Türkisch-israelischer Streit

Zentralrat setzt Deutschland unter Zugzwang

Der Streit um den Einsatz gegen ein türkisches Hilfsschiff könnte die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel dauerhaft beschädigen. Der Westen ist besorgt. Der Zentralrat der Juden hofft auf Berlin als Vermittler.
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Washington/Istanbul/Tel Aviv/Berlin Nach der Eskalation des Streits zwischen der Türkei und Israel bemühen sich Verbündete beider Länder um Schadensbegrenzung. Die USA forderten die Regierungen in Ankara und Jerusalem auf, die Auseinandersetzung um den blutigen Einsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte vor 15 Monaten zu beenden. Washington bedauere, dass beide Länder ihre Differenzen nicht hätten beilegen können, teilte das US-Außenministerium in Washington mit. Außenminister Guido Westerwelle rief die Türkei am Samstag auf, das Ergebnis der internationalen Untersuchung über die Gaza-Hilfsflotte zu akzeptieren.

Dem Zentralrat der Juden in Deutschland gehen die Forderungen Westerwelles nicht weit genug. „Eventuell könnte vor allem die deutsche Bundesregierung mit ihrem großen politischen Gewicht und auf der Basis ihrer guten Beziehungen zu beiden Regierungen hier vermittelnd tätig werden. Dazu können wir die Bundesregierung nur ausdrücklich ermuntern und ihr von Herzen viel Erfolg dabei wünschen“, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, Handelsblatt Online.

Die Türkei hatte am Vortag den israelischen Botschafter ausgewiesen und alle Militärabkommen mit Israel auf Eis gelegt. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül drohte mit weiteren Schritten. Israel bedauerte die Entwicklung. Nur Stunden vor der Entscheidung war ein für Ankara unangenehmer Uno-Untersuchungsbericht zur blutigen Erstürmung des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“ durchgesickert. Bei der israelischen Kommandoaktion waren neun Türken getötet worden. In dem Untersuchungsbericht wird Israels Position in wesentlichen Punkten gerechtfertigt.

Zentralrats-Chef Graumann sagte dazu, es erfülle ihn „mit tiefer Sorge“, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern „den tiefsten Punkt“ erreicht hätten und kurz vor einem Abbruch stünden. „Nicht eine weitere Eskalation, sondern Besonnenheit und Klugheit sind jetzt aber das Gebot der Stunde“, betonte er. 

Vor allem vor  dem Hintergrund der ungewissen Situation und Zukunft in der gesamten Region und den anhaltenden gewalttätigen Auseinandersetzungen in Libyen, Syrien und dem Irak, aber auch der „tickenden Zeitbombe von Hass  im Iran“, sei gerade eine „strategische Partnerschaft“ zwischen Israel und der Türkei von vitalem Interesse für alle Beteiligten. „Sie wäre auch ein umso wichtiger gewordener Anker der Stabilität in der Region insgesamt“, sagte Graumann.

Der Zentralrats-Präsident äußerte die Hoffnung, dass die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei nicht weiter beschädigt würden, sondern schon bald wieder den „Status von Nähe und Freundschaft“ erreichten. „Hoffnung macht, dass auch auf beiden Seiten betont wird, dass man die historische Freundschaft zwischen beiden Völkern nicht beschädigen wolle“, sagte er. „Genau hier gilt es, nun entschlossen anzuknüpfen und einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden.“

Auch die Bundesregierung sieht die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und Israel mit großer Sorge. „Und wir rufen alle Beteiligten auf, hier keine neuen Verschärfungen ins Spiel zu bringen, sondern auf Entspannung und Gesprächsfähigkeit hinzuarbeiten“, sagte Westerwelle im polnischen Ostseebad Zoppot. Es habe eine „unabhängige und transparente Untersuchung“ gegeben. „Diese Ergebnisse sollten ernst genommen werden, selbst wenn sie dem einen oder anderen in bestimmten Aspekten nicht gefallen.“ Er habe bei einem Treffen der EU-Außenminister in Zoppot auch dem dort anwesenden türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu seine Meinung gesagt, sagte Westerwelle.

Ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter hatte gesagt, Israel „akzeptiere“ den Bericht. Zugleich betonte der Sprecher, der ungenannt bleiben wollte, die israelische Regierung habe sich um eine Entschärfung des Konflikts bemüht. „Leider hatten wir keinen Erfolg.“

Mitglieder der israelischen Regierung äußerten sich zunächst nicht. Am Samstag ruhten die Amtsgeschäfte wegen des Sabbat. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt eine von der Türkei geforderte offizielle Entschuldigung aber ab, allerdings hat er sein Bedauern über den Verlust an Menschenleben ausgesprochen.

Türkische Medien berichteten am Samstag, Ankara sei auch verärgert darüber, dass der Untersuchungsbericht während noch laufender Bemühungen um eine Beilegung des Streits in die Öffentlichkeit gelangt sei. Die türkische Regierung gehe davon aus, dass politische Kreise in Israel dies organisiert hätten, um eine Kompromissformel zu verhindern.

Die türkische Zeitung „Hürriyet Daily News“ berichtete, die Türkei wolle nun ihren Schiffsverkehr im Mittelmeer von der Marine schützen lassen, womöglich auch türkische Hilfslieferungen an die Palästinenser. „Es wird nun eine aggressivere Strategie verfolgt werden. Israel wird nicht länger in der Lage sein, sich unbehindert wie ein Rüpel zu verhalten“, sagte ein türkischer Diplomat der Zeitung.

Israelische Militärs hatten die „Mavi Marmara“, die zusammen mit anderen Schiffen Israels Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und 10.000 Tonnen Hilfsgüter zu den Palästinensern bringen sollte, am 31. Mai 2010 von Kommandobooten und Hubschraubern aus angegriffen.

 

  • dne
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  • Hilfreich wäre auch die Erwähnung :
    Israelische Elitesoldaten haben schon vor der Erstürmung angefangen Menschen zu erschiessen. Gezielt zwei Kameraleute, damit Aufnahmen erst garnicht gemacht werden.
    Und das alles vor der ersten "Berührung"

    Siehe UN-Bericht.

  • Stimmt,e s war Unrecht, wie der Staat gegründet wurde.

    Alles was jetzt passiert, ist nur das Echo auf das, was man der palestinensischen Urbevölkerung derzeit angetan hat.

  • --@ Fairplay

    es wäre hilfreich, wenn auch Sie zur Kenntnis nehmen würden,d ass der Satt Israel durch Massenmord und Massaker an der palestinensischen Bevölkerung entstanden ist. Auch wenn es schon Jahre zurück liegt, aber dieser Staat ist ein U.N.rechtsstaat.

    Auch wenn der Sieger IMMER recht hat.

  • http://aro1.com/vorabbesprechung-palmer-report-tuerkei/

  • Man vergesse mal kurz, alles, was man ueber den Vorfall weiss und lese dann den Tagesschau-Text hier. Wer macht hier Stress? Israel oder die Tuerkei, oder beide?



    Aber es ist nicht nur die Tagesschau, sondern der Aufruf der EU an sich, ist eine weitere unwahrhaftige Frechheit der EU – so ‘unparteiisch’ sich die Formulierung auch erstmal anzuhoeren scheint:

    Nachdem die Tuerkei einen Schritt nach dem naechsten macht, um Beziehungen zu Israel zu kappen, Spannungen aufzubauen, rhetorisch anzugreifen etc., und man in Israels Regierung darueber diskutiert, wie tief man sich erniedrigen lassen sollte, um ueberhaupt irgendwelche, der wichtigen Beziehungen zur Tuerkei, aufrecht erhalten zu koennen, ruft jetzt die EU “die Tuerkei und[!] Israel” auf “ihre diplomatische Krise nicht zu verschaerfen“.

    Wie genau hat Israel diese “Krise verschaerft” liebe EU?

    Muesst ihr immer das ‘boese Kind’ mit dem ‘artigen Streber’ gleichzeitig bestrafen? Ist das eure Art von ‘Gerechtigkeit’ oder nur eure Feigheit, der Tuerkei direkt zu sagen, dass sie gefaehrlich uebertreibt?



