Tunesischer Finanzminister
"Die Tunesier blicken nach Griechenland"

Jaloul Ayed ist nicht zu beneiden - oder vielleicht doch? Der tunesische Finanzminister muss den Neuaufbau des Landes vorantreiben, will ab 2014 mehr als sieben Prozent Wirtschaftswachstum generieren. Ein Interview.
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Herr Ayed, Tunesien hat gestern zum ersten Mal in seiner Geschichte frei gewählt. Was bedeutet das für das Land?

Wir müssen jetzt die Demokratie festigen. Die ersten Wochen werden wohl schwierig sein, weil sich die Institution erst stabilisieren muss und die Parteien lernen müssen zusammenzuarbeiten. Aber die neue Regierung wird eine demokratisch legitimierte Regierung sein und damit stärker als die jetzige Übergangsregierung. Ich glaube, dass Tunesien gute Voraussetzungen hat, damit die Konsolidierung der Demokratie gelingt.

Viele Investoren haben sich vor der Wahl zurückgehalten, weil nicht klar war, in welche Richtung das Land sich bewegt. Bekommt die Wirtschaft jetzt einen Schub?

Wenn die Wahlen gut laufen und sich die politische Lage festigt, werden sich viele Türen öffnen. Ich bin zuversichtlich, dass das 2012 passieren wird. Wie spüren in der ganzen Welt großes Interesse an Tunesien und die Bereitschaft, hier zu investieren.

Den Umfragen zufolge wird die islamistische Partei Ennahda die mit Abstand stärkste Partei. Sollte das den Westen beunruhigen?

Das glaube ich nicht. Es gibt viele Parteien, selbst wenn Ennahda die Mehrheit bekommt, werden sie es mit einer starken Opposition zu tun haben.

Wie weit hat sich die Wirtschaft von den Turbulenzen der Revolution erholt? Die Einnahmen aus dem Tourismus sind in diesem Jahr um fast die Hälfte zurückgegangen.

Das Wachstum wird 2011 zwischen null und ein Prozent betragen. Im ersten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent geschrumpft, im zweiten noch um 0,5 Prozent, im dritten ist es schon um 1,5 Prozent gewachsen. Die Sicherheitslage ist stabil, die Wirtschaft läuft fast wieder normal. Inzwischen kommen auch die Touristen zurück.

Wagen Sie eine Prognose für 2012?

Die Lage wird sich in den nächsten Monaten noch nicht großartig verbessern, wir durchlaufen immer noch eine Übergangsphase. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir 2012 eine Wachstumsrate von vier bis 4,5 Prozent schaffen. Das entspricht dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

In der Vergangenheit lähmte die Korruption des Ben Ali-Regimes die Wirtschaft. Welche Wachstumsraten kann Tunesien ohne diese Bürde schaffen?

Den Unternehmen waren unter dem Regime die Hände gebunden, das hat uns 1,5 bis zwei Prozent Wachstum pro Jahr gekostet. 2013 sollten rund 5,5 Prozent möglich sein, danach wird sich das Wachstum auf mehr als sieben Prozent beschleunigen.

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  • bevor es die verlogenen griechen jemals schaffen uns nicht mehr zu belügen kommtn noch tunesien in die eu.

  • Die islamistisch-konservative Partei Ennahda hat - wie zu erwarten - super Wahlergebnisse erreicht. Bleibt nun zu hoffen, dass der liberal-konservative Mantel dieser Partei mit der Zeit nicht fällt und dem tunesischen Volk keine islamistischen Tendenzen bevorstehen: http://wp.me/pNjq9-3jj.

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