Türkischer Geheimdienst MIT: Jahrelanger Deal des Westens mit der Türkei

Türkischer Geheimdienst MIT
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Jahrelanger Deal des Westens mit der Türkei

Der MIT ist mit deutlich mehr Aufgaben und Befugnissen betraut als beispielsweise der Bundesnachrichtendienst oder der Verfassungsschutz. Obwohl auch die Türkei einen eigenen Inlandsgeheimdienst ähnlich dem Bundesverfassungsschutz hat, beschäftigt sich der MIT „intensiv mit Aufgaben der inneren Sicherheit“, schreibt Schmidt-Eenboom in einer Analyse über den türkischen Dienst. So haben MIT-Agenten inzwischen unbeschränkten Zugriff auf staatliche Informationen. Außerdem dürfen sie Daten von öffentlichen und privaten Körperschaften einfordern und Kundendaten von Banken und Unternehmen abfragen.

Darüber hinaus darf der MIT auch polizeilich aktiv werden und etwa Verdächtige festnehmen. Die Region, in der der MIT traditionell seine stärksten Auslandsaktivitäten entfaltet, sind die Staaten der Europäischen Union. In Westeuropa leben Millionen Türken, die für die wirtschaftliche Situation in der Türkei enorme Bedeutung haben. Darüber hinaus leben in der EU viele politische Exilanten, die durch den MIT überwacht und unter Kontrolle gehalten werden sollen.

Schon 1980 hatte der MIT, dessen Kürzel im türkischen Sprachgebraucht so ausgesprochen wird wie das deutsche Wort „mit“, bereits mehr als 4000 hauptamtliche Mitarbeiter im In- und Ausland. Die MIT-Zentrale befindet sich in Ankara, eine weitere wichtige Inlandsstation in Istanbul. In Diyarbakir hat der MIT eines von mehreren Unterzentren, auf das im Juli 1989 ein Bombenanschlag verübt wurde.

Die Kooperation zwischen deutschen und türkischen Nachrichtendiensten sei zwar jahrzehntelang von einer großen Intensität geprägt, erklärt Geheimdienst-Experte Schmidt-Boom. „Der MIT verfügt über ausgezeichnete Kontakte zu seinen Partnerdiensten in den westlichen Nato-Staaten mit der Ausnahme von Griechenland.“ Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs installierte der damals neue Bundesnachrichtendienst demnach eine Residentur in der Türkei – eine der ersten des BND.

Schmidt-Eenboom zufolge seien regelmäßig deutsche Diplomaten in die Türkei gereist, um sich über deren nachrichtendienstlichen Erkenntnisse zu informieren. „Am Schwarzen Meer hatten die Türken damals eine große Lauschstation Richtung UdSSR aufgestellt“, begründet er das Interesse der Deutschen.

In Istanbul schossen BND-Agenten demnach regelmäßig Fotos von sowjetischen Kriegs- und Handelsschiffen, die den Bosporus passierten. 1978 baute ein ranghoher BND-Mitarbeiter sogar das Informations- und Dokumentationssystem des MIT auf. Noch intensiver arbeiteten die Türken nur noch mit den US-Diensten zusammen.

So lautete lange Jahre der Deal: Der Westen nutzt die Türkei als Lauschstation Richtung Sowjetunion und schaut dafür nicht so genau hin, wenn die Türken in Europa aktiv waren.

Doch es gab auch einige Konfliktlinien: 1980 sollen MIT-Agenten in Deutschland und den Niederlanden drei Türken erschossen haben; 1987 sollen Mitarbeiter der Behörde vier Mitglieder der Terrororganisation Dev-Sol in Stuttgart entführt und nach Ankara gebracht haben, wo ihnen der Prozess gemacht wurde.

Die Ermordung von mehr als 60 kurdischen Intellektuellen in der Türkei im Jahr 1992 schreibt die türkische Presse Todesschwadronen zu, die mit den staatlichen Geheimdiensten verbunden gewesen seien. Darüber hinaus habe der MIT angeblich mit der Rebellengruppe Hisbollah zusammengearbeitet und im Inland regelmäßig versucht, Einfluss auf die türkische Presse zu nehmen.

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