Türkei
Schriftsteller prangern YouTube-Blockade an

Die von der türkischen Regierung verhängte Blockade von Twitter und Youtube macht viele Bürger fassungslos. Nun melden sich namhafte Schriftsteller zu Wort, und prangern eine eklatante Verletzung der Meinungsfreiheit an.
  • 0

Ankara/DarmstadtNamhafte internationale Schriftsteller haben in einem offenen Brief an die türkische Regierung die sofortige Aufhebung der Blockade von Twitter und YouTube verlangt. Ein freier Austausch von Gedanken sei unabdingbar für die Demokratie, aber ebenso für Kreativität, Empathie und Toleranz, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Schreiben der Autorenvereinigung PEN.

Zu den Unterzeichnern gehören Margaret Atwood, Orhan Pamuk, Salman Rushdie, Günter Wallraff sowie Elfriede Jelinek und Günter Grass.

Als Grund für die am Donnerstag verhängte YouTube-Sperre nannte die Regierung in Ankara, dass auf der Videoplattform abgehörte Telefonate veröffentlicht wurden, in denen es um mögliche Militäreinsätze in Syrien ging. Außenminister Ahmet Davutoglu sprach von einer „Kriegserklärung an die Türkische Republik“, nannte aber keine Verdächtigen.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Mitglieder seiner islamisch-konservativen Regierung hatten YouTube in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert, nachdem dort kompromittierende Telefonmitschnitte online gestellt worden waren, die Beleg für Korruption und Machtmissbrauch der AKP-Führung sein sollen.

Die Telekombehörde ordnete die YouTube-Blockade nur einen Tag nach einer juristischen Schlappe für die Regierung an: Ein Verwaltungsgericht hatte angeordnet, dass die Vollstreckung der Tage zuvor verhängten Twitter-Sperre ausgesetzt werden müsse.

In dem PEN-Brief heißt es weiter: „Das umfassende Twitter- und YouTube-Verbot wurde in der Folge eines rückschrittlichen Internetgesetzes verhängt und stellt eine nicht tolerierbare Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung dar.“ Laut einem aktuellen PEN-Bericht zu den letztjährigen Gezi-Protesten gebe es in der Türkei viele Problemen in Sachen Meinungsfreiheit - „von der Kriminalisierung, der Diffamierung bis hin zu Selbstzensur in den Leit-Medien, von Polizeigewalt gegen Journalisten bis hin zu immer größeren Beschränkungen der freien Meinungsäußerung im Internet“.

Seite 1:

Schriftsteller prangern YouTube-Blockade an

Seite 2:

„YouTube-Sperre ist vollkommen inakzeptabel“

Kommentare zu " Türkei: Schriftsteller prangern YouTube-Blockade an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%