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21.07.2008 
Pipelineprojekt

Türkei schielt auf irakisches Öl

von Gerd Höhler

Mit einem groß angelegten Pipelineprojekt will die Türkei von den riesigen Ölvorkommen im Irak profitieren. Ein neues Kooperationsabkommen mit Israel könnte Europas Energieunabhängigkeit erhöhen - und die Türkei zu einem der größten Energieumschlagplätze der Welt machen.

Das Öl im Irak wird immer interessanter für türkische Energiefirmen. Foto: APLupe

Das Öl im Irak wird immer interessanter für türkische Energiefirmen. Foto: AP

ATHEN. Die staatliche türkische Erdölgesellschaft TPAO will im Irak Öl und Gas fördern. Damit will sich die Türkei nicht nur neue Energiereserven für den eigenen Bedarf sichern. Das Land will auch seine Position als Energieumschlagplatz zwischen Ost und West stärken - unter anderem mit Öl- und Gaspipelines nach Israel.

Einzelheiten des Vorhabens besprach der israelische Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser vergangene Woche in Ankara mit dem türkischen Energieminister Hilmi Güler. Die Pläne sehen den Bau einer Drillingspipeline vor, die vom türkischen Hafen Yumurtalik nach Israel führen soll. Durch die drei Röhren könnten Öl, Gas und Trinkwasser gepumpt werden. Zusammen mit den Pipelines sollen ein Glasfaserkabel für die Datenübertragung und ein Stromkabel verlegt werden. Damit könnte Israel auch elektrische Energie aus der Türkei beziehen.

Erste Kostenvoranschläge für das türkisch-israelische Pipelineprojekt liegen bei vier Mrd. Dollar. Nächster Planungsschritt ist eine detaillierte Machbarkeitsstudie. Sie soll in zehn Monaten auf dem Tisch liegen. Die Bauzeit wird auf drei Jahre veranschlagt. Ein Teil des Erdgases könnte von Israel über neue und bereits bestehende Rohrleitungen bis nach Indien gepumpt werden. Darüber wollen Vertreter der Türkei, Israels und Indiens in Kürze beraten, kündigte Energieminister Güler an.

Gespeist werden soll die Drillingspipeline mit Erdgas aus Russland, wo Israel bereits über entsprechende Lieferverträge verhandelt, aber auch mit Gas und Öl aus dem Irak. Die Zusammenarbeit im Energiesektor war einer der Schwerpunkte der Gespräche, die der türkische Premier Tayyip Erdogan vergangene Woche in Bagdad führte. Am Rande des Besuchs unterzeichneten Vertreter von TPAO und des irakischen Ölministeriums ein Abkommen, das den Türken Konzessionen für die Exploration, Förderung und Vermarktung irakischer Ölvorkommen in Aussicht stellt. Erdogan meldete auch Interesse an irakischem Gas an.

Die Pipeline soll vom Akkas-Erdgasfeld in der westirakischen Provinz Al Anbar entweder durch Syrien oder über den Nordirak nach Yumurtalik führen. Von dort, so kündigte Erdogan an, könne man das irakische Gas auch in die geplante Nabucco-Pipeline einspeisen, die von der Türkei über den Balkan nach Österreich führen und Westeuropa unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen soll. Das Nabucco-Projekt verzögert sich bisher, weil unklar ist, wo das Gas für die Pipeline herkommen soll. Irakisches Gas könnte helfen, Nabucco rentabel zu machen.

Auch der Ölhafen Yumurtalik würde mit den geplanten Öl- und Gaspipelines aus dem Irak weiter wachsen. Hier endet bereits eine Zwillingspipeline aus dem nordirakischen Erdölfördergebiet von Kirkuk. Die schon in den 1970er Jahren gebaute Rohrleitung transportierte wegen der stockenden Förderung in Kirkuk in den vergangenen Jahren nur sporadisch kleine Mengen Rohöl. Inzwischen beginnt sich der Betrieb der Pipeline aber zu normalisieren. Yumurtalik ist auch Endpunkt einer Rohrleitung, durch die seit 2006 Rohöl aus den Feldern Aserbaidschans und Kasachstans am Kaspischen Meer zum Mittelmeer gepumpt wird. Eine weitere Ölpipeline von Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste nach Yumurtalik ist in Planung. Durch sie soll russisches Rohöl zum Mittelmeer gepumpt werden. Von Yumurtalik wird das Öl in alle Welt verschifft. Manche nennen den Hafen bereits das "Rotterdam des Mittelmeeres".

Mit den geplanten Pipelines aus dem Irak und der Leitung nach Israel und Indien würde die Bedeutung der Türkei als Energie-Drehscheibe weiter wachsen. In Ankara verspricht man sich von den Energieprojekten aber auch Impulse für den bilateralen Wirtschaftsaustausch mit dem Irak. Bereits in den 1980er-Jahren war das Land zeitweilig der wichtigste Handelspartner der Türkei. In diesem Jahr dürfte das bilaterale Handelsvolumen fünf Mrd. Dollar erreichen. Der türkische Außenhandelsminister Kürsad Tüzmen sieht aber ein Potenzial von 30 Mrd. Dollar, wenn sich die Lage im Irak normalisiert. Sollte sich die Öl- und Gasförderung auf das Vorkriegsniveau einpendeln, bedeute das nach heutigen Preisen ein Exportvolumen von 250 Mrd. Dollar, rechnet Tüzmen vor. Daran will die Türkei als Transitland mitverdienen. Tüzmen: "Ein reicher Irak bedeutet eine reiche Türkei."

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