Türkei

Erdogan fürchtet sich vor Giftmord

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat offenbar Angst vor einem Mordanschlag. In seinem neuen Palast hat er ein Speziallabor eingerichtet, das alle seine Speisen und Getränke auf Gift überprüft.
4 Kommentare
Der türkische Präsident lässt seine Speisen und Getränke auf Gift überprüfen. Quelle: Reuters
Recep Tayyip Erdogan beim Moscheebesuch in Medina

Der türkische Präsident lässt seine Speisen und Getränke auf Gift überprüfen.

(Foto: Reuters)

IstanbulDer umstrittene Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara ist um eine Attraktion reicher. Die Zeitung „Hürriyet“ meldete am Dienstag, im Palast werde ein Speziallabor eingerichtet, in dem alle Speisen und Getränke für das Staatsoberhaupt auf Giftstoffe geprüft werden. Der Parlamentsabgeordnete Cevdet Erdöl, der als Erdogans Leibarzt fungiert, sagte dem Blatt, damit sollten Anschläge auf den Präsidenten vereitelt werden.

Erdöl sagte, Speisen und Getränke würden auf radioaktive Strahlung, chemische Stoffe, Schwermetalle und Bakterien hin geprüft. Heutzutage würden viele Mordanschläge nicht mehr mit Schusswaffen ausgeführt, sondern mit Hilfe von Nahrungsmitteln. Laut Erdöl kümmert sich ein fünfköpfiges Ärzteteam im Palast von Ankara rund um die Uhr um die Gesundheit des 61-jährigen Erdogan. Bisher seien aber noch keine ernsthaften Schadstoffe festgestellt worden.

Als Erdogan sein Immobilien-Problem hatte
Recep Tayyip Erdogan
1 von 17

Recep Tayyip Erdogan hatte sich vor mehr als einem Jahr einen Palast der Superlative bauen lassen. Was seine Gegner scharf kritisierten – und im Wahlkampf gern aufspießten. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu sagte an die Adresse der „Herren in Ankara“: „Euch wurde ein Palast gebaut, wurden Flugzeuge gekauft, wurden Mercedes gekauft, von denen Ihr gesagt habt, sie würden Peanuts kosten. Vergoldete Klobrillen wurden gemacht. (...) Ihr habt 17 Millionen Bedürftige geschaffen, schämt Ihr Euch nicht?“

Kemal Kilicdaroglu
2 von 17

Erdogan forderte Kilicdaroglu daraufhin auf, den Palast nach vergoldeten Klobrillen zu durchsuchen. „Sollte er fündig werden, trete ich als Präsident zurück“, sagte Erdogan bei einem Fernsehauftritt. Inzwischen will der Staatspräsident den Oppositionsführer wegen dessen Behauptung sogar verklagen. Erdogans Anwälte forderten 100.000 Lira Schadenersatz von Kilicdaroglu, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Illegal
3 von 17

Erdogans Palast gerät immer wieder in die Schlagzeilen: Zuletzt im Mai, als das oberste Verwaltungsgericht der Türkei den umstrittenen Bau in Ankara für illegal erklärte. Die Baugenehmigung werde nachträglich aufgehoben, hieß es in der Gerichtsentscheidung. Die Vorsitzende der Architektenkammer in Ankara, Tezcan Karakus Candan, sagte, der „Weiße Palast“ genannte Amtssitz sei in einem Naturschutzgebiet errichtet worden. Die Kammer hatte deswegen vor dem Verwaltungsgericht geklagt.

Der Hausherr
4 von 17

Der wegen seiner Größe und Kosten umstrittene Palast war im vergangenen Jahr fertiggestellt worden. Der Palast kostete Erdogans Angaben zufolge umgerechnet rund 400 Millionen Euro und verfügt über mehr als 1150 Zimmer.

Ausbau
5 von 17

Anfang des Jahres, dass der Palast sogar noch um einen zusätzlichen Wohntrakt mit weiteren 250 Zimmern vergrößert werden soll. Die Residenz des Staatsoberhauptes werde in der Nähe des Palastes errichtet, erklärte die Ortsvorsitzende der türkischen Architektenkammer in Ankara, Tezcan Karakus Candan. Das Oppositionsblatt „Cumhuriyet“ kritisierte damals, die tausend Zimmer des eigentlichen Palast-Komplexes seien für Erdogan wohl noch nicht genug.

Rund eine halbe Milliarde Euro
6 von 17

Die Zusatzkosten für die Residenz wurden zunächst unter Verschluss gehalten. Das Ministerium hatte zuvor erklärt, der neue Palast habe rund eine halbe Milliarde Euro gekostet, etwa doppelt so viel wie vorgesehen. Candan sagte, neben der Residenz seien auch noch eine Moschee und ein Konferenzzentrum auf dem Palastgelände geplant. Die türkische Opposition wirft Erdogan wegen des Palastes eine Verschwendung von Steuergeldern vor. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.

In der Empfangshalle
7 von 17

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kurz nach der Eröffnung in seinem umstrittenen neuen Palast. Den Staatsempfang zum Nationalfeiertag und Einweihung des neuen Amtssitzes hatte er abgesagt. Grund sei das Grubenunglück im südtürkischen Ermenek, sagte Erdogan laut der Nachrichtenagentur Anadolu. In der Grube wurden nach einem Wassereinbruch 18 Bergleute vermisst. Erdogan absolvierte Ende Oktober den am Nationalfeiertag obligatorischen Besuch am Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk und nahm im neuen Präsidentenpalast die Glückwünsche von Politikern und anderen geladenen Gästen entgegen.

Erdogans Palast ist unter anderem wegen seiner hohen Kosten umstritten. Der Bau des auf einer Fläche von mehr als 200.000 Quadratmetern errichteten Gebäudes kostete den türkischen Steuerzahler rund eine halbe Milliarde Euro. Kritiker werfen Erdogan deshalb Prunksucht vor. Der Präsident spricht dagegen von einem Amtssitz, der für ein großes Land wie die Türkei angemessen sei.

  • afp
Startseite

4 Kommentare zu "Türkei: Erdogan fürchtet sich vor Giftmord"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sultan Erdogan fürchtet sich vor Assassins
    ---------------
    Er hat einen Vorkoster und ein Giftlabor.
    In seinem "Palazzo Prozzo" schläft er im sicheren Bunker.
    Dieser wird von 1000 Mann bewacht.
    Sultan Erdogan leidet an Paranoia. Deshalb lässt er auch alle potentiellen oder eingebildeten Kritiker wegsperren.

  • Die Geschichte der Welt ist voll von Despoten, die sich vor Giftmördern fürchteten und deshalb ihre Vorkoster hatten. Letztlich fanden sie dann doch den Tod durch Mörderhand, warum nur. Bei Erdogan scheint es sich allerdings eher um eine ausgeprägte Paranoia zu handeln. Er sollte sich umgehend in psychologische Behandlung begeben.

  • ich denke auch das der Typ den Schuß einfach nicht gehört hat ^^; der Oberdemokrat...

  • Erdogan stirbt nicht durch Gift , sondern vermutlich durch Kugeln oder man findet ihn im 1000 Zimmer Kalifpalast verhungert auf , weil er sich verlaufen hat. Der Grössenwahnsinnige erinnert an König Ludwig von Bayern, der in seiner
    Welt am Schluss so lebte das nichts mit der Realität zu tun hatte. Anständig nahm er sich aber am Ende das Leben als er kein Geld von der Regierung mehr bekam.

    Davor muss sich Erdogan nicht fürchten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%