Türkische “Cumhuriyet“
Vier Mitarbeiter der Zeitung bleiben in Haft

Die vier wichtigsten Angeklagten im „Cumhuriyet“-Prozess bleiben in Haft. Das entschied ein Gericht in Istanbul. Kritiker sehen in dem Prozess eine fortschreitende Beschneidung demokratischer Grundrechte.
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IstanbulIm Prozess gegen Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ bleiben die vier wichtigsten Angeklagten in Untersuchungshaft. Ein Gericht in Istanbul entschied am Freitagabend nach fünftägiger Verhandlung, sie nicht freizulassen. Sieben weitere inhaftierte Mitarbeiter der Zeitung sollen dagegen bis zu einem Urteil in dem Prozess vorläufig auf freien Fuß gesetzt werden. Die nächste Anhörung ist für den 11. September anberaumt. Insgesamt stehen 17 journalistische und sonstige Mitarbeiter seit Anfang dieser Woche vor Gericht. Ihnen werden wegen der Berichterstattung Verbindungen zu verschiedenen „terroristischen“ Gruppen vorgeworfen, darunter die Gülen-Bewegung und die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK. Das Blatt weist die Anschuldigungen zurück.

Kritiker sehen in dem Prozess einen weiteren Beleg für eine Beschneidung demokratischer Grundrechte unter Präsident Recep Tayyip Erdogan. Den Mitarbeitern der Zeitung drohen mehrjährige Haftstrafen. Der ehemalige Chefredakteur Can Dündar, der im deutschen Exil lebt, warf Erdogan in einem Namensbeitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ vor, die Türkei zum weltgrößten Gefängnis für Journalisten zu machen.

Die türkischen Behörden haben seit der Niederschlagung des Militärputsches vor einem Jahr rund 200.000 Menschen entlassen oder verhaften lassen. Die Sicherheitsbehörden verdächtigen sie, den Prediger Fethullah Gülen zu unterstützen. Gülen ist aus Sicht Erdogans der Drahtzieher hinter dem gescheiterten Putsch. Der im US-Exil lebende Gülen hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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