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Tunesien: Aktfotos bringen Journalisten hinter Gitter

Mit der Pressefreiheit tut man sich in Tunesien bislang noch schwer. Freizügige Aktfotos des Fußballers Sami Khedira und seiner Freundin führten nun dazu, dass die Justiz mehrere Journalisten festnehmen ließ.

Spärlich bekleidete Menschen in Publikationen sind auch in Tunesien nichts Ungewöhnliches, demonstriert der Journalist und Menschenrechtsaktivist Taoufik Ben Brik. Umso beunruhigender sind die jüngsten Festnahmen. Quelle: AFP
Spärlich bekleidete Menschen in Publikationen sind auch in Tunesien nichts Ungewöhnliches, demonstriert der Journalist und Menschenrechtsaktivist Taoufik Ben Brik. Umso beunruhigender sind die jüngsten Festnahmen. Quelle: AFP

TunisDie Organisation Reporter ohne Grenzen hat die sofortige Freilassung des Geschäftsführers einer tunesischen Zeitung gefordert, die auf ihrer Titelseite ein Aktfoto des deutschen Models Lena Gercke und des tunesischstämmigen Fußballers Sami Khedira abgedruckt hatte. Die Organisation forderte die Regierung in Tunis auf, sich für den Schutz der Medien stark zu machen. Aus Protest trat Nasreddine Ben Saida in einen Hungerstreik.

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Ben Saidas Zeitung „Ettounsia“ hatte vergangene Woche ein Foto von Gercke mit ihrem Freund, dem deutschen Fußballnationalspieler Sami Khedira, nachgedruckt. Gercke, die 2006 die erste Staffel der Sendung „Germany's Next Topmodel“ gewonnen hatte, ist darauf freizügig zu sehen. Der mit einem schwarzen Anzug bekleidete Khedira verdeckt ihre Brüste mit einem Arm. Khedira hat tunesische Wurzeln.

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Nach der Veröffentlichung des Bildes in der „Ettounsia“ wurden am Mittwoch der Geschäftsführer, der Chefredakteur und ein Journalist wegen mutmaßlicher „Gefährdung der guten Sitten“ festgenommen und von einem Untersuchungsrichter befragt. Während die beiden anderen Mitarbeiter seiner Zeitung wieder freikamen, erging gegen den Geschäftsführer Haftbefehl.

Ben Saida sei der erste Medienvertreter, der seit dem Sturz von Ex-Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali eingesperrt worden sei, teilte Reporter ohne Grenzen mit. Die Organisation warf der tunesischen Justiz „Heuchelei“ vor, da ähnliche Fotos regelmäßig auf den Titelseiten von ausländischen Magazinen zu sehen seien, die es in Tunesien ebenfalls zu kaufen gäbe. Die Organisation rief die tunesischen Politiker auf, sich für einen Schutz der Medien einzusetzen.

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Ben Saida drohen laut Reporter ohne Grenzen eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sowie ein Bußgeld von umgerechnet bis zu 600 Euro. Nach Angaben einer Journalistin der „Ettounsia“ trat er am Samstag in einen Hungerstreik, um gegen seine Inhaftierung zu protestierten. Demnach will sich die komplette Redaktion ab Montag an der Protestaktion beteiligen und ebenfalls die Nahrungsaufnahme verweigern, sollte Ben Saida bis dahin nicht frei sein.

Auch Journalistengewerkschaften kritisierten das Vorgehen der Justiz im Zusammenhang mit dem freizügigen Foto von Gercke und Khedira als „illegal“ und „politisch motiviert“. Justizminister Noureddine Bhiri mahnte die Medien dagegen im Radio zur Neutralität. Die Richter seien kompetent und seien nur dem Gesetz und ihrem Gewissen unterworfen, sagte er.

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