Türkische Truppen in Syrien Deutsche Leopard-Panzer rollen gegen kurdische Rebellen

Beim Kampfeinsatz der Türkei gegen kurdische Milizen in Syrien melden beide Seiten Erfolge. Doch die Informationen sind widersprüchlich. Fakt ist, dass bei dem Einsatz auch deutsche Panzer zum Einsatz kommen.
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Bei der türkischen Offensive in Syrien kommen auch deutsche Panzer vom Typ Leopard 2 zum Einsatz. Quelle: dpa
Leoprad-2-Panzer in der Provinz Hatay

Bei der türkischen Offensive in Syrien kommen auch deutsche Panzer vom Typ Leopard 2 zum Einsatz.

(Foto: dpa)

IstanbulGeht es nach den Worten von Recep Tayyip Erdogan, wäre der türkische Kampfeinsatz gegen radikale kurdische Milizen in Nordsyrien schnell beendet. Die türkischen Streitkräfte würden Afrin unter ihre Kontrolle bringen, so wie schon die Städte Dscharablus, al-Rai und al-Bab, sagte der türkische Staatschef am Montag in Ankara. Dann könnten die Syrer dorthin zurückkehren. Regelmäßig berichtet die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu, dass türkische Kampfeinheiten syrisch-kurdische Stellungen beschießen, einnehmen und die Operation vorantreiben würden.

Geht es nach den Meldungen der syrisch-kurdischen PYD – der kurdischen Partei in Syrien –, gönnen die kurdischen Rebellen den türkischen Kombattanten keinen Zentimeter. Die eigenen Milizen leisteten erbitterten Widerstand, beschossen türkische Grenzstädte mit Raketen und seien fest entschlossen, die „Operation Olivenzweig“ des türkischen Militärs schnell zu zerschlagen, heißt aus vonseiten der Partei. Ein Sprecher der syrisch-kurdischen Kampfeinheit der PYD erklärte am Montag, es gebe heftige Gefechte zwischen den von der YPG – der kurdischen Verteidigungsmiliz – dominierten Syrischen Demokratischen Streitkräften und den „türkischen Okkupanten“ im Gebiet von Afrin.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim gab am Montagnachmittag (Ortszeit) bekannt, dass zum derzeitigen Zeitpunkt keine türkischen Soldaten bei dem Einsatz gefallen seien. Auf der syrischen Seite heißt es wiederum, man habe mehrere türkische Panzer erobert und dabei auch „türkische Okkupanten“ getötet.

Die Türkei ist im Krieg mit der PYD in Nordsyrien – und im Krieg zählen nur Erfolgsmeldungen. Wer die Wahrheit erzählt hat, lässt sich oft erst nachher ermitteln. Doch Fakt ist: Die türkischen Streitkräfte sind in die nordsyrische Provinz Afrin eingerückt, um die mit den USA verbündete Kurdenmiliz YPG zu vertreiben. Ziel der „Operation Olivenzweig“ ist nach den Worten von Ministerpräsident Binali Yildirim die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone. Der UN-Sicherheitsrat wird sich am Montag in einer von Frankreich beantragten Dringlichkeitssitzung mit der türkischen Militäraktion in Syrien befassen.

Fakt ist auch, dass dabei auch deutsche Panzer zum Einsatz kommen. Die Türkei nutzt für den Einmarsch ihrer Bodentruppen nach Nordsyrien Panzer vom Typ Leopard 2 A4, wie mehrere Medien berichten. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte dazu, dass bisher nicht verifiziert werden konnte, von wann die Bilder stammen. Das Auswärtige Amt erklärte: „Unser bisheriges Lagebild gibt es nicht her, dass wir den Einsatz bestätigen können.“ Das für Rüstungsexporte zuständige Wirtschaftsministerium ergänzte: „Außer den Bildern aus den Medien, die sie alle kennen, haben wir keine Erkenntnisse über den Einsatz von ,Leopard‘-Panzern.“

Der Leopard-Panzer wird von der Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann produziert, die inzwischen mit dem französischen Konkurrenten Nexter fusioniert hat. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa hat Deutschland seit den 1980er-Jahren 751 Leopard-Panzer an den Nato-Partner Türkei ausgeliefert. Seitdem hat die Türkei mehrere Kampfeinsätze geführt, vor allem gegen die verbotene Terrororganisation PKK, zu der auch die PYD gehört.

