Türkei
Terroranschläge erschüttern Istanbul

Tote bei Anschlägen in Istanbul und im Südosten der Türkei: Angreifer nehmen Sicherheitskräfte und das US-Konsulat ins Visier. Die Täter sind unbekannt. Vermutet wird ein kurdischer oder islamistischer Hintergrund.
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IstanbulBei zwei Anschlägen in Istanbul sind mindestens vier Menschen getötet worden. In der Nacht zum Montag verübte ein Selbstmordattentäter einen Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im Stadtteil Sultanbeyli im asiatischen Teil der türkischen Metropole, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Stunden später griffen Bewaffnete das US-Konsulat im europäischen Teil der Stadt an. Im Südosten der Türkei wurden laut Medienberichten insgesamt fünf Sicherheitskräfte getötet.

Bei dem Autobombenanschlag kurz nach Mitternacht in Sultanbeyli starb der Attentäter, zehn Polizisten wurden verletzt. Wenige Stunden danach gerieten Beamte der Spurensicherung unter Beschuss. Daraufhin entwickelte sich ein stundenlanges Feuergefecht zwischen Polizisten und den Angreifern, bei dem Behördenangaben zufolge zwei Angreifer und ein ranghoher Polizist getötet wurden.

Im Fernsehen waren Aufnahmen zu sehen, auf denen sich Polizisten hinter Mauern und ihren gepanzerten Fahrzeugen verschanzten und Schussgefechte mit den Angreifern lieferten. Ein türkischer Regierungsvertreter machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für das Selbstmordattentat verantwortlich.

Nach dem Anschlag auf das schwer gesicherte US-Konsulat im Istanbuler Viertel Istinye, bei dem niemand zu Schaden kam, konnten die zwei mutmaßlichen Angreiferinnen zunächst flüchten. Eine von ihnen wurde nach Behördenangaben kurze Zeit später festgenommen. Sie sei verletzt, hieß es. Die zweite Verdächtige werde noch gesucht.

Die Regierung in Ankara beschuldigte die linksextreme Gruppe Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C), hinter dem Angriff auf das Konsulat zu stecken. Es gebe eine „Verbindung“ zwischen den Schüssen auf das Konsulat und der Gruppe DHKP-C, sagte ein Vertreter. Diese hatte 2013 einen Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara verübt. Ein Konsulatssprecher erklärte, die Vertretung bleibe wegen eines „Sicherheitsvorfalls“ in der Nähe bis auf weiteres geschlossen.

Im Südosten des Landes wurden bei einem Bombenanschlag in der Region Silopi in der an den Irak und Syrien grenzenden Provinz Sirnak mindestens vier türkische Polizisten getötet, wie die Nachrichtenagentur Dogan meldete. Örtliche Medien machten kurdische Rebellen für das Attentat verantwortlich. Ein Soldat wurde zudem laut Dogan getötet, als kurdische Kämpfer einen Armeehubschrauber angriffen, der Sicherheitskräfte in den Distrikt Beytussebap in Sirnak bringen sollte.

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