Tschernobyl
G7 und EU zahlen mehr für Reaktor-Schutzhülle

Der Katastrophenreaktor in Tschernobyl strahlt immer noch - und seine Schutzhülle ist brüchig. Für eine weitere Ummantelung fehlen 650 Millionen. Diese Lücke haben internationale Geldgeber nun deutlich reduziert.
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LondonDer zerstörte Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl soll nach Angaben der G7-Industrieländer bis November 2017 eine zweite Schutzhülle erhalten. Zwar sei die Finanzierung dafür noch nicht abschließend gesichert, sagte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth am Mittwoch in London im Namen der G7. Es gebe aber konkrete Zusagen über 530 Millionen Euro der für die Fertigstellung des sogenannten Sarkophags noch nötigen 650 Millionen Euro.

Er sei zuversichtlich, dass Länder wie China und Russland den Rest der Summe beisteuern würden, sagte Flasbarth. Deutschland als Inhaber der G7-Präsidentschaft koordiniert die Bemühungen.

Für den Bau des neuen Schutzmantels haben internationale Geldgeber zusätzliche 180 Millionen Euro zugesagt. Das teilte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) am Mittwoch nach einer internationalen Konferenz in London mit.

Von den zusätzlichen Mitteln kommen 165 Millionen Euro von den sieben führenden Industrienationen (G-7) sowie der EU-Kommission. Die EBRD hatte bereits im November weitere 350 Millionen Euro für das Projekt zugesagt. Die Finanzierungslücke konnte damit von 615 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro reduziert werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) begrüßte das Ergebnis der Geberkonferenz. Es sei gelungen, "die Fertigstellung der neuen Schutzhülle für die Reaktorruine in Tschernobyl finanziell abzusichern", erklärte sie.

Am 26. April 1986 war ein Reaktor des Atomkraftwerks im Norden der Ukraine explodiert. Weite Teile Europas und der damaligen Sowjetunion wurden verstrahlt. Es war die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie.

Bis heute ist eine große Zone um die Anlage kontaminiert. Die Strahlung der Ruine bedroht trotz einer Betonhülle noch heute die Menschen in der Region. In den vergangenen Tagen drohte ein Waldbrand auf die nähere Umgebung des Reaktors überzugreifen. Er konnte aber unter Kontrolle gebracht werden.

2012 hatte die Ukraine mit internationaler Hilfe mit dem Bau eines neuen Schutzmantels um den beschädigten Reaktor begonnen. Der nach dem Unglück zur Eindämmung der radioaktiven Strahlung errichtete Beton-Sarkophag über dem Reaktor war über die Jahre brüchig geworden.

Der Bau der riesigen Stahlkonstruktion, der schätzungsweise mehr als zwei Milliarden Euro kosten wird, sollte eigentlich Ende dieses Jahres beendet sein. Wegen technischer Probleme soll das Projekt nun erst Ende 2017 fertiggestellt werden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tschernobyl: G7 und EU zahlen mehr für Reaktor-Schutzhülle"

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  • In der Kurzfassung zu diesem Artikel steht geschrieben, dass der Reaktor immer noch strahlt. Es fehlt m.E. noch der obligatorische Hinweis, dass dies keine Gefahr für die Bevölkerung darstellt.

    Ich warte nur noch auf den Hinweis unserer Politiker, dass dieser Umstand einen positiven Effekt auf unsere Alterspyramide darstellt.

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