Türkei
Anti-Terror-Polizei nimmt Regierungsgegner fest

Anti-Terror-Einheiten haben begonnen, Wohnungen in Istanbul und Ankara zu durchsuchen. Laut Medienberichten gab es zahlreiche Festnahmen von Regierungsgegnern. Auch bei einem ungewöhnlichen Protest auf dem Taksim-Platz.
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IstanbulIn der Türkei hat die Polizei bei Razzien am Dienstag offenbar Dutzende Regierungsgegner festgenommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, mindestens 25 Aktivisten, die an den Protesten gegen die Regierung beteiligt gewesen sein sollen, seien in Ankara festgesetzt worden. Viele weitere Festnahmen gab es in Istanbul. Dabei nahmen sich die Anti-Terror-Einheiten vor allem die Anhänger einer linksextremen Partei vor. Die Polizei habe etwa 90 Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP) in ihren Wohnungen festgenommen, teilte die Istanbuler Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Festgenommenen werden offenbar verdächtigt, bei den tagelangen Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an Gewalttaten gegen die Polizei beteiligt gewesen zu sein. Die Fernsehsender NTV und CNN-Türk berichteten zudem, die Polizei habe die Büros der Zeitung „Atilim“ und der Nachrichtenagentur Etkin, die beide der Partei ESP nahestehen, durchsucht.

Polizeieinsätze gab es auch in 18 weiteren Provinzen des Landes. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden bereits am Sonntag bei Protesten in Istanbul und Ankara knapp 600 Menschen festgenommen. Gemäß dem Gesetz können Verdächtige bis zu vier Tage in Gewahrsam gehalten werden, bevor sie einem Richter vorgeführt werden.

Im Zentrum von Istanbul ist es nach wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der türkischen Polizei in der Nacht zu Dienstag vergleichsweise ruhig geblieben. Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem der stille Protest eines einzelnen Demonstranten: Der Choreograph und Tänzer Erdem Gündüz hat die Polizeigewalt in der Türkei an sich abprallen lassen. Als „stehender Mann“ (türkisch: duran adam) verharrte er mehr als sechs Stunden auf dem Taksim-Platz, den Blick auf das zum Abriss vorgesehene Atatürk-Kulturzentrum und ein Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk gerichtet. Polizisten, die den stehenden Mann durchsuchten, zogen zunächst ratlos ab.

Der Protest aber verbreitete sich in der Nacht zum Dienstag rasend schnell über den Kurznachrichtendienst Twitter (#duranadam) und fand viele Nachahmer. Denn nach fast drei Wochen brutaler Polizei-Einsätze kann sich die türkische Protestbewegung inzwischen kaum noch zu großen Kundgebungen versammeln.

Dafür wurde in den vergangenen Tagen das abendliche „Volksorchester“ - bei dem die Gegner der islamisch-konservativen Regierung aus Wohnungsfenstern gegen Töpfe schlagen oder die Teetassen in den Cafés zum Klirren bringen - lauter.

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  • Ich wünsche und bete, dass die gesamte Masse der Welt (einschließlich, die in der Türkei leben) zu Vernunft finden und die Welt-Unruhestifter (Profit-Geier) keine Möglichkeit finden, die Menschen zu polarisieren. Sie verdienen danach nur Unmengen von Geld und die irregeführten verlieren das Land, die Ehre und vielleicht das Leben. Und immer werden Länder ausgesucht, die in die Richtung der Demokratie gehen versuchen und sich in der Aufschwung befinden.

    Von der sogenannten arabischen Frühling vorher gar nicht zu Reden. Die Araber weinen und warten immer noch auf die Demokratie… Einige Ruheanstifter versuchen das Volk zu mobilisieren, damit sie Ihre Ziele erreichen können. Einige müssen wieder Geld verdienen!

    Doch der AKP kann sich davon nicht Schuldfrei sprechen, dass diese hinterlistigen davon Profit machen wollen. (Und Erdogan ist und war kein Demokrat. Seine Taten zeigen Dies.) Die AKP selber wurde von diesen hinterlistigen Ecken großgezogen, mit Ihm haben diese auch große Geld gemacht und halten die die AKP noch an der Regierung. Wer richtig Google anwenden kann, wird das erkennen.

    Bis jetzt haben die Schauspieler hergehalten, die einen demokratischen Islamisten spielten. Nun ist die Zeit gekommen, ihn (Erdogan) mit einem anderen Schauspieler zu wechseln, damit das Volk irregeführt werden kann, die in Richtung der Demokratie läuft. Denn in der Demokratie können diese Parasiten nicht leicht Profit schlagen. Vielleicht sind nun die Nationalisten dran? Hoffentlich nicht!

    Jetzt sollte Vernunft herrschen. Klaren Kopf behalten und Gefühle daraußen lassen, weil die Gefühle blind sind. Die Völker der Türkei, die dieses Land zusammen aufgebaut haben, haben einen großen Schritt in die Demokratie getan. Sie sollten diese Arbeit nicht vernichten lassen. Mit Vernunft kann man viel erreichen.

    GEWALT IST NICHT DER WEG!

    Die Irreführer erreichen nur Ihre Ziele. Ein Schauspieler wird gegangen, ein Anderer kommt für Jahre wieder.

    NOCH MAL WÄHLEN BITTE! WEITER SUCHEN! :-)

  • kein dummer Mann - ein TEUFEL in PERSON der ERDOGAN !
    raffiniert, hinterhältig und Machtsüchtig !!

  • dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!
    Wenn sich die ELITE (Banken, Sozial-Jongleure, etliche 'VOLKSvertreter', etc.) bereits in EUROPA vereint haben, sollen unbedingt noch die Glaubensbekehrer diesem "Verein" beitreten.
    Als 2 'qualifizierte' Vollzeitkraefte (700.000 in 2011?) treffen wir Vorbereitungen um den 1.000.000 (meist unqualifizierten) Zuwanderern PLATZ zu machen!

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