Truppenverstärkung gefordert
Briten warnen vor Taliban

Der britische Verteidigungsminister John Reid sieht die Gefahr, dass die afghanischen Taliban wieder an die Macht kommen. Um ihren wachsenden Einfluss einzudämmen, will Raid nun die britischen Truppen in Afghanistan aufstocken.

HB BERLIN/KABUL. Sollte das Land wieder von den Extremisten beherrscht werden „ist jeder von uns in Gefahr – auch Berlin, London, Madrid“, sagte Reid dem Handelsblatt. Er reagierte damit auf die zunehmende Zahl von bewaffneten Auseinandersetzungen mit Taliban-Kämpfern in jüngster Zeit. Da die Taliban ihre Aktivitäten vor allem im Süden Afghanistans verstärkt haben, werde Großbritannien dort sein Truppenkontingent erhöhen und mehr eigene Soldaten in den Süden des Landes entsenden, kündigte Reid an.

Zusätzlich verschärft wurden die Spannungen von den anti-westlichen Ausschreitungen, die sich an der Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen entzündet haben. Dabei kamen gestern in Afghanistan den dritten Tag in Folge mehrere Menschen ums Leben. In der südafghanischen Stadt Kalat seien vier Demonstranten getötet worden, berichtete Armeegeneral Abdul Razak. Demonstranten hätten versucht, die örtliche Polizeizentrale zu stürmen, worauf die Polizisten das Feuer eröffnet hätten. US-Präsident George W. Bush rief die Regierungen weltweit auf, die Gewalt zu stoppen. Die Lage in Afghanistan und die geplante Aufstockung der dort stationierten Nato-Truppen auf 15 000 Soldaten wird ein zentrales Thema auf der heute beginnenden Nato-Verteidigungsministertagung sein.

Um die Lage in Afghanistan zu stabilisieren, hat die Bundesregierung dem Land die gesamten verbliebenen Schulden in Höhe von 36,3 Mill. Euro erlassen. Die Entschuldung sei bereits angelaufen, sagte gestern ein Sprecher des Entwicklungshilfeministeriums. Die Regierung in Kabul werde die frei werdenden Mittel zur Bekämpfung der Armut einsetzen. Deutschland hatte Afghanistan bereits 2002 35 Mill. Euro Schulden erlassen. Auch die USA haben dem Land alle Schulden gestrichen.

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