Trumps erstes Amtsjahr Der Präsident der Krisen

Donald Trump provozierte, irritierte und überraschte in seinem ersten Amtsjahr. 2018 startet der US-Präsident mit noch aggressiveren Tönen. Dabei zielt er gerne auf das Ausland – vor allem in Richtung Nordkorea und Iran.
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Der US-Präsident sieht sich als sehr erfolgreich an – eine Frage der Perspektive. Quelle: AFP
Donald Trump

Der US-Präsident sieht sich als sehr erfolgreich an – eine Frage der Perspektive.

(Foto: AFP)

WashingtonDonald Trumps erstes Jahr im Amt ist eine Kette aus Reißzähnen. So sehen die Ereignisse seiner Präsidentschaft zumindest aus, wenn man sie anhand von Google-Suchtrends visualisiert. Jede Eilmeldung, jeder Aufreger, jeder Schockmoment im Zusammenhang mit Trump wird in dieser Chronik weltweiter Aufmerksamkeit zu einem scharfkantigen Zacken. Trump hat seit dem 20. Januar 2017, dem Tag seiner Amtseinführung, Hunderte dieser Zacken produziert.

Er reizte, irritierte und überraschte – als Krisenmanager, als Pöbler der Nation, auf der internationalen Bühne. Zu Beginn des neuen Jahres gibt sich der Präsident aggressiver als je zuvor, schickte mehrere Verbalattacken in Richtung Nordkorea, Iran und Pakistan. Was hat der US-Präsident bislang erreicht, wo versagte er – und was kann man von Trump für 2018 erwarten? Ein Überblick.

1. Der Hire-and-Fire-Präsident

Ein Chef ist immer nur so gut wie sein Team. Allerdings ist Trumps Personaltableau so beständig wie der Bitcoin-Kurs. 15 Personen mit Spitzenposten wurden in Trumps ersten Amtsjahr ausgewechselt oder direkt ganz entfernt.

Eine Auswahl: Im Februar 2017 zog sich Sicherheitsberater Michael Flynn wegen falscher Angaben über Russlandkontakte zurück. FBI-Direktor James Comey wurde im Mai gefeuert, später sagte er aus, er sei von Trump wegen der laufenden Russland-Ermittlungen bedrängt worden.

Im Juli verließen Stabschef Reince Priebus und Pressesprecher Sean Spicer das Weiße Haus, kurz darauf wurde der designierte Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci wegen eines Wut-Telefonats mit einem Reporter nach nur zehn Tagen abgesetzt. Chefstratege Steve Bannon ging im August, Trump-Berater Sebastian Gorka wurde eine Woche später entlassen.

Die Ereignisse sind auch Symptom eines Dauerkonflikts im Trump-Zirkel, zwischen Globalisten und Nationalisten, zwischen Gemäßigten und Radikalen. Weitere Abgänge sind nicht ausgeschlossen, im Kabinett gilt Außenminister Rex Tillerson als Wackelkandidat.

Unerschütterlich und loyal steht hingegen Vizepräsident Mike Pence an Trumps Seite. Selbst wenn er wollte, könnte Trump ihn nicht feuern. Pence wurde als sein Vize gewählt, er ist nicht bloß ernannt. Gemeinsam mit Trumps Tochter Ivanka, die als wandelnde Werbefläche der Präsidentenfamilie die Nation anstrahlt, dürfte Pence Trumps wichtigste Person für 2018 sein, um seine Botschaften unters Volk zu bringen. Und auch für die Geschassten gilt: Es gibt ein lukratives Leben nach Trump. Spicer und Comey etwa wollen Bücher veröffentlichen. Neuer Gossip über Trumps Umgang mit Spitzenleuten ist garantiert.

2. Der Macher

Der weit verbreitete Eindruck, Donald Trump würde als US-Präsident kaum etwas erreichen, täuscht. Zwar scheitert sein Populismus aus dem Wahlkampf regelmäßig an der Realität des Amts, der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko etwa ist völlig ungewiss. An anderer Stelle hinterlässt Trumps Präsidentschaft Spuren mit langfristigen Folgen.

Dazu gehört die Besetzung eines Richterpostens im Supreme Court mit dem erzkonservativen Juristen Neil Gorsuch im Frühjahr 2017. Hier kann Trumps Wunschrichter bis an sein Lebensende über elementare Streitfragen entscheiden, in Bereichen wie Einwanderung, Todesstrafe oder Waffenbesitz.

Ein Kernversprechen konnte Trump am Jahresende einlösen, als der Kongress ein gigantisches Steuersenkungspaket beschloss, von dem US-Unternehmen Jahrzehnte profitieren könnten. Für Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern ließ er die Einreise in die Vereinigten Staaten extrem erschweren.

Barack Obamas Energiewende-Pläne fuhr er zurück, er unterstützte Ölbohrungen in der Arktis und im Golf von Mexiko, trieb die Aufhebung der Netzneutralität voran, begnadigte den unter Rassismusverdacht stehenden Hardliner-Sheriff Joe Arpaio.

2018 will Trump eine Infrastruktur-Revolution durchsetzen, mit Milliardeninvestitionen in Brücken, Gebäude, Straßen und Flughäfen. Die Pläne könnten in einem ähnlichen Achtungserfolg münden wie die Steuerreform. Es sei denn, der Kongress sträubt sich gegen neue Riesenausgaben, dann droht Trump zum Auftakt des Halbzeitwahlen-Jahres ein Flop.

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3 Kommentare zu "Trumps erstes Amtsjahr: Der Präsident der Krisen"

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  • Vorbildhafte Politiker wie Herr Trump stören den EU-Loser, daher schreibt das System jeden Tag Artikel gegen den US-Präsidenten. Der Versuch, daß der Schwanz mit dem Hund wackelt wird aber nicht funktionieren auch wenn man lebensfremd auf dem Weg in die dritte Welt ist.

  • In D sind gefühlte 98% aller Nachrichten zu Herrn Trump negativ , im eigenen Land sind es sehr viel weniger. Was an einem groß angelegten Infrastrukturprogramm fürs eigene (marode!) Land schlecht sein soll erschliesst sich mir nicht.
    Etwas mehr nach dem eigenen Land und den Interessen des eigenen Volkes zu schauen (so wie es Herr Trump tut!) würde deutschen Politikern gut zu Gesicht stehen.
    Herr Trump macht und packt an (egal wie man es bewertet) - Deutschland sondiert monatelang und eiert rum!

  • Ich denke es ist wunderbar dass die deutschen Qualitätsmedien von der puren Holzhammerpropaganda gegenüber dem US Präsidenten wegkommen und sich mittlerweile etwas sachlicher mit dem US Präsidenten auseinandersetzen.

    Ich denke die Wahl von Trump war für die deutschen Qualitätsmedien ein Stich ins linke Herz der langsam verdaut wird. Langsam setzt sich die sachliche Erkenntnis durch, dass die USA religiös (Christentum vs. Ökoreligion) und ideologisch, Bsp. Einwanderung, anders denken als Westeuropa.

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