Türkei-Streit Gehackte Twitter-Konten verbreiten Nachrichten von Erdogan-Anhängern

Tausende Twitter-Konten wurden am Mittwoch mit Nazi-Vorwürfen gegen Deutschland und die Niederlande übersät – ein Echo des aktuellen Türkei-Streits. Betroffen waren unter anderem Forbes und Amnesty International.
Update: 15.03.2017 - 13:34 Uhr 7 Kommentare

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BerlinHacker haben im Konflikt um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in großem Stil Twitter-Konten weltweit mit Nazi-Vorwürfen gegen Deutschland und die Niederlande geflutet. Auch auf Dutzenden bestätigten Accounts mit Millionen an Followern fanden sich am Mittwoch Nachrichten mit den Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda, einem Hakenkreuz-Symbol und dem Satz „Wir sehen uns am 16. April“. An diesem Datum steht in der Türkei das Referendum über das vom Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem an.

Das Einfallstor für die Hacker bot die zusätzliche App „The Counter“, mit der die Twitter-Konten verknüpft waren. Nur dadurch konnten sich die Hacker Zugang zu so vielen Accounts auf einmal verschaffen.

Betroffen waren unter anderem die offiziellen Twitter-Auftritte von Borussia Dortmund und der Tennis-Legende Boris Becker, des TV-Entertainers Klaas Heufer-Umlauf, des Senders ProSieben, Amnesty International sowie des Magazins „Forbes“ und des Sängers Justin Bieber in Japan.

Borussia Dortmund bedankte sich bei den Followern für die Hinweise und erklärte, der Tweet sei umgehend gelöscht worden. „Ich habe das nie gepostet, weil ich nicht Türkisch spreche“, schrieb Boris Becker. Und Klaas Heufer-Umlauf nahm es mit Humor: „Notiz an mich: Passwort joko123 zu unsicher“, schrieb er bei Twitter.

„The Counter“ ist eine Analyse-Anwendung, die zum Beispiel Retweets und Follower zählt – aber eben auch für die Profil-Besitzer Nachrichten bei Twitter platzieren konnte. Die Betreiber von „The Counter“ räumten am Mittwoch ein, dass die App gehackt wurde und sperrten die Möglichkeit, bei Twitter zu posten. „Wenn diese Aktivität weitergeht, glauben wir, dass nicht nur wir betroffen sind.“ Die App bekommt die Passwörter der Nutzer nicht zu sehen.

Wenn man sein Twitter-Profil mit solchen Anwendungen verknüpft, können über sie oft auch Twitter-Nachrichten abgesetzt werden. In den vergangenen Jahren hatten Angreifer immer wieder mal Twitter-Accounts von Prominenten und Unternehmen in ihre Gewalt gebracht. Eine so breite Welle wie am Mittwoch gab es aber noch nicht.

Wie die Türkei von Deutschland abhängt
Deutschland und Türkei im Streit
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Mit verbalen Angriffen auf Deutschland hat Recep Tayyip Erdogan eine diplomatische Krise provoziert. Nach Absagen für geplante Wahlkampfauftritte seiner Minister, die in Deutschland für die Verfassungsreform werben wollten, hatte der türkische Präsident der Bundesrepublik „Nazi-Praktiken“ und Bundeskanzlerin Angela Merkel Terrorunterstützung vorgeworfen.

Fall Deniz Yücel
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Auch der Fall des in der Türkei inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel belastet die Stimmung. Dabei kann sich das Land einen Streit mit Deutschland eigentlich nicht leisten – zumindest was die engen Handelsbeziehungen betrifft.

Wie steht die Türkei wirtschaftlich da?
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Die fetten Jahre sind vorbei. Wuchs die Wirtschaft nach der Finanzkrise um neun Prozent, hat sich das Wachstum seither deutlich abgekühlt. Für 2017 hat die Weltbank ihre Wachstumsprognose auf 2,7 Prozent gesenkt. Investoren sind verunsichert wegen Terroranschlägen und Erdogans zunehmend autoritärer Politik. Vergangenes Jahr brachen die Direktinvestitionen laut türkischem Wirtschaftsministerium um 31 Prozent ein. Zudem stürzte die Landeswährung Lira ab. Das verteuerte Importe und trieb die Inflation auf mehr als acht Prozent. Für die Türkei ist das besonders hart, weil die Importe deutlich höher sind als die Exporte.

