Truppe soll nach Afghanistan
USA drohen mit Aus für Nato-Elitetruppe

Die USA haben ihr Engagement für die Schnelle Eingreiftruppe der Nato drastisch reduziert und drohen mit dem Ausstieg aus gemeinsamen Kriseneinsätzen.

HB BRÜSSEL. Die „Nato Response Force“ (NRF) sei nicht mehr voll einsatzfähig, warnt der Oberbefehlshaber der Nato in Europa, US-General John Craddock in einem Brief an Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Das erfuhr das Handelsblatt in Nato-Kreisen. Das Bündnis müsse nun entscheiden, ob es die Truppe umbauen oder die Kriseneinsätze aufgeben wolle.

Die USA hatten ihr Kontingent überraschend auf fünf Prozent der Sollstärke zurückgeschraubt. Seither ist die Eingreiftruppe, die auf dem Papier über 25 000 Soldaten verfügt, praktisch außer Gefecht gesetzt. Da auch andere Nato-Staaten nicht genug Truppen und Militärmaterial bereitstellen, verfügt die Schnelle Eingreiftruppe nur noch über rund 50 Prozent der Sollstärke, heißt es bei der Nato. Damit sei die NRF ein halbes Jahr nach ihrer Schaffung zum Auslaufmodell geworden, sagte ein Diplomat.

„Ich glaube, dass wir den Willen der Nationen erschöpft haben, weiter ihre verfügbaren Truppen einzusetzen“, heißt es in Craddocks Brief. Sollte es beim jetzigen Zustand bleiben, könnten die Ziele der Eingreiftruppe nicht mehr erfüllt werden, warnt der US-General. Sie war auf amerikanische Initiative geschaffen worden und ist vor allem für Anti-Terror-Einsätze und Kriseninterventionen gedacht.

Nun fordern die USA und Großbritannien, die NRF als Reserve in Afghanistan einzusetzen. Das lehnt Berlin ab, da eine solche Entscheidung zur Entsendung von Bundeswehr-Soldaten in den umkämpften Süden des Landes führen könnte. Dieser Streit beschäftigt das Treffen der Nato-Verteidigungsminister Ende Oktober.

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