wenn Trump da die richtigen Typen ausgewählt hat, dann wird es für die Wall-Street noch mehr als bitter. Hat er die Falschen, wird es für Trump bitter.

    Auf jeden Fall ist es vielversprechender als der deutsche Ansatz: wir würden jetzt Vertreter von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen einladen (oder wen wir dafür halten) und eine Kommission (oder einen runden Tisch) bilden, voller Personen, die nicht den Hauch einer Ahnung davon haben, was abgeht... Die geben dann einen Bericht ab und es passiert garantiert aus huldvollen Worten nichts. Das passt aber wiederum zur Politik der Kanzlerin... besser nur die Raute machen...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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