Türkei

Heftiger Streit um gemischte Studentenheime

Weibliche und männliche Studenten können in der Türkei unter einem Dach leben – noch. Denn der Regierungschef des Landes, Recep Tayyip Erdogan, hat die Situation kritisiert: Dabei geht es nicht nur um den Sittenverfall.
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Eingriff in das Privatleben der Studenten: Laut Vizeregierungschef Bekir Bozdag sei der Schutz Jugendlicher ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite. Quelle: ap

Eingriff in das Privatleben der Studenten: Laut Vizeregierungschef Bekir Bozdag sei der Schutz Jugendlicher ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite.

(Foto: ap)

IstanbulDer islamisch-konservative Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat mit Kritik an gemeinsamen Studentenheimen für Frauen und Männer Empörung in der Türkei ausgelöst. Oppositionspolitiker warfen Erdogan vor, sich immer mehr in das Privatleben einzumischen und sich als Sittenwächter aufzuführen. Dagegen kündigten Regierungspolitiker an, gegen gemischte Wohnheime vorzugehen, wie türkische Medien am Donnerstag berichteten.

Vizeregierungschef Bekir Bozdag sagte, der Schutz Jugendlicher sei ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite. Provinzpolitiker der Regierungspartei AKP erklärten, es gebe Beschwerden der Bevölkerung. Auch aus der AKP wurden aber Bedenken gegen Äußerungen Erdogans laut.

„Männliche und weibliche Studenten leben in denselben Unterkünften. Das wird nicht überprüft“, hatte Erdogan erklärt. Innenminister Muammer Güler sagte, das Wohnen unter einem Dach sei Keimzelle für Terrorismus, Prostitution und Kriminalität.

Die säkulare Opposition in der Türkei wirft Erdogan vor, eine schrittweise Islamisierung zu betreiben. Kritik gibt es auch an seinem autoritären Regierungsstil. Im Sommer gab es in vielen Provinzen heftige Demonstrationen gegen Erdogan und seine Partei. Die Polizei geht weiter mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Proteste vor, die inzwischen aber abgeflaut sind.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Türkei: Heftiger Streit um gemischte Studentenheime"

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  • Die hiesige Politik stützt Erdogan bei seinem vorgehen zu einem Islamischen Staat. Trennung von Mädchen und Jungen beim Schwimmen. Klassenfahrten werden gestrichen. Kopftücher an Schulen und Universitäten. Abschaffung von Christlichen Feiertagen etc. Erdogans Handlanger bereiten
    Deutschland so vor wie es Erdogan mag. Doppelpässe kommen auch, ein Türke wird nie Deutscher er benutzt die Deutschen zum Wohl seines Heimatlandes wie Erdogan es selbst in Deutschland bei verantstaltungen fordert.

    Meine Hoffnung die Kurden, die heute eine Chance haben ihr Land zu vereinen wie nie in ihrer Geschichte. Das muss gefördert werden.

    Euro Feinde sind die AKP Unterstützer die nie ein Gedanke an euch verschwenden wie Grüne,Linke,Spd und Teile der Union. Wer hier Unterstützung erleben will muss sie stark fordern.

  • Nun ja, da viele Christen die Türkei auf Brechen und Biegen nicht in der EU haben wollen, ist es kein Argument, immer nur "und die wollen in die EU" als Argument zu bringen. Wenn es nach den verbohrten Christen geht, ist es ja egal, was in der Türkei geschieht, sie soll halt nur nicht in die EU.

    Die Türkei ist ein modernes Land. Ich gebe zwar zu, dass manche Jugendliche wirklich eine Fremdsteuerung brauchen, aber Privatleben sollte die AKP nicht eingreifen. Sie haben in der Türkei ja viel reformiert, aber man bekommt langsam das Gefühl, sie wollen alles und jeden kontrollieren. Langsam sollte echt Schluss sein mit dem ständigen "Veränderungswillen". Die Türkei ist und war ein schönes Land. Man muss sie nicht völlig auf den Kopf stellen, ein bisschen was, sollte auch von der alten Türkei bleiben. Die Leute kommen doch gar nicht mehr mit bei dem Veränderungstempo.

  • Eigentlich schon. Der Blätterteig und der Kaffee sind nur zwei Beispiele. Und die vielen braunen Augen bei Deutschen: die Türken standen vor Wien.

  • Die Türkei gehört nach wie vor kullturell nicht zu Europa.

  • Die Rückwärtsrolle, die sich in der Türkei abzeichnet,trägt nicht dazu bei, dass die EU dieses Land aufnehmen kann!

    Unglaublich wie anmaßend diese verbohrten Typen sind! Da es bei uns schon lange normal ist, dass beide Geschlechter bestimmen wo, wie und mit wem sie wohnen und leben wollen, wäre ein Blick in den Westen doch hilfreich für Erdogan!

    Warum glauben eigentlich gewählte Politiker, dass sie den Menschen diktieren dürfen wie sie leben dürfen???

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