    Eine sehr gute Entgegnung und Vertretung der israelischen Position konnte man ueberigens hier auf CNN sehen. Einat Wilf aus der Azmaut Partei (ihr wisst schon, die ‘Spalter’ unter Barak) setzt hier mal einen sehr erfrischenden Auftritt fuer die israelische Hasbara: Endlich mal gutes Englisch, eindeutige und gut geordnete Vertretung israelischer Positionen, und ein benennen der Wahrheit (Islamisierung und anti-Israelisierung der Tuerkei als strategische Entscheidung der Erdogan-Regierung) ohne falsche Hoffnungen, Einschmeichelungen oder Naivitaeten. Danke an Einat Wilft (auch wenn ich national-religioes waehle)



    Mal sehen, ob Erdogan jetzt seine Drohung mit dem Hamas-Besuch in Gasa umsetzt. Zumindest wuerde der Westen so noch deutlicher sehen, wohin die Tuerkei unter ihm marschiert…

  • Kurze Vorabbesprechung: Der Palmer-Report laesst die Tuerkei in vielen Punkten schlecht dastehen (welche weiter feindlich agiert). Und selbst die Kritik an Israel scheint eher duenn…

    Hier ist der Palmer Report zum Marmara-Vorfall. Ich hab ihn leider noch nicht gelesen und weiss noch nichts spezifischen von den wenigen Anschuldigungen (wer gerne auf bestimme Stellen verweisen will, bitte per Kommentar), aber die einzigen in den Medien genannten Kritikpunkte an Israel sind bis jetzt demnach, dass die militanten Tuerken auf dem Schiff 1) ‘aus naechster Naehe erschossen’ und 2) in ‘den Ruecken getroffen’ wurden.



    1) Wie wir bei aro1 von anfang an berichtet hatten, und auch aus den meisten Videos zu sehen ist, war der brutale Angriff der Tuerken von anfang an “aus naechster Naehe“. Was erwarten die Leute? Dass Israel sie aus 800m Entfernung erschiesst, wenn sie gerade mit Koerperkontakt und einem Messer versuchen dich zu erstechen?

    2) Es wurde auch berichtet, dass zumindest in einigen Faellen Soldaten von ihren Notfall-Pistolen gebrauch machten, als sie sahen, wie andere Soldaten fast ermordet wurden. Sprich, wenn eine Gruppen von Islamisten mit Messern, Stangen und Aexten (bitte nicht vergessen, dass nachgewiesener Weise von ihnen auch Schusswaffengebrauch gemacht wurde) sich um einen auf dem Boden liegenden (und in manchen Faellen bereits bewusstlosen, blutenden) Soldaten schart und auf ihn einschlaegt, und ein anderer Soldat in der Naehe auf sie das Feuer eroeffnet, wird er sie wohl kaum von vorne Treffen…



    Und ach ja, die Anfeindungen aus der Tuerkei (zuletzt der Rauswurf unseres Botschafters) werden bei der Tagesschau wiedermal (zumindest in Ueberschrift und anfang) dem Leser als beiderseitiges “Saebelrasseln” verkauft…

  • Hier ein Link zu dem Uno-Bericht:

    http://www.un.org/News/dh/infocus/middle_east/Gaza_Flotilla_Panel_Report.pdf

    Und zwei Zitate aus dem Bericht (Mavi Marmara ist der Name des türkischen Schiffes):

    "Israel’s decision to board the vessels with such substantial force at a great distance from the blockade zone and with no final warning immediately prior to the boarding was excessive and unreasonable:"

    "The loss of life and injuries resulting from the use of force by Israeli forces during the take-over of the Mavi Marmara was unacceptable. Nine passengers were killed and many others seriously wounded by Israeli forces."

  • Kann man Unrecht durch Unrecht wiedergutmachen?
    Ich verstehe die Welt nicht mehr!

  • Der Zentralrat bleibt sich selbst treu : schleimig und unverschämt

  • Wie kann es sein, dass der nicht gewählte Zentralrat die demokratisch gewählte Regierung Deutschlands unter Zugzwang setzt? Ist das so eine Art Schattengouverneursrat?
    Mit welcher Berechtigung fühlt sich der Zentralrat der Juden in Deutschland bemüßigt, der deutschen Regierung ständig Anweisungen oder Ratschläge zu erteilen?
    (Frage: Verstehen sich die Juden in Deutschland denn nicht als Deutsche jüdischen Glaubens, sondern nur als Sprachrohr der israelischen Regierung?) Ich verstehe es wirklich nicht...
    Falls dieser Beitrag unangemessen ist und irgendjemandes Gefühle verletzt, bitte ich schon mal untertänigst um Entschuldigung...

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