Truppenabzug soll verzögert werden
Rumsfeld will "robust" im Irak agieren

Angesichts der anhaltenden Kämpfe mit Aufständischen im Irak erwägen die USA, ihre Truppenstärke dort vorübergehend höher zu belassen als ursprünglich geplant. Die US-Regierung bestritt allerdings, die Kontrolle im Irak verloren zu haben.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Ungeachtet zahlreicher Opfer auch in den eigenen Reihen sind die USA entschlossen, die Aufständischen im Irak zu besiegen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kündigte am Mittwoch einen entschlossenen Kampf an. Die Truppen würden „militärisch robust vorgehen, wo nötig“, sagte er in Washington. Die USA hätten keinerlei Absicht, den Irak zu verlassen. „Wir sind fest entschlossen, die Oberhand zu behalten.“ Bei Kämpfen in verschiedenen Städten des Landes starben am Mittwoch nach Augenzeugenberichten mehr als 100 Menschen. Nach US-Militärangaben wurden innerhalb von zwei Tagen 15 Koalitionssoldaten getötet.

Wegen eines Truppenaustausches seien derzeit mehr US-Soldaten im Irak, als nach Abschluss der Rotation vorgesehen, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Mittwoch in Washington. „Wir werden diese Aufstockung nutzen“, sagte er. Wahrscheinlich werde der Truppenaustausch hinausgezögert, so dass erfahrene Soldaten länger im Irak blieben und die Situation beruhigen könnten. Der führende schiitische Geistliche Ajatollah Ali el Sistani verurteilte das Vorgehen der USA im Kampf gegen den Aufstand radikaler Schiiten und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Bei Kämpfen mit schiitischen und sunnitischen Aufständischen sind seit Sonntag 35 Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen getötet worden. Mindestens 200 Iraker kamen dabei ebenfalls ums Leben. Das US-Militär befindet sich derzeit in einem Truppenaustausch, an dessen Ende noch 115 000 Soldaten im Irak stationiert sein sollen. Derzeit sind 135 000 US-Soldaten dort.

Nach einem der blutigsten Kampftage seit dem Einmarsch der Amerikaner vor einem Jahr flammten die Gefechte am Abend in einem Vorort der sunnitischen Unruhestadt Falludscha erneut auf. Das berichtete der arabische Nachrichtensender El Dschasira. Es habe zahlreiche Opfer gegeben, sagte ein Reporter vor Ort. Auch im Bagdader Stadtteil Adhamija wurde gekämpft.

Augenzeugen berichteten aus Falludscha, die US-Armee habe dort am Nachmittag das Gelände der Moschee mit „F-16“-Kampfjets bombardiert und zerstört. 25 Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Das US- Militär bestritt die Darstellung. Aus dem Gebäudekomplex sei geschossen worden. Die Marineinfanteristen vor Ort hätten Luftunterstützung angefordert, um eine mehrere hundert Meter entfernte Mauer zu beseitigen, die den Zugang zu der Anlage versperrte. Dabei sei ein Aufständischer getötet worden. An der Moschee selbst sei kein Schaden beobachtet worden. In dem Gebäudekomplex sei später ein Granatwerfer gefunden worden.

In der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi starben nach El- Dschasira-Angaben mindestens 40 Menschen. Die US-Truppen hätten die Stadt inzwischen „fest unter Kontrolle“, berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Pentagon-Angaben. Am Vortag waren dort zwölf amerikanische Soldaten bei Kämpfen getötet worden.

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