Türkische Beziehung zu Russland
Eiszeit zwischen Ankara und Moskau

Entspannung ja - Entschuldigung nein. Die türkische Regierung wirbt nach dem Abschuss eines russischen Kampfbombers um eine Rückkehr zu guten Beziehungen, bleibt aber hart in ihren Positionen.

Istanbul/BelgradNach den jüngsten Vorwürfen des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat die türkische Regierung um Entspannung in der eskalierenden Krise geworben. Einen Tag nach dem persönlichen Gespräch der Außenminister Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusoglu am Rande des OSZE-Ministerrats in Belgrad plädierte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu für weitere Treffen „von Angesicht zu Angesicht“.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte die erste hochrangige Kontaktaufnahme zwischen Russland und der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftabwehr. „Keiner hat erwartet, dass hier sofort eine Entschärfung und Lösung der Krise gelingt“, sagte Steinmeier am Freitag in Belgrad. Das Treffen von Lawrow und Cavusoglu sei aber wichtig gewesen, weil erstmals Positionen im direkten Gespräch ausgetauscht worden seien.

Lawrow hatte zu dem Gespräch gesagt, er habe nichts Neues von Cavusoglu gehört. Der russischen Bomber war am 24. November im syrischen Grenzgebiet abgeschossen worden. Ankara wirft Moskau eine Verletzung seines Luftraums vor. Der Kreml weist dies zurück.

Der türkische Regierungschef Davutoglu forderte am Freitag bei einem Besuch in Aserbaidschans Hauptstadt Baku: „Lasst uns unsere Angelegenheit angehen, indem wir von Angesicht zu Angesicht reden.“ Zugleich habe er an Putin appelliert, keine Kampagnen zu führen, „die an die Zeit des Kalten Krieges erinnern“, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Davutoglu sagte, die Türkei hege „nicht einmal das geringste negative Gefühl gegenüber dem russischen Volk“. Er betonte erneut, dass sich die Türkei für den Abschuss des russischen Kampfjets in der vergangenen Woche nicht entschuldigen werde - so wie von Moskau verlangt. „Wir entschuldigen uns nicht dafür, unsere Grenzen zu schützen.“

Davutoglu wies erneut die russische Anschuldigung zurück, die türkische Regierung unterstütze die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und billige den grenzüberschreitenden Ölschmuggel. Er frage sich, warum die Regierung in Moskau solche Anschuldigungen erst seit dem Abschuss des Flugzeuges erhebe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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