Tschechien und Polen sind die wichtigsten Märkte für deutsche Firmen
Verlängerte Werkbank für die Maschinenbauer

Die deutschen Maschinenbauer haben schon vor der EU-Erweiterung auf die Karte Osteuropa gesetzt. Von 1995 bis 2003 wuchsen die Exporte in die damaligen Kandidatenländer um fast 130 Prozent - und damit mehr als doppelt so schnell wie die Ausfuhren der Branche insgesamt.

Im Beitrittsjahr 2004 lieferten die hiesigen Maschinenbau-Firmen Waren im Wert von 7,4 Mrd. Euro in die neuen EU-Staaten. Das entspricht beinahe dem Verkaufsvolumen, das mit dem drittgrößten Auslandskunden Frankreich erzielt wurde. Aus Osteuropa wurden Maschinen im Wert von 4,1 Mrd. Euro in die Bundesrepublik geliefert. Diese Zahlen dürften die tatsächlichen Warenströme allerdings nicht vollständig erfassen, da sich das statistische Meldeverfahren im Zuge der EU-Osterweiterung geändert hat.

Während deutsche Unternehmen vor allem Fertigungs-Know-how nach Osteuropa exportieren, bekommen sie im Gegenzug hochwertige Teile und Komponenten zurück, mit denen sie den Preiswettbewerb auf den Weltmärkten besser bestehen können. "Die Arbeitsteilung hat weiter zugenommen", bilanziert Ralph Wiechert, Chefvolkswirt beim Branchenverband VDMA, ein Jahr nach der EU-Erweiterung.

Aus dem Kreis der neuen EU-Partner sind Tschechien und Polen die wichtigsten Märkte für deutsche Firmen. Beide Länder haben eine lange Maschinenbautradition. Der Rheinmetall-Konzern hat beispielsweise seine Kolbenfertigung nach Tschechien verlagert und in der Stadt Usti eines der größten Werke in Europa errichtet. Der Druckmaschinenhersteller König & Bauer stieg in ein neues Marktsegment ein und übernahm in Tschechien einen Anbieter für kleinformatige Bogenoffsetmaschinen. Und MAN prüft derzeit, die Busfertigung in Polen auszubauen.

Für ein verstärktes Engagement in Osteuropa sprechen nach Einschätzung von BHF-Bank-Analyst Thomas Rau drei Gründe: So seien die Lohnkosten im Vergleich zu Deutschland deutlich niedriger. Das gleiche gelte für die Unternehmensteuersätze. Und was die Wachstumsraten angehe, erziele die Region ähnlich hohe Werte wie die aufstrebenden Länder Asiens.

Deutschland profitiere mehr als andere europäische Länder von der EU-Erweiterung, betont VDMA-Experte Wiechers. Das gelte jedoch nicht nur für Großkonzerne, sondern auch für mittelständische Maschinenbau-Unternehmen, die die räumliche Nähe nutzten, um in neue Produktionsanlagen jenseits der Grenze zu investieren.

Bereut haben den Schritt in die Beitrittsländer offenbar nur wenige. Allerdings sei im Jahr eins der EU-Erweiterung auch keine Euphorie ausgebrochen, heißt es beim VDMA. Vielleicht auch deshalb, weil die Branche die Region schon lange zuvor entdeckt hatte.mjh

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