Trump und die Flüchtlingskrise
„Ich hasse diese Vorstellung“

Er will nicht mehr Flüchtlinge ins Land lassen, plädiert aber trotzdem dafür: Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump schaltet sich in die Flüchtlingsdebatte ein. Das Weiße Haus verhält sich dagegen wie gelähmt.

San FranciscoAusgerechnet Donald Trump beschämt das Weiße Haus: Am späten Dienstag setzte sich der mögliche republikanische Präsidentschaftskandidat angesichts der „ungeheuren humanitären Katastrophe“ für die Aufnahme von mehr syrischen Flüchtlingen in den USA ein.

„Ich hasse die Vorstellung“, sagte Trump, der sich ein scharfes Vorgehen gegen illegale Einwanderer auf die Fahnen geschrieben hat, am Abend auf dem Sender Fox News. Aber angesichts der humanitären Lage müsse man die Menschen ins Land lassen. Selbst wenn die Gefahr bestünde, dass sich der ein oder andere mit terroristischen Verbindungen unter die Flüchtlinge mischt.

Zuvor hatte sich das Weiße Haus wieder in vagen Äußerungen gewunden: Die USA erwägen „eine ganze Reihe von Ansätzen, um zur Lösung des Problems beizutragen“, verkündete Sprecher Josh Earnest auf der morgendlichen Pressekonferenz im Weißen Haus am Dienstag mit Blick auf Syrien. Man könne zum Beispiel mehr Gelder für Flüchtlingslager in Jordaniern, der Türkei und anderen Nachbarstaaten Syriens bereitstellen.

Die USA hätten in der Vergangenheit bewiesen, wie man im Nahen Osten und in Nordafrika effektiv Hilfen bereitstellen könne, erinnerte er. Zu einer möglichen Aufnahme von mehr Flüchtlingen wollte er sich nicht konkret äußern. Er habe auch keinen genauen Zeitplan, so Earnest, bis wann die Bestandsaufnahme der Lage beendet sei, aber allen Beteiligten sei „die Dringlichkeit bewusst“.

Nichts habe sich geändert, stöhnen Kritiker. Seit vor vier Jahren syrische Regierungstruppen erstmals mit der damals noch wenig bekannten Terroristentruppe IS aneinandergeraten ist, sind die USA unter Barack Obama irgendwie immer zu spät da, wenn es darum geht, die Situation zu beherrschen oder zu bereinigen. Und das, was am Dienstag verkündet wurde, sind wieder erst einmal nichts als Versprechungen.

Ob Präsident Obama mehr Menschen aufnehmen will und kann, ist nicht klar. Bislang ist die Bilanz seiner Regierung nur ernüchternd. Seit 2011 der Syrienkonflikt eskaliert ist, empfahlen die Vereinten Nationen den USA insgesamt 17.000 Flüchtlinge aufzunehmen.

Das wäre in vier Jahren gerade mal die Hälfte dessen, was alleine Deutschland am vergangenen Wochenende aufgenommen hat. Doch nicht einmal das ist geschehen: Die tatsächliche Zahl der Syrienflüchtlinge, die in den USA ein neues Zuhause gefunden haben, beläuft sich nach Uno-Angaben auf 1800.

Seite 1:

„Ich hasse diese Vorstellung“

Seite 2:

Angst vor Terrorismus lähmt US-Hilfsbereitschaft

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%