Dass deutsche Rüstungsgüter in der ganzen Welt für Kampfhandlungen eingesetzt werden, liegt in der Natur dieser Produkte. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel brachte in einem Fernsehinterview im Januar eine Aufrüstung dieser türkischen Leopard-Panzer ins Spiel. „Es geht darum, dass es türkische Panzer im Kampf gegen die Terrororganisation IS gegeben hat, und zwar eine ganze Reihe, die auf Minen gefahren sind, bei denen eine Reihe türkischer Soldaten ums Leben gekommen sind.“ Er sehe „keine richtige Argumentation“, warum man dem Nato-Partner Türkei eine solche Aufrüstung verweigern sollte.

Im vergangenen Jahr wurden von Januar bis August Waffenexporte in die Türkei im Wert von 25 Millionen Euro genehmigt. Angesichts des Streits zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara hatten zuletzt mehrere deutsche Parlamentarier gefordert, Rüstungsexporte in die Türkei komplett einzustellen.

Die Bundesregierung hat die Genehmigungen für Rüstungsexporte in die Türkei seit der Krise mit der Regierung in Ankara nur sehr restriktiv erteilt. Der größte Streitpunkt in dem Konflikt ist die Inhaftierung des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, der seit mehr als elf Monaten ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis sitzt. Gabriel hatte dem „Spiegel“ zu Monatsbeginn gesagt, bei der restriktiven Haltung Berlins werde es bleiben, „solange der Fall Yücel nicht gelöst ist“. Yücel selber hatte in einem dpa-Interview mit Blick auf etwaige Rüstungsgeschäfte im Tausch gegen seine Freilassung betont: „Für schmutzige Deals stehe ich nicht zur Verfügung.“

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13 Kommentare zu "Türkische Truppen in Syrien: Deutsche Leopard-Panzer rollen gegen kurdische Rebellen"

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  • @ Herr Kurt Bäcker
    22.01.2018, 16:57 Uhr
    Das ist nicht unser Kampf.

    Wohl aber die Millionen Flüchtlinge? Es ist scheinheilig, wie in Deutschland berichtet und geurteilt wird. Da regen wir uns über eine Frau auf, die im Irak zum Tode verurteilt worden ist, weil sie für den IS gearbeitet hat. Über die Hunderte (oder werden es Tausende werden), die Erdogan mit seinem Angriff zum Tode verurteilt hat, finden wir uns ab. Es geht ja auch nur gegen Kurden. Da ist kein Aufschrei der Politiker oder der Medien zu erwarten.

  • Soweit bekannt ist die Türkei seit > 100 Jahren vielleicht bester Kunde der deutschen Rüstungsindustrie. Somit ist es nicht verwunderlich Leopard 2 Panzer bei den Attacken gegen die Kurden zu sehen.

    Hintergrund: Das Kaiserreich rüstete den türkischen Verbündeten im Kampf gegen die Entente unter anderem mit dem Schlachtkreuzer Goeben, sowie zahlreichem anderen Gerät aus. In den 30/40er Jahren bezahlte Deutschland die Chromimporte mit Rüstungsgütern, z.B. Kanonen und Haubitzen. In der Bundeswehrzeit gab die BW gebrauchte M47, M48, Leo 1 und Leopard 2 Panzer preiswert an die Türkei ab.

    Ich denke dass ist gut für beide Staaten.

  • Ich schlage vor, dem türkischen Staat ab sofort nur noch deutsche Waffen mit PTB-Stempel zu verkaufen. Für den Schutz und die Sicherheit deutscher Bürger reicht das Zeug doch auch.

    Ich finde es unerträglich, dass deutsche Kriegswaffen gegen die Kurden eingesetzt werden. Dabei spielt es für mich eine ganz wichtige Rolle, dass die Kurden die einzig verlässlichen Partner gegen den IS waren und sind. Der ganze Terrorismus im nahen Osten geht von Ankara, Teheran, Riad und Islamabad aus.

  • Deutsche Panzer? Haben die Türken die etwa nicht bezahlt?

  • Das wichtigste ist , sie haben eine grüne Umweltplakette und auch die Munitionierung ist voll Bio !

  • Wow, die Türkei hat noch Leos, die rollen.....

  • Das ist nicht unser Kampf.

  • Halten wir fest: Dir Türken fahren jetzt mit unseren Leos gegen die Kurden, diese wiederum dürften die Türken mit unseren MILAN, welche wir den Kurden 2014 geliefert haben, bekämpfen....

  • @ Herr Ragin Allraun
    22.01.2018, 15:26 Uhr

    Genauso. Und dazu singen wir dann wieder "Deutsche Panzer im Wüstensand. . . ."

    Wir sollten dringend unser Verhältnis zum (noch) Natopartner Türkei überdenken. Die wirklichen Terroristen sitzen in Ankara in einem Palast.

  • Wie ? deutsche Panzer rollen ? Ich denke die sind alle Schrott ?

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