Tschechiens neuer Regierungschef
Jan Fischer: Zahlen-Fan ohne große Ambitionen

Fast sein gesamtes Berufsleben hat Jan Fischer im Prager Statistikamt zugebracht, nun wird er voraussichtlich neuer Premierminister Tschiens. Der auslandserfahrene Wirtschaftswissenschaftler will sein Land mit einem soliden Haushalt durch die Krise führen - und dann wieder abtreten.

Es ist schon eine merkwürdige Karriere, die Jan Fischer vorzuweisen hat. Mehr als 30 Jahre, fast das gesamte Berufsleben, hat der Wirtschaftswissenschaftler im Prager Statistikamt zugebracht. Zahlen sind seine stille Leidenschaft, ansonsten hätte er es nicht an die Spitze der staatlichen Behörde schaffen können.

Doch am Freitag steht für Fischer ein entscheidender Karriere-Kick an. Dann nämlich soll er seinen Schreibtisch im Amt räumen und von Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus zum neuen Premierminister des Landes ernannt werden.

Auch für Fischer war es eine Überraschung, als im April die Wahl ausgerechnet auf ihn fiel. Als die sozialdemokratische CSSD im Prager Parlament ein Misstrauensvotum gegen die Mitte-rechts-Regierung unter Mirek Topolanek durchgebracht hatte, benötigte Tschechien bis zu den vorgezogenen Neuwahlen im Oktober einen neuen Premier.

Zugute gehalten wird dem 58-Jährigen Auslandserfahrung: In Osttimor beurteilte Fischer für den Internationalen Währungsfonds (IWF) den Aufbau eines Statistikamts, Studien führten ihn in die USA, nach Belgien und Ungarn. Er spricht Englisch und Russisch, auch ein wenig Deutsch und Französisch. In den 1980er-Jahren gehörte der Parteilose zwar der kommunistischen Partei an – nach eigenen Angaben jedoch nur, um seine Karriere weiterführen zu können.

Größere politische Impulse sind von Fischer sicherlich nicht zu erwarten – zumal hinter seinem Rücken die beiden großen Parteien ODS und CSSD schon bald kräftig Wahlkampf betreiben werden. Fischer sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, dem Land einen auch in Krisenzeiten ordentlich finanzierten Staatshaushalt zu präsentieren. Als studiertem Ökonomen sollte ihm das wahrscheinlich auch gelingen. Klar formuliert ist sein Versprechen, den Ausflug in die Politik im Oktober wieder zu beenden: „Ich werde auf jeden Fall ins Statistische Amt zurückkehren.“

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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