Trump im Weißen Haus: Regieren im Wahlkampfstil

Trumps erste Tage
Regieren im Wahlkampfstil

Schelte für die Presse und symbolische Amtshandlungen – so startete Donald Trump in seinen neuen Job. Und so geht es wohl auch weiter. Derweil formiert sich Widerstand in den Bundesstaaten. Was die nächsten Tage bringen.
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San FranciscoEines der größten Versprechen von Donald Trump im Wahlkampf war, Obamacare so schnell wie möglich abzuschaffen. Also setzte er sich gleich nach seinem Amtsantritt an den Schreibtisch im Oval Office und unterschrieb symbolträchtig einige Anweisungen, mit denen bestimmte Vorschriften des Gesetzes zur Krankenversicherung außer Kraft gesetzt werden.

Allerdings wussten auch US-Medien nicht, was genau er unterschrieben hat. Bei Trump kommt es offensichtlich weniger auf den Inhalt als auf die Geste an. Experten hatten schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass man Obamacare nicht stückweise behalten kann. Werden einzelne Teile des Systems herausgebrochen, etwa die Versicherungspflicht, dann droht es zusammenzubrechen.

Am Samstag eilte der neue Präsident dann nach Langley in die Zentrale des CIA. Dort lobte er den Geheimdienst in allgemeinen Formulierungen. Außerdem schimpfte er auf die Medien und gab ihnen Schuld an seinen schlechten Beziehungen zu den US-Geheimdiensten. Dass er selber deren Arbeitsweise mit Nazi-Deutschland verglichen hatte, erwähnte er nicht.

Sein Pressesprecher Sean Spicer beschimpfte derweil die Medien, weil sie angeblich zu Unrecht auf einen relativ schwachen Besuch der Feierlichkeiten zum Amtsantritt hingewiesen hatten. Er sagte zunächst, es gebe keine Zahlen über die Anwesenheit dort, um dann wahrheitswidrig zu behaupten, es sei die höchste Zahl aller Zeiten gewesen. Er drohte der Presse an, sie „zur Verantwortung zu ziehen“. Was immer das auch heißen soll.

Außerdem kündigte er an, der Präsident werde sich per Twitter direkt an die Bevölkerung wenden. Fraglich bleibt, wozu Trump dann überhaupt einen Pressesprecher braucht. Jedenfalls nicht, um Fragen zu beantworten.

Der Präsident rauschte nach seiner Beschimpfung direkt ab, wie das Video der Veranstaltung zeigt. Kein Zufall vielleicht, dass sich ungefähr zur selben Zeit in Koblenz europäische Rechtsradikale versammelt hatten, die Trump und sich selbst feierten und nur die ihnen genehmen Medien dazu eingeladen hatten.

Kommentare zu " Trumps erste Tage: Regieren im Wahlkampfstil"

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  • "So will der Bundesstaat mit eigenen Regeln sicherstellen, dass seine Bürger weiterhin guten Zugang zu Verhütungsmitteln haben, auch wenn es zu Streichungen bei Obamacare kommen sollte."

    Wenn die Bundesstaaten dies bezahlen, ist das doch OK. Diese Verhütungsmittel könnten dann zusätzlich von den Taxifahrern ausgegeben werden und die sollten dann auch immer genügend deponiert haben, das sollte in jedem Fall sichergestellt werden.

    So könnten die 2 Bundesstaaten etwas für ihre Bürgerinnen und Bürger tun.
    Ausserdem: Wer viel Taxi fährt, wäre im Vorteil.

  • @Herr Kersey: Hmmm, ich wär mir da nicht ganz so sicher! Durch das fallen der Medien wird einiges erreicht. Dazu dienen insbesondere auch die Internetmöglichkeiten. Wenn ein Herr Trump persönlich Youtube Videos macht, weiss ich direkt was er sagt. Bisher sind sehr viele Statements der Politiker, bei mir nur durch Mainstreaminterpretationen angekommen. D.h. ich hatte gar nicht die Möglichkeit zu erfahren, wie sehr die Medien den Politikern (falls Sie den mal ehrlich waren) die Aussagen zu verdrehen. D.h. diese Kommunikationsmittel helfen sehr dabei, der Wahrheit wenigstens näher zu kommen. Daher behalte ich mir den Opimismus sehr gerne bei und beobachte auch mit Genuß, wie viele Lügen der letzten Jahre aufgeflogen sind, die normalerweise als vorgegebene Wahrheit erschienen wären. Es kann nur besser werden, das Internet würd noch ehrheblich dazu beitragen für eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Volk.

  • @ Herr Hoffmann

    Bei wikipdia hab ich das hier gefunden:

    "Zunächst wurden vom Königreich Großbritannien die dreizehn Kolonien Nordamerikas als Strafkolonien genutzt."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie

    Das merkt man heute noch.

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