Türkei-Deutschland-Konflikt
Deutscher Schriftsteller in Spanien festgenommen

Dogan Akhanli wurde im Spanien-Urlaub auf Drängen der Türkei verhaftet. Der Polizei lag offenbar ein Vermerk von Interpol vor. Politiker beklagen die Festnahme als Provokation der Türkei gegen Deutschland.
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Köln/BerlinDer türkischstämmige Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen worden. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Samstag zunächst nur, man kenne den Fall und bemühe sich um konsularische Betreuung. Akhanli lebt seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland und hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft.

Was ihm vorgeworfen wird, war zunächst unklar. Sein Anwalt Ilias Uyar sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Festnahmeantrag sei aus der Türkei gekommen. Dies bestätigte auch die spanische Polizei. Der Schriftsteller werde in Kürze den Justizbehörden überstellt, sagte ein Sprecher spanischen Medien.

Anwalt Uyar sagte dem Kölner „Stadt-Anzeiger“, bei der spanischen Polizei habe ein Dringlichkeitsvermerk der internationalen Polizeibehörde Interpol vorgelegen. Akhanli wurde demnach am Samstagmorgen im Urlaub in Granada in seinem dortigen Domizil festgenommen. In seinen Werken befasst sich der 1957 geborene Schriftsteller auch mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei. Dem „Spiegel“ zufolge werteten Sicherheitskreise die Festnahme als erneuten Affront der Türkei gegen Deutschland.

Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck teilte mit, das türkische Vorgehen sei „eindeutig rechtsmissbräuchlich“. Er forderte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel auf, sich unverzüglich für Akhanlis Freilassung einzusetzen. Gabriel war am Vortag als Reaktion auf den Terroranschlag in Barcelona nach Spanien gereist. „Wie weit wollen wir Erdogan in Europa noch kommen lassen?“, fragte Linke-Chefin Katja Kipping auf Twitter.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat die auf Betreiben der Türkei erfolgte Festnahme des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli als „ungeheuerlichen Vorgang“ verurteilt. „Das Verhalten von Präsident (Recep Tayyip) Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge“, sagte der SPD-Chef der „Bild am Sonntag“. „Es muss mit aller Vehemenz darauf gedrungen werden, dass Herr Akhanli nicht in die Türkei ausgeliefert wird und stattdessen schnellstmöglich freigelassen wird.“

Die Schriftstellervereinigung PEN teilte mit, das Verfahren gegen Akhanli sei „eindeutig politisch motiviert“. Vizepräsident Sascha Feuchert forderte die spanischen Behörden auf, den Autoren keinesfalls an die Türkei auszuliefern.

Akhanli war im Oktober 2011 in Abwesenheit von einem Gericht in der Türkei vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen worden, der Freispruch wurde aber wieder aufgehoben. Ihm wurde vorgeworfen, 1989 an einem Raubmord auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Er lebt seit seiner Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger.

2010 war er auf einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden, als er in die Türkei einreisen wollte, um seinen todkranken Vater zu besuchen. Er wurde verhaftet und blieb in Untersuchungshaft, bis der Richter am ersten Verhandlungstag entschied, dass Akhanli das Gefängnis verlassen dürfe. Wenige Tage später kehrte er nach Deutschland zurück.

Akhanli Anwalt zufolge lag bei Interpol eine sogenannte Red Notice gegen den Schriftsteller vor. Damit kann ein Land dazu auffordern, eine gesuchte Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Es handelt sich nicht um einen Suchauftrag im Namen von Interpol selbst und nicht um einen internationalen Haftbefehl. Laut Interpol entscheiden die Länder selbst, wie sie mit einer Red Notice umgehen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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