Türkei
Deutscher bei Menschenrechts-Workshop in Istanbul festgenommen

Nur wenige Wochen, nachdem Erdogan den Türkei-Chef von Amnesty International hat festnehmen lassen, sind am Mittwoch erneut elf Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation festgenommen worden. Darunter auch ein Deutscher.
  • 4

IstanbulDie Polizei hat bei einem Workshop für Menschenrechtler in Istanbul elf Menschen festgenommen, darunter einen Deutschen. Wie Amnesty International am Donnerstag mitteilte, handelt es sich bei den Festgenommenen um die Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International, Idil Eser, sieben weitere Menschenrechtler, den Direktor des Hotels, in dem der Workshop stattfand, sowie einen Deutschen und einen schwedischen Staatsbürger, die beide als Referenten eingeladen worden waren.

Wie der türkische Menschenrechtsverein (IHD) und mehrere Medien übereinstimmend berichteten, führte die Polizei die Aktivisten am Mittwoch auf der Istanbul vorgelagerten Insel Büyükada ab. Thema der Konferenz war nach Angaben von Amnesty „Digitale Sicherheit und Informationsmanagement“. Der IHD teilte mit, er habe nur durch Zufall von den Festnahmen erfahren. Die Familien der Aktivisten seien nicht informiert worden. Amnesty International zufolge wurde den Festgenommenen zunächst der Zugang zu Anwälten verwehrt.

Anfang Juni war bereits der Leiter der türkischen Amnesty-Sektion, Taner Kiliç, zusammen mit einem Dutzend weiterer Anwälte in Untersuchungshaft worden. Kiliç werde verdächtigt, Verbindungen zum Netzwerk des muslimischen Predigers Fethullah Gülen zu haben, erklärte Amnesty. Der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, appellierte an die Teilnehmer des G20-Gipfels, den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Hamburg aufzufordern, alle Menschenrechtsverteidiger freizulassen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan macht den in den USA lebenden Gülen für den missglückten Putschversuch vor knapp einem Jahr verantwortlich, bei dem 240 Menschen getötet worden waren. Die türkische Regierung verhaftete seitdem etwa 50.000 Menschen und entließ 150.000 aus meist öffentlichen Ämtern.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Türkei: Deutscher bei Menschenrechts-Workshop in Istanbul festgenommen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein konspiratives Treffen von ausländischen und lokalen Agenten ist aufgeflogen und die Konspianten sind zum Verhör festgenommen worden.
    Es ist nicht verwunderlich, dass Deutsche abermals negativ in diesem Kontext auffallen.
    Die innere Sicherheit ist im Terror- und Aufruhrgeplagten Staat Türkei von Priorität.

  • Wenn Erdogan wieder in Deutschland auftritt und 30 000 Tausend Anhänger ihn feiern und am nächsten Morgen auf den Titelseiten steht: Tausende Deutsche jubeln Erdogan zu. Was für ein Shitstorm würde das wohl geben.

    Genauso verhält es sich mit Deutschen in der Türkei . Heute gibt es soviel Deutsche anderer Nationen , dass die Deutschen die alle im Knast sitzen besser Türkisch sprechen und mehr Verwandte dort haben als ich jemals haben werde.

  • Ob dieser Deutsche sich in unserem Land wohl auch als Deutscher gibt?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%