Tumultartige Szenen in Ramallah
Trauer und Wut bei Arafats Beisetzung

Begleitet von chaotischen Szenen ist Jassir Arafat am Freitag auf dem Gelände seines Hauptquartiers „Mukata“ in Ramallah beigesetzt worden. Mit einer Mischung aus Trauer und Wut nahmen zehntausende Palestinenser Abschied von ihrem verstorbenen Präsidenten.

HB RAMALLAH/KAIRO. Sicherheitskräfte wurden von der Menschenmenge überrannt, die auf das Gelände der Mukata, dem Hauptquartier Arafats in Ramallah im Westjordanland, stürmte. Wegen der chaotischen Zustände wurde Arafat früher als geplant beigesetzt und nicht mehr aufgebahrt. „Allah ist groß. Mit unserem Blut und unseren Seelen werden wir um deine Erlösung kämpfen, Abu Ammar“, riefen Trauernde Arafat bei seinem Kampfnamen. Zuvor hatten unter Ausschluss der Bevölkerung in Kairo Staatsgäste aus aller Welt der Symbolfigur der Palästinenser die letzte Ehre erwiesen. Auf dem Flughafen der ägyptischen Hauptstadt herrschte ebenfalls Chaos. Einige Staatsgäste versäumten deshalb die Zeremonie, darunter Bundesaußenminister Joschka Fischer.

Von der zentralen Trauerfeier in Kairo brachte ein Flugzeug Arafats Leichnam nach Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel. Ein Hubschrauber transportierte ihn dann nach Ramallah. An der Mukata feuerten Sicherheitskräfte Schüsse in die Luft, um die Menschenmenge auf Distanz zu halten, damit der Sarg auf ein Fahrzeug verladen werden konnte. Doch die Sicherheitskräfte wurden schlichtweg überrannt. „Er wurde wegen der aufgebrachten Menschen vorzeitig beigesetzt, wir hatten keine andere Wahl“, sagte ein Palästinenser-Vertreter.

Die Trauernden versuchten einen letzten Blick auf Arafat zu ergattern, der für sie das Symbol für den Kampf um einen unabhängigen Palästinenser-Staat verkörpert. „Ich will den Präsidenten sehen! Ich habe ihn nie persönlich gesehen, dann muss ich ihn wenigstens jetzt sehen, da er tot ist“, rief einer der Trauernden. „Ich werde heute dort hineinkommen. Niemand auf dieser Welt kann mich davon abhalten, meinen geliebten Abu Ammar zu sehen“, rief ein Palästinenser. Bilder Arafats hingen an den Türen der geschlossenen Geschäfte, an Telefonkabinen und Taxis. „Abu Ammar ist im Bewusstsein der Palästinenser unsterblich“, stand über einem großen Abbild Arafats. Neun Menschen wurden durch Schüsse der Sicherheitskräfte verletzt. Nach Angaben von Ärzten wurden zudem Hunderte wegen Schwächeanfällen oder kleineren Verletzungen behandelt.

Seite 1:

Trauer und Wut bei Arafats Beisetzung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%