Ausdrücklich stellte Kyprianou einen Zusammenhang zwischen den Zypern-Gesprächen und den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei her. „Einer der Gründe, wieso die Türkei bereit ist, zu verhandeln, ist die europäische Perspektive. Und je vager diese Perspektive ist, desto geringer ist der Anreiz für Konzessionen in der Zypern-Frage.“ Deshalb gehöre seine Regierung zu den klaren Befürwortern der EU-Beitrittsverhandlungen. „Deutschland kann zudem helfen, die türkische Regierung zu überzeugen, dass es sich für die lohnt, zu verhandeln.“
Tatsächlich wird in Berlin anerkannt, dass erstmals sowohl Griechen und Türken auf der Insel eine politische Führung haben, die einigungswillig sei. Das Interesse der EU-Partner an einer Einigung ist groß, denn der Streit blockiert auch die Zusammenarbeit zwischen Nato und EU. Denn das Nato-Mitglied Türkei verweigert jeden direkten Kontakt zum EU-Mitglied Zypern. Deshalb lassen sich keine Verträge über eine militärische Aufgabenverteilung zwischen der EU und der Nato schließen. Bis heute verweigert Ankara zudem die im so genannten „Ankara-Protokoll“ zugesagten direkten Verkehrs- und Handelsverbindungen mit Zypern.
Ob die Verhandlungen zwischen beiden Volksgruppen wirklich zu raschen Ergebnissen führen, ist jedoch nicht sicher. Denn Stolpersteine gibt es genug. Einer der Streitpunkte ist, dass Zypern keine Gespräche auf Basis zweier unabhängiger Staaten akzeptiert – auch die EU erkennt Nordzypern schließlich nicht an. „Wir bieten statt dessen an, Zypern Schritt für Schritt in einen bi-zonalen, föderativen Staat zu verwandeln“, sagte der Außenminister. „Aber es kann keine Anerkennung eines unabhängigen Staates Nordzypern geben. Dies wäre nur das Rezept für eine eventuelle Teilung der Insel.“ Völlig ungeklärt ist auch, wie mit den Entschädigungsansprüchen der 1974 aus dem Norden vertriebenen Inselgriechen umgegangen werden soll. Im Gespräch ist eine Mischung aus Rückgabe und Entschädigungszahlungen.


