Türkei in der Urlauberkrise
Wie Russlands Sanktionen den Tourismus treffen

Der türkische Urlaubsort Antalya ist besonders in Russland sehr beliebt. Doch der Streit zwischen Moskau und Ankara polarisiert: Manche hoffen auf Besserung im Frühjahr, manche wollen einfach nur weg aus der Region.

AntalyaMaria ist Russin und will weg aus der Türkei – ihre Boutique will sie aufgeben und mit ihrem türkischen Mann nach Europa ziehen. Das sei beschlossene Sache, erzählt sie. „Worauf warten? Es ist eine Katastrophe, der Tourismus in Antalya ist tot.“ Die Türkei ist ein beliebtes Reiseziel. Rund 41 Millionen Besucher kamen laut Statistikamt 2014 ins Land. Mit rund vier Millionen Urlaubern jährlich stellt Russland – nach Deutschland – die größte Gruppe an Türkei-Touristen. Drei der vier Millionen kommen jährlich in die südtürkische Provinz Antalya. Maria lebt seit fünf Jahren in Kemer, der „Russenhochburg“ der Provinz.

Die meisten bleiben in einem der Fünf-Sterne-Hotels an der Küste von Kemer, gehen abends in Clubs mit Namen wie „Inferno“ und „Aura“ oder kaufen in Luxus-Boutiquen ein – wie der von Maria. Sie verkaufe fast ausschließlich an Russen, sagt sie.

Doch die sind nicht mehr da, seit der russische Präsident Wladimir Putin vor gut einer Woche wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets Sanktionen gegen die Türkei beschloss. Seitdem wurden nach russischen Angaben etwa 6000 Reisen in die Türkei storniert. Von dem Schlagabtausch zwischen Putin und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hält Maria wenig. „Die müssen sich mal ein bisschen beruhigen“, sagt sie. Vor allem Erdogan habe seinem Volk keinen Dienst erwiesen. Er hätte auf Diplomatie setzen sollen, statt auf Konfrontation, sagt Maria.

Der Laden von Bayram Acar ist auf Russisch und Englisch beschriftet. Der Händler verkauft Lederjacken und ist einer der wenigen, die in der Einkaufsstraße in Kemer geöffnet haben. Die meisten Geschäfte sind verrammelt, die Straßen leer. Das ist kein ungewöhnliches Bild im Winter, denn die Saison ist eigentlich vorbei.

Doch in diesem November profitierte die Türkei von der Krise zwischen Russland und Ägypten. Moskau hatte nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeug über der Sinai-Halbinsel, den russische Ermittler auf eine Bombenexplosion zurückführten, alle Flüge nach Ägypten eingestellt.

Statt ans Rote Meer reisten die russischen Touristen zunächst ans Mittelmeer. „Ich habe im vergangenen Monat gut verkauft“, erzählt Acar. Die Betriebsamkeit im November sei auch dringend nötig gewesen, denn das gesamte Jahr 2014 sei wegen der Wirtschaftskrise in Russland schlecht gelaufen. Sorgen macht er sich trotzdem nicht. „Die Lage beruhigt sich schon bis zum Saisonbeginn“, glaubt er.

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„Alle werden die Europäer umwerben“

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