Schrumpfende Wirtschaft
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Auch sonst geht es bergab: Die türkische Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 1,8 Prozent, die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei rund 12 Prozent. „Die Wirtschaft kollabiert“, warnt die Commerzbank. Doch die Türkei hat auch noch einige Trümpfe in der Hand: Eine relativ junge Bevölkerung, starker Konsum, niedrige Schulden und die geografisch günstige Lage zwischen Europa und Asien.

Wie wichtig ist die Türkei als Handelspartner für die Bundesrepublik?
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Unter den deutschen Exportpartnern steht die Türkei auf Platz 15. Im vergangenen Jahr gingen Waren im Wert von knapp 22 Milliarden Euro in die Türkei. Bei den Importen belegt sie Rang 16. Das macht die Türkei zu einem wichtigen Handelspartner - doch andere Länder sind weit bedeutsamer. In die USA exportierte Deutschland Güter im Wert von fast 107 Milliarden Euro, nach Frankreich Waren im Wert von gut 101 Milliarden Euro und nach Großbritannien von 86 Milliarden Euro. Eine Abschottungspolitik unter US-Präsident Donald Trump, ein Rechtsruck in Frankreich bei den nahenden Präsidentschaftswahlen und Verwerfungen mit Großbritannien wegen des geplanten Brexits wären viel gefährlicher.

Wie stark hängen deutsche Schlüsselbranchen von der Türkei ab?
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Die Türkei war ein Hoffnungsland für deutsche Firmen, wenn auch kein führender Markt. Die Autoindustrie hat dem Branchenverband VDA zufolge seit 2009 die Pkw-Exporte in das Land mehr als vervierfacht. Auch der Maschinenbau und die Chemie-Industrie profitierten vom Aufstieg der Türkei. Und für die deutsche Elektroindustrie ist das Land laut Branchenverband ZVEI der siebtwichtigste Investitionsstandort.

Leidet der gemeinsame Handel bereits?
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Die Chemiebranche etwa, die 2016 Produkte im Wert von drei Milliarden Euro in die Türkei lieferte, ist zumindest alarmiert. „Man muss im Auge haben, dass da nichts anbrennt“, sagte Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer beim Branchenverband VCI. Die deutschen Auto-Exporte in die Türkei fielen 2016 schon um 10 Prozent.

Der Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Europa war in den vergangenen Tagen eskaliert. Deutschland und den Niederlanden wurden aus der türkischen Regierung „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Präsident Recep Tayyip Erdogan griff zu Wochenbeginn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich an und warf ihr vor, Terroristen zu unterstützen. Als erstes Bundesland kündigte das Saarland an, Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker zu verbieten.

Am 16. April sollen die Türken über eine Verfassungsreform abstimmen. Sie würde die Machtbefugnisse von Staatspräsident Erdogan massiv ausweiten. In Deutschland leben gut 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken – die größte Gruppe in der EU.

  • dpa
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7 Kommentare zu "Türkei-Streit: Gehackte Twitter-Konten verbreiten Nachrichten von Erdogan-Anhängern "

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  • Nichts tun, dafür viel reden, immer nachgeben, sich von anderen an der Nase herumführen lassen und vor allem viel schlafen, bedeutet Frieden.

  • "Islam bedeutet Frieden"
    Genau, und je mehr Islamisten man ins Land holt je friedlicher wird es. Wenn die Ur-Bevoelkerung die Islamisten nicht immer provozieren wuerde und und sich endlich in die neue Leitkultur integrieren wuerde dann gaebe es ueberhaupt keine Probleme.

  • @ Herr Grutte Pier15.03.2017, 10:38 Uhr

    Nur für den, der es ggf. noch nicht wusste: "Islam bedeutet Frieden"

    Habe ich bei Wikipedia was anderes gelesen. Sicher kann man da verschiedener Meinung sein. Heil kann ja auch Gesundheit bedeuten.

  • So agieren Diktaturen.

  • Merkel und Erdogan...hier zeigt sich wie SCHWACH die Merkel als Kanzlerin und EU Führerin erst ist. Merkel hat kein Rückgrat, will ihre von den Eliten der Finanz- und Wirtschaftsmafia auferlegte grenzenlose Poltiik weiter fortführen und will es somit nicht mit Erdogan verscherzen.

  • Nur für den, der es ggf. noch nicht wusste: "Islam bedeutet Frieden"

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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