Türkische Offensive gegen IS
Syrische Rebellen erobern Grenzstadt Dscharablus

Die türkische Großoffensive in Syrien trägt Früchte: Die Freie Syrische Armee eroberte mit Hilfe der Türkei den Grenzort Dscharablus von der Terrormiliz IS zurück. Ankara schickte heute weitere Panzer über die Grenze.

IstanbulTürkische Truppen und syrische Rebellenkämpfer haben am ersten Tag einer Offensive in Nordsyrien eine Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unter Kontrolle gebracht. Die Freie Syrische Armee habe den Grenzort Dscharablus zurückerobert, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach einem Treffen US-Vizepräsident Joe Biden am Mittwoch in Ankara. Erdogan deutete an, dass die Stadt vom IS verlassen worden sei.

Mehr als fünf Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs hatten türkische Truppen am Mittwoch erstmals eine Bodenoffensive im Nachbarland eingeläutet. Am Donnerstag verstärkte die Türkei offenbar die Bodenoffensive: Zehn weitere Panzer seien am Morgen auf syrisches Territorium vorgedrungen, begleitet von mehreren Krankenwagen und schweren Geschützen, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Der mit Panzern und der Hilfe syrischer Rebellen geführte Angriff auf Dscharablus ereignete sich unmittelbar vor dem Besuch von Biden. Die US-Streitkräfte unterstützten die Bodenoffensive mit ihrer Luftwaffe, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Nach seinem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Binali Yildirim forderte Biden den Rückzug der Kurdenmilizen in Nordsyrien und machte deutlich, dass Washington keinen Kurdenstaat an der türkischen Grenze akzeptieren werde.

Erdogan erklärte, der Militäreinsatz sei „gegen Bedrohungen gerichtet“, die für die Türkei von Terrororganisationen wie dem IS oder der syrischen Kurdenmiliz YPG ausgingen. „Hinter diese Angriffe muss jetzt ein Schlusspunkt gesetzt werden“, sagte Erdogan. „Das müssen wir lösen.“ Türkische Artillerie und Kampfflugzeuge hatten Dscharablus am Morgen zunächst aus der Luft bombardiert.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte zugleich auch den Kurden im Norden Syriens. Der syrischen Kurdenpartei PYD und ihren Milizen warf er vor, den Kampf gegen den IS nur als Vorwand zu benutzen, um ein eigenes Herrschaftsgebiet in Syrien aufzubauen. „Wir werden diese geheime Agenda durchkreuzen“, sagte Cavusoglu.

Bei der Offensive „Schutzschild Euphrat“ dürfte es der Türkei neben der Bekämpfung des IS vor allem darum gehen, einen weiteren Vormarsch syrischer Kurden zu verhindern. Die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG - die Kampftruppe der PYD - haben vom IS in Syrien bereits mehrere Gebiete erobert und beherrschen den größten Teil der rund 900 Kilometer langen Grenze zur Türkei. Unterstützung erhalten sie von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die PYD ist eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei sieht beide Kräfte als Terrororganisationen an. Sie will unter allen Umständen vermeiden, dass an ihrer Südgrenze ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet der Kurden entsteht.

Obwohl die USA die Kurden im Kampf gegen den IS unterstützen, machte Biden ihre Hoffnung auf einen eigenen Staat mit seinen Worten faktisch zunichte. Er forderte den Rückzug der syrischen Kurdenmilizen auf das Gebiet östlich des Flusses Euphrat. „Sie können und werden unter keinen Umständen amerikanische Unterstützung erhalten, wenn sie sich nicht an ihre Verpflichtung halten“, sagte Biden mit Blick auf die syrisch-kurdischen YPG-Einheiten.

Seite 1:

Syrische Rebellen erobern Grenzstadt Dscharablus

Seite 2:

Bundesregierung zeigt Verständnis für die Offensive

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%