Türkische Grenze
Kurden sollen IS-Vormarsch gestoppt haben

Kurdische Kämpfer sollen die Terrormilizen des IS nahe der Grenze zur Türkei gestoppt haben. Ein Sprecher der IS-Milizen ruft zu Morden an Zivilisten auf. Mehr als 130.000 Kurden sind bereits geflüchtet.
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Beirut/SurucKurdische Kämpfer haben nach eigener Darstellung den Vormarsch der Extremistenmiliz Islamischer Staat in der Nähe der nordsyrischen Stadt Kobani gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Montag zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG.

Allerdings gebe es immer noch Kämpfe. Kobani liegt an der Grenze zur Türkei. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Islamisten hätten in den vergangenen 24 Stunden keine größeren Erfolge erzielt.

Vor der Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat im Norden Syriens sind bis Montag mehr als 130.000 Menschen in die benachbarte Türkei geflohen. Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, die Zahl der meist kurdischen Flüchtlinge könne angesichts der andauernden Kämpfe noch steigen. Die Türkei sei auf „den schlimmsten Fall“ vorbereitet.

Kurdische Kämpfer meldeten erste Erfolge gegen die Terrormiliz, die in den vergangenen Tagen fast bis auf Sichtweite zur türkischen Grenze vorstieß. Kämpfe tobten bereits nahe der Grenzstadt Ajn al-Arab, die kurdisch Kobani heißt. Das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte mit Sitz in London berichtete, seit Sonntagabend seien 21 kurdische Kämpfer in Gefechten meist in den südlichen Außenbezirken von Kobani getötet worden.

US-Außenminister John Kerry äußerte unterdessen die Erwartung, dass sich die Türkei nach der Befreiung von 49 Geiseln aktiver in den Kampf gegen die Terrormiliz einschaltet. Davor warnte ein IS-Sprecher: Die Terrormiliz sei zum Kampf gegen eine von den USA geführten militärischen Koalition bereit.

Abu Mohammed al-Adnani rief überdies Muslime in aller Welt auf, Zivilisten jener Länder zu töten, die sich dem Kampf gegen seine Organisation anschlössen.

Die IS-Miliz, die seit Monaten weite Teile Syriens und des Iraks unter ihrer Kontrolle hat, eroberte vergangene Woche Dutzende kurdischer Dörfer in Nordsyrien. Allein am Wochenende kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks rund 70 000 Menschen in die Türkei.

Die Grenze wurde nach Auseinandersetzungen mit den türkischen Behörden zeitweilig geschlossen. Die Türkei beherbergt insgesamt bereits mehr als 1,5 Millionen Syrer, die sich vor dem seit mehr als drei Jahren wütenden Bürgerkrieg in Sicherheit gebracht haben.

Menschen, die sich in der jüngsten Flüchtlingswelle retten konnten, berichteten am Wochenende in der Türkei von Gräueltaten der sunnitischen Dschihadisten, darunter Steinigungen und Enthauptungen. Häuser sollen niedergebrannt worden sein. Die Menschen stammen nach Angaben des türkischen Katastrophenschutzes überwiegend aus der Gegend um Kobani.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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