Türkei-Wahlen in Berlin
„Erdogan wird es nicht leicht haben“

Erstmals wählen die Türken ihren Präsidenten direkt – und zum ersten Mal können sie in Deutschland ihre Stimme abgeben. Mit Spannung wird erwartet, ob Premier Erdogan gewinnt. Besuch bei einem Wahllokal in Berlin.
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BerlinAm Donnerstagmorgen strahlt die Sonne auf die Fassade des Berliner Olympiastadions am Ost-Eingang. Die türkische Fahne hängt dort, gleich über einem Banner mit der Aufschrift: „Türkische Präsidentschaftswahlen - Berliner Wahllokal“. Es ist das größte türkische Wahllokal Deutschlands – und das wird es bis einschließlich Sonntag auch bleiben. Bis dahin können hier etwa 140.000 türkische Staatsbürger den Präsidenten ihres Herkunftslandes wählen.

Auch in Essen, Karlsruhe, Düsseldorf, Hannover, Frankfurt und München wird gewählt. Er könne nicht abschätzen, wie hoch die Wahlbeteiligung sein werde, erklärt der türkische Generalkonsul in Berlin, Ahmet Basar Sen, am Morgen vor Journalisten. „Nach der Wahl werden wir die Stimmzettel sammeln und in einem sicheren Raum im Generalkonsulat lagern“, sagt er. Später würden die ungeöffneten Umschläge in die Türkei geflogen und dort ausgezählt. Deswegen startet die Wahl außerhalb der Türkei früher, dort wird erst am 10. August abgestimmt.

Es ist eine Premiere in zweifacher Hinsicht: Erstmals wird der türkische Staatspräsident in direkter Wahl bestimmt. Zudem können die Wähler nun zum ersten Mal fernab ihres Herkunftslandes wählen. Bislang waren die türkischen Staatspräsidenten vom Parlament gewählt worden.

Der seit 2007 amtierende Präsident Abdullah Gül tritt nicht mehr an. Zur Wahl des Staatschefs stehen der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan (AKP), Ekmeleddin Ihsanoglu für die beiden größten Oppositionsparteien des Landes CHP und MHP und der Co-Vorsitzende der pro-kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas. Auch wenn er keine wirkliche Chance auf das Amt hat, könnte Demirtas Erdogan um die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang bringen.

Das glaubt auch ein 48-Jähriger aus dem Berliner Stadtteil Wedding. Am Donnerstagmorgen überquert er gut gelaunt den Vorplatz des Stadions. „Erdogan wird es nicht leicht haben“, sagt er. Er glaube nicht daran, dass der amtierende Ministerpräsident gleich im ersten Wahlgang 50,1 Prozent oder mehr holen werde.

Aber die Stichwahl, die werde Erdogan für sich entscheiden. Eine Dame mit Kopftuch sagt: „Das hoffe ich.“ Sollte sich keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang durchsetzen und sollte es zu einer Stichwahl kommen, gibt es in Deutschland vom 17. bis 20. August die nächste Wahl. Und nur vier Tage später einen neuen Präsidenten im Amt.

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  • Die Deutschen durften ja auch nicht zw. D-Mark und EURO wählen. Und schon garnicht für oder gegen den "ESM", also die Schuldenübernahme anderer Länder (obwohl uns bei der Einführung sogar per Gesetz zugesichtert wurde, dass es niemals eine Schuldenübernahme geben wird, niemals...).
    Und für oder gegen die sog. "Banken-Union" dürfen wir auch nicht stimmen (hier bürgt der deutsche Steuerzahler ebenfalls per ESM für die maroden Banken in Spanien, Portugal, Griechenland usw.).

    Aber dem blödesten Volk auf Gottes Erden scheint das alles recht zu sein: ein Leben lang arbeiten, z.B. auch für die Frührentner in Frankreich oder für Renten für tote Esel in Griechenland usw., und dann im Alter am Hungertuch nagend...

  • Auch hier wieder erkennt man, wie "objektiv" mainstream wirklich ist.

    Erdogan ist der Liebling der Türken und nicht der, den man uns von Mainstream-Medien so vorgesetzt bekommt.

  • In der Türkei darf der Präsident auch von Türken im Ausland gewählt werden.

    In Deutschland darf der Präsident nicht mal von der deutschen Bevölkerung in Deutschland gewählt werden. Sondern nur von einer privilegierten Gruppe die genau so kriminell und genau so dumm wie die Bevölkerung ist. Und andere Interesssen hat. Das nennt man dann Demokratie. Tatsächlich ist es aber die Entmündigung der deutschen Bevölkerung.

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