Türkei
Mehr als 35.000 Festnahmen nach Putschversuch

Auch fast einen Monat nach dem Putschversuch kommt es immer noch zu Verhaftungen in der Türkei. Inzwischen wurden 35.000 Menschen festgenommen, mehr als die Hälfte bleibt vorerst inhaftiert.

IstanbulIn der Türkei sind seit dem Putschversuch Mitte Juli bislang 35.022 Menschen zumindest vorübergehend festgenommen worden. Gegen 17.740 von ihnen, also mehr als die Hälfte, sei Haftbefehl ergangen und sie blieben im Gefängnis, verlautete am Donnerstag aus Regierungskreisen. Knapp 11.600 Menschen seien wieder freigelassen worden. 5685 Menschen blieben in Gewahrsam. Unmittelbar nachdem Teile des Militärs am 15. Juli versucht hatten, die Regierung zu stürzen, hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan weitreichende „Säuberungen“ angekündigt. Tausende Soldaten, Polizisten, Richter und Staatsanwälte wurde seither festgenommen. Zehntausende Angehörige von Militär, Verwaltung, Justiz und Bildungswesen wurden zudem entlassen.

Allein 3500 Richter und Staatsanwälte wurden suspendiert – ein Viertel des Landes. Am Donnerstag wurde die Festnahme von knapp 650 von ihnen angeordnet.

Innenminister Efkan Ala wurde mit der Äußerung zitiert, dass fast 76.100 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes entlassen wurden. Bildungsminister Ismet Yilmez sagte, rund 27.500 Beschäftigten im Bildungssektor sei im Zuge von Ermittlungen die Arbeitserlaubnis entzogen worden.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu zufolge wurden allein in seinem Ressort 300 Mitarbeiter entlassen, darunter zwei Botschafter. Dem Fernsehsender NTV sagte er, mehrere türkische Diplomaten hätten sich ihrer Zurückbeorderung in die Heimat widersetzt. „Wir werden diese Verräter in die Türkei zurückbringen.“ Zwei Staatsbedienstete in Bangladesch seien nach New York geflohen. Zudem hätten sich zwei in Griechenland stationierte Militärattachés nach Italien abgesetzt. Er drohte ihnen mit rechtlichen Schritten. Die Frist ist verstrichen, bis zu der die Diplomaten in die Türkei zurückkehren sollten, um sich den Ermittlungen der Behörden zu stellen.

Erdogan hält den Prediger Fethullah Gülen für den Drahtzieher des Umsturzversuches und geht massiv gegen seine Organisation in der Türkei und mutmaßliche Anhänger in der Verwaltung vor. Gülen, der seit 1999 im selbst gewählten Exil in den USA lebt, bestreitet eine Verwicklung in den Putsch und hat diesen verurteilt. Die Gülen-Organisation versteht sich als vom Islam inspirierte soziale Bürgerbewegung. Den Weg zum Islam suchte sie in der lange vom Säkularismus geprägten Türkei über die Bildung. Inzwischen steuert sie ein internationales Netz an Einrichtungen mit dem Ziel, eine "goldene Generation" aus religiösen, tugendhaften und gut ausgebildeten Menschen zu schaffen.

Das harte Vorgehen Erdogans scheinen die Wähler zu goutieren. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Metropoll zufolge drückten im Juli 68 Prozent der Befragten Erdogan ihre Unterstützung aus. Im Juni waren es noch 47 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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