Türkischer Europaminister

Deutschland soll Gülen-Imame ausweisen

„Eine Demokratie erster Klasse“: Der türkische Europaminister Ömer Celik verteidigt sein Land gegen Terrorvorwürfe. Die Türkei kämpfe gegen die PKK, den IS und die Gülen-Bewegung – die Deutschland verbieten solle.
Der Minister für Europa-Angelegenheiten, Ömer Celik, kritisiert die Einschätzung der Bundesregierung über die Terror-Unterstützung der Türkei als bar „jeder Grundlage“. Quelle: AFP
Ömer Celik

Der Minister für Europa-Angelegenheiten, Ömer Celik, kritisiert die Einschätzung der Bundesregierung über die Terror-Unterstützung der Türkei als bar „jeder Grundlage“.

(Foto: AFP)

BerlinDer türkische Europaminister Ömer Celik hat von Deutschland die Ausweisung von Predigern gefordert, die Mitglied der Gülen-Bewegung sind. „Es gibt Imame in Deutschland, die mit der Bewegung in Verbindung stehen. Wir fordern deren sofortige Ausweisung in die Türkei“, sagte Celik in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Zudem solle die Bundesregierung Unternehmen und Organisationen verbieten, die dem Prediger Fethullah Gülen nahestehen.

Die türkische AKP-Regierung macht diesen für den gescheiterten Putsch Mitte Juli verantwortlich und hat seither Zehntausende mutmaßliche Unterstützer inhaftiert oder aus ihren Ämtern entlassen. Bereits Ende Juli hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann den türkischen Wunsch abgelehnt, gegen die Gülen-Bewegung vorzugehen.

Der Minister wies zudem den Vorwurf zurück, dass die Türkei Plattform für terroristische Aktivitäten im Nahen Osten sei. Dies stand in einem vertraulichen Bericht der Bundesregierung an das Parlament. „Diese Berichte entbehren jeder Grundlage“, sagte er. Sein Land kämpfe gleichzeitig gegen kurdische PKK, die radikalislamische Miliz IS und die Gülen-Bewegung.

Das ist Erdogans Erzfeind
Fethullah Gülen, einflussreicher Prediger
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Fethullah Gülen (75) gilt als einflussreichster islamischer Prediger der Türkei. Seine Anhänger haben ein Netzwerk gegründet, das in vielen Ländern aktiv ist – auch in Deutschland. Gülen lebt seit 1999 zurückgezogen in Saylorsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania – auf einem zehn Hektar großen Landsitz.

Gülen steckt hinter einem Netzwerk von Bildungseinrichtungen und Stiftungen
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Der heute 74-jährige Gülen ging 1999 in die USA, um sich einem in der Türkei drohenden Strafverfahren wegen islamistischer Umtriebe zu entziehen. Aus seinem Exil steuert der Prediger ein globales Netzwerk von Bildungseinrichtungen, Wohltätigkeitsorganisationen und Stiftungen. In seinen Predigten tritt der Geistliche für einen Dialog der Religionen und der Kulturen ein. In der Türkei hat er Millionen Anhänger.

Was die Zielen der Gülen-Bewegung sind
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Ziel der Gülen-Bewegung ist es, Muslime über Bildungseinrichtungen, Medien und Vereinsarbeit für eine fromme Lebensweise zu gewinnen. Angestrebt werden Bildung und beruflicher Erfolg. Auch deshalb sind viele „Fethullahci“ in der Türkei in Schlüsselpositionen aufgestiegen.

Gülen war früher ein wichtiger Mitstreiter von Erdogan
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Gülen war früher ein wichtiger Mitstreiter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Als dessen islamisch-konservativen AKP Anfang der 2000er Jahre die Wahlen gewann, sollte Gülen ihm helfen, die kemalistischen Eliten in der öffentlichen Verwaltung, im Bildungssystem und in der Justiz durch gläubige Muslime zu ersetzen. So kamen „Gülenisten“ an wichtige Schaltstellen des Staatsapparates.

Erdogan und Gülen hatten ähnliche Ziele
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Erdogan und Gülen hatten bis vor einigen Jahren ähnliche Ziele: die politische Macht des Militärs zurückdrängen und den frommen Anatoliern zum Aufstieg verhelfen.

Später gingen die Männer auf Distanz
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Seit Ende der 2000er Jahre gingen die beiden Männer zunehmend auf Distanz. Gülen kritisierte Erdogans Konfrontationskurs gegenüber Israel. Auch Erdogans Unterstützung für die radikal-islamische Hamas, die ägyptischen Moslembrüder und die Dschihadisten in Syrien stießen bei Gülen auf Missbilligung.

Erdogan entfernte Gülen-Anhänger aus dem Staatsdienst
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Tausende Anhänger Gülens ließ Erdogan bereits seit Ende 2013 aus dem Staatsdienst und der Justiz entfernen, die Gülen-Bewegung wurde zur „Terrororganisation“ erklärt. Mehrere Gülen nahestehende Medienunternehmen, darunter die größte türkische Tageszeitung „Zaman“, und eine Bank wurden in den vergangenen Monaten unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt.

Der AKP-Politiker wies auch Vorwürfe mangelnder Rechtsstaatlichkeit nach der Niederschlagung des Putsches zurück. „Die Türkei ist eine Demokratie erster Klasse“, sagte er. Zudem kritisierte Celik Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Wenn diese sagten, die Türkei werde auch in 20 Jahren kein Mitglied der EU sein, zeige dies, dass es in Wahrheit nicht um die Erfüllung der von der EU gesetzten Beitrittskriterien gehe. Sein Land strebe weiter einen EU-Beitritt an.

  • rtr
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