Türkei

Polizei will Proteste in Ankara niederschlagen

Die Proteste gegen die Regierung in der Türkei gehen weiter. In Ankara griff die Polizei hart durch. Drei Menschen sollen bisher ums Leben gekommen sein. Dennoch demonstrieren immer mehr gegen Ministerpräsident Erdogan.
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Revolte in der Türkei geht weiter

Istanbul/BerlinDie türkische Polizei geht weiter mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Auch am Mittwoch seien rund um den zentralen Kizilay-Platz in der Hauptstadt Ankara Wasserwerfer und Tränengas gegen Protestierer eingesetzt worden, berichteten Aktivisten und türkische Medien. Zuvor hatte die türkische Regierung einen weniger harten Kurs angekündigt. An der Demonstration in Ankara hatten sich bis zum Abend vor allem Gewerkschaften beteiligt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolou wurden neun Menschen festgenommen. In Istanbul etwa demonstrierten Tausende.

Bisher kamen bei den Zusammenstößen drei Menschen ums Leben. Der Aktivist sei am Mittwoch seinen Verletzungen erlegen, die er in Ankara erlitten hatte, erklärte der türkische Ärzteverband TTB nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“. Die Zahl der Verletzten sei inzwischen auf weit über 4000 gestiegen, teilte der Ärzteverband mit. Davon seien 43 in einem kritischen Zustand.

Die Bundesregierung forderte die türkische Regierung erneut auf, angemessen mit protestierenden Bürgern umzugehen. Meinungs- und Versammlungsfreiheit seien universell akzeptierte Grundrechte, die zu gewähren seien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Reaktionen des Staatsapparates müssten immer verhältnismäßig und angemessen sein. Das könne man auch auf weitere Entwicklungen der Türkei anwenden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mahnte, eine Modernisierung des Staates könne nicht nur auf wirtschaftlichem Aufschwung basieren, sondern müsse sich auch auf Menschenrechte beziehen.

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen die türkische Regierung ging die Polizei auch mit Festnahmen gegen im Internet aktive Regierungsgegner vor. In der westtürkischen Stadt Izmir seien mindestens 29 Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter in Gewahrsam genommen worden. Ihnen werde Anstachelung zu einem Aufstand, Propaganda und Desinformation vorgeworfen, berichteten türkische Medien am Mittwoch. Vertreter der Demonstranten sagten nach einer Nacht mit neuer Gewalt in mehreren Städten, die Proteste würden fortgesetzt. Auch Gewerkschaften riefen ihre Anhänger auf die Straßen.

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24 Kommentare zu "Türkei: Polizei will Proteste in Ankara niederschlagen"

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  • Warum dürfen wir denn den Artikel "Westerwelle mahnt zur Achtung der Bürgerrechte" nicht kommentieren ? Ist doch ausnahmsweise mal gar nicht so schlimm, was unser Außenkomiker da sagt. (Obwohl es natürlich nur diplomatisches Geschleime ist).

  • Die Bundesregierung forderte die türkische Regierung erneut auf, angemessen mit protestierenden Bürgern umzugehen.

    So wie in Stuttgard und Frankfurt?

  • Wo sind die Besorgnisbekundungen und Mahnungen unserer Bundesregierung an die Adresse Erdogans ?!

    Sowohl Merkel als auch Westerwelle haben ständig gegen Putin geätzt und Putin kritisiert, weil Putin Demonstrationen verbieten ließ.
    In Russland ist aber kein einziger Demonstrant umgekommen.

    In der Türkei sind inzwischen 4 Demonstranten getötet worden und unser Außenminister Guido Westerwelle (FDP)
    bietet der Türkei den Beitritt zur EU an!
    Offensichtlich haben Erdogan und Guido Westerwelle das gleiche Demokratieverständnis:

    Niedermetzeln der Demonstranten, bis Ruhe ist!

    Deswegen braucht die FDP bei der kommenden Bundestagswahl einen Denkzettel, den sie am besten außerhalb des Bundestags studieren darf.

  • Das türkische Militär hat die verdammte Pflicht das
    Massaker zu beenden. Am Ende werden mit Deutschen Waffen und Fahrzeugen Demonstranten angegriffen. Da wir ja Einheiten dort installiert haben werden sie eventuell angegriffen von Demonstranten die wissen das die meisten Politiker Deutschlands auf der Seite Erdogans stehen Das Militär sollte Erdogan verhaften und Neuwahlen ausrufen, Er hat es nicht verstanden das man Politik und Religion streng trennt. In Deutschland fällt auch immer mehr der Laizismus Verrückten zum Opfer die hier Erdogans Ziele
    verwirklichen.

  • Man sollte De Maiziere dringend raten die BW Einheiten sofort aus der Türkei abzuziehen. Mit Erdogan als Anstifter
    der schweren Kämpfe in Syrien haben Deutsche Soldaten da nichts mehr zu suchen. Für Erdogan ist ein instabiles Syrien ein Vorteil, er kann wie im Irak jederzeit mit seinen Panzern
    einfallen und die Kurden zügeln. Auch sind die Raketenstellungen ein lohnenswertes Angriffsziel von Islamisten. Wie ich Deutschland kenne, sind die BW Einheiten höchstens mit Handwaffen ausgerüstet.

  • Da ja das Militär bereits den Demonstrierenden zur Seite stand, indem es ihnen Gasmasken gegen das Tränengas aushändigte, rechne ich auch mit einem Eingreifen des Militärs g e g e n die Polizei.

    Auch wenn ich gegen eine Militärregierung bin, hat das Militär in der Türkei doch bisher immer (nur vorübergehend) den verfassungsmäßigen Laizismus im Land geschützt bzw. verteidigt.

    In der Vergangenheit war ich wiederholt in der Türkei, als das Militär die "Regierung" bildete und ich empfand das nie als bedrohlich.

    Den islamischen Frömmlern muß klar gemacht werden, daß die Türkei keine Theokratie ist.

  • Bis 4000 verletzte und 3 Tote in der Türkei und die Freunde von Erdokan schweigen immer weiter. Wieviel Tote und Verletzte noch bis die Erdogan Freunde Özdemir,Roth,Beck,Trittin,Kolat,Westerwelle Verantwortung übernehmen und Erdogan zügeln? Ferienhäuser sind vermutlich nicht in Gefahr! Aber die Wahl im September vermutlich, bis dahin muss Erdogan durchhalten um seine Anhänger mit Doppelpass raten die gewünschten Parteien zu wählen.
    Die Toten und Verletzten wird man bis dahin nicht mehr zählen können. Auch die EU die ja die Türkei aufnehmen will, sollte endlich eingreifen und das blutvergiessen
    verhindern. Aber auch hier ist man verstummt. Wäre die Türkei heute in der EU, würden sich alle Befürworter verkriechen.

  • idealer Beitrittskanditat für die EU, der Gottesstaat ob in Türkei oder Deutschland iss eh nur noch ne frage der Zeit...

  • Allen Respekt für eine Bevölkerung, die sich gegen eine faschistisch, islamistisch, diktatorische Regierung zur Wehr setzt.

  • JEDE Diskussion über den Beitritt der Türkei zur EU ist absurd! Die Türkei gehört zu ASIEN...
    Dann könnte man auch China in die EU einladen.
    Die werden sich aber hüten, diesem Fascho-Block EU anzugehören.

    Im übrigen hoffe ich, daß Erdogan und seine kriminellen Komplizen den "Dankesorden der Türken" erhalten...er ist um den Hals an einer Laterne baumelnd zu tragen!

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