Türkei

Die Märtyrerstadt feiert ihre dritte Brücke

Putschversuch, Terroranschläge, Säuberungswelle – die Türkei macht in letzter Zeit mit bedrückenden Nachrichten von sich reden. Angesichts der Eröffnung der dritten Bosporusbrücke gibt es nun wieder Grund zu feiern.
Mit der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke, die die Meerenge auf 1408 Metern Länge überspannt, hat die Türkei in rekordverdächtiger Zeit ein neues Mega-Infrastrukturprojekt fertiggestellt. Quelle: dpa
Dritte Bosporusbrücke öffnet

Mit der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke, die die Meerenge auf 1408 Metern Länge überspannt, hat die Türkei in rekordverdächtiger Zeit ein neues Mega-Infrastrukturprojekt fertiggestellt.

(Foto: dpa)

IstanbulSchnell und zutreffend kommt das „Praktische Lehrbuch Türkisch“ von Langenscheidt bereits in einer frühen Ausgabe aus den 1970er Jahren auf den Kern des türkischen Selbstbewusstseins. „Türkiye büyüktür“ (Die Türkei ist groß) lernt der wissbegierige Sprachschüler dort gleich in der ersten Lektion. Ein neues Beispiel für die „Größe“ dieses Landes am Rande Europas steht an diesem Freitag (26. August) an. Dann eröffnet der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die dritte Bosporusbrücke.

Mit der Hängebrücke, die die Meerenge an ihrem nördlichsten Ende, an der Einmündung in das Schwarze Meer auf 1408 Metern Länge überspannt, hat die Türkei in rekordverdächtiger Zeit ein neues Mega-Infrastrukturprojekt fertiggestellt. Noch im Frühjahr vergangenen Jahres standen allein die beiden mächtigen Pylone in der Meerenge, ragten als gewaltige Betonkolosse in den Himmel. Jetzt also, nach einer Bauzeit von weniger als vier Jahren, ist die Brücke fertig und mit ihr die zugehörigen achtspurigen Autobahnverbindungen auf europäischer und asiatischer Seite.

Erdogans zweifelhafte Mega-Bauten
Dritte Bosporusbrücke in Istanbul
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Innerhalb von weniger als vier Jahren entstand bis 2016 eine rund 1,4 Kilometer lange Brücke über den Bosporus – die dritte ihrer Art. Mit einer achtspurigen Straße und zwei Gleisen verbindet sie den europäischen und den asiatischen Teil von Istanbul.

Rekordverdächtiger Flughafen
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Der Grundstein wurde zwar erst im Juni 2014 gelegt. Doch wenn er 2018 wie geplant fertiggestellt wird, sollen am Flughafen „Istanbul Yeni Havalimani“ bald bis zu 150 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Er wäre damit der größte der Welt.

Präsidentenpalast
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Als „Dienstgebäude des Ministerpräsidenten“ war der Prunkbau in der Hauptstadt Ankara konzipiert worden. Als er 2014 fertig wurde, war Erdogan aber schon Präsident – und zog eben in den umbenannten Palast.

Präsidentenpalast
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1.000 Zimmer soll der rund 400 Milliarden Euro teure Amtssitz laut türkischen Medien haben. Kritiker monieren, der Bau sei illegal in einem Naturschutzgebiet errichtet worden.

Bosporustunnel
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Der erste transkontinentale Tunnel der Welt wurde 2013 eröffnet, rechtzeitig zum 90. Geburtstag der Republik. Der Bahntunnel „Marmaray“ soll dabei helfen, einen Verkehrsinfarkt in Istanbul abzuwenden. Im erst fast fertiggestellten Avrasya-Tunnel sollen Autos auf zwei Ebenen von Europa nach Asien und umgekehrt fahren können.

Mega-Moschee
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Auf einem Hügel über Istanbul entsteht seit 2013 die größte Moschee der Türkei. Bis zu 50.000 Gläubige sollen später darin beten können. Ihre rund 107 Meter hohen Minarette gehören zu den höchsten der Welt.

Kanal İstanbul
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Erdogan selbst spricht von einem „verrückten Projekt“, wenn es um den „Kanal Istanbul“ (mittig im Bild) geht. Die 145 Meter breite und 25 Meter tiefe Schiffsroute soll den Bosporus als parallele Wasserstraße entlasten. Bis 2023, also zum hundertsten Geburtstag der modernen Türkei, sollen Schiffe den Kanal durchfahren können.

Das nach dem osmanischen Sultan Selim I. („dem Gestrengen“ oder „dem Gerechten“) benannte Bauwerk (Yavuz-Sultan-Selim-Brücke) ist die dritte Bosporusbrücke, die Asien mit Europa verbindet. Mit ihr dehnt sich der Moloch Istanbul mit seinen geschätzten 15 Millionen Einwohnern bis an das Schwarze Meer aus. Von hier aus sind es rund 30 Kilometer Luftlinie bis zum historischen Zentrum der Stadt - mit Hagia Sophia, Blauer Moschee und dem alten Sultanspalast Topkapi, der den Bosporus an der südlichen Einmündung in das Marmarameer überragt.

Die neue Straßenverbindung soll dazu beitragen, den Verkehrsinfarkt in der Millionenmetropole abzuwenden, indem sie das eigentliche Stadtgebiet von Istanbul in einem großen Bogen im Norden umgeht. Gegner des Projekts kritisierten, durch die mit dem Bau einhergehende Verstädterung werde der Verkehr zu- und nicht abnehmen. Umweltschützer beklagten zudem die Zerstörung von Wäldern im Norden Istanbuls.

Ehrgeizige Pläne
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