Türkei-Wahl
„Der macht sich gut“

Der amtierende Ministerpräsident Erdogan gilt als klarer Favorit bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei. Doch er kommt längst nicht bei allen Türken an. Ein Stimmungsbericht aus Ankara.
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AnkaraSelahattin Demirtas?! „Komm hör auf!“, sagt der 19-jährige Erdal während er seine Saz, ein türkisches Zupfinstrument, stimmt. Gemeinsam mit Freunden sitzt er auf dem Talatpasa Bulvari in Ankara vor einem der Musikgeschäfte, die sich dort zahlreich aneinanderreihen. Am Sonntag wird in der Türkei ein neuer Präsident gewählt.

Der amtierende Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gilt als klarer Favorit. Konkurrenten wie der Kurde Selahattin Demirtas gelten als chancenlos.

Die jungen Männer sind keine Anhänger Erdogans und seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP). Auch der gemeinsame Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der rechtsgerichteten Partei der Nationalen Bewegung, Ekmeleddin Ihsanoglu, gefällt ihnen nicht. Sie werden überhaupt nicht wählen gehen. Was soll sich schon ändern in diesem Land? Und: Was müsste denn geändert werden? Auf die Schnelle fällt ihnen da gar nichts ein.

Es ist die erste Direktwahl eines türkischen Präsidenten, rund 50 Millionen Türken sind aufgerufen, am Sonntag ihre Stimmen abzugeben. Überall in Ankara hängen gigantisch große Wahlplakate. Auf ihnen wirbt der Favorit Erdogan – ebenso wie die Kandidaten der Opposition. Erdogan wirbt als „Mann des Volkes“, Ihsanoglu mit seiner Überparteilichkeit. 

Kazim, 57 Jahre alt, kann sich noch gut daran erinnern, wie es früher in der Türkei war. „Es ist nicht lange her, da habe ich nach befahrbaren Straßen gesucht, heute habe ich mich schon zweimal verfahren“, sagt er und lacht. Ihm sei egal, wer die Straßen baue. Dass sich aber vieles in den vergangenen elf Jahren, seitdem Erdogan Ministerpräsident ist, verbessert habe, sei nicht von der Hand zu weisen.

„Vieles, wie die medizinische Versorgung oder der Arbeitsmarkt, hat sich positiv entwickelt“, sagt er. Das Bildungssystem sei sicherlich noch ausbaufähig. „Und ich weiß nicht, warum sie Politik und Religion unbedingt unter einen Hut bringen müssen.“

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