Türkische Unternehmer leisten wichtigen Wirtschaftsbeitrag
EU-Beitritt der Türkei würde Handel beflügeln

„Ein Türke als Chef – das ist heute in Deutschland nichts Ungewöhnliches mehr.“ Der das sagt, ist selbst einer. Und dazu ein sehr erfolgreicher. Kemal Sahin ist der größte türkische Unternehmer in Deutschland. Mit 5 000 Mark machte er sich 1982, nach einem Ingenieurstudium an der RWTH Aachen, selbstständig.

BERLIN. Verkaufte Sahin anfangs Geschenkartikel, so kümmerte er sich bald sehr erfolgreich um Textilien. Heute besteht die Sahin-Holding aus 28 Unternehmen in 13 Ländern, „die einen Jahresumsatz von 1,15 Mrd. Euro erzielt“, berichtet Sahin stolz im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf so einen Mann will auch der türkische Ministerpräsident Erdogan bei seinem Deutschland-Besuch nicht verzichten. In Gegenwart Sahins eröffnete Erdogan am Dienstagabend die deutsche Repräsentanz der türkischen Wirtschaftsvereinigung Tüsiad, eines türkischen Pendants des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Sahin beschäftigt weltweit 12 000 Mitarbeiter, davon 1 500 in Deutschland, von denen wiederum 70 % deutschstämmig sind. Das ist für den Unternehmer eine zentrale Botschaft. Derzeit würden in Deutschland fast 60 000 türkischstämmige Unternehmer 350 000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von 30 Mrd. Euro erzielen. Und wenn von türkischen Unternehmen die Rede ist, geht es nicht maßgeblich um Dönerbuden und Taxibetriebe. Freiberufler, Handwerker, High- Tech-Betriebe – insgesamt sind türkische Unternehmen in 90 Wirtschaftszweigen tätig, verkündet Sahin.

Der türkische Wirtschaftsverband Tüsiad fordert nun, wie auch der BDI, Berechenbarkeit für die nächsten Schritte der Türkei auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft. „Wir setzen uns für einen Termin für die EU-Beitrittsverhandlungen ein“, sagt Sahin. Das könnte die wirtschaftlichen Beziehungen, die schon seit der Zollunion 1996 florieren, weiter beflügeln. Schon jetzt ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei. Für Deutschland selbst steht die Türkei bei den Importen auf Platz 20, bei Exporten auf Platz 18. „Die Entwicklung des Handels verläuft sehr dynamisch“, urteilt der Europa-Experte des BDI, Fabian Wehnert, mit Blick auf das Handelsvolumen von 14 Mrd. Euro. Mit rund 1 000 Gemeinschaftsunternehmen gehöre die deutsche Wirtschaft auch zu den größten Investoren in der Türkei. 40 % aller ausländischen Direktinvestitionen kommen aus der Bundesrepublik. Mitte 2001 waren es rund 3,8 Mrd. Euro.

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