Tunesischer Terror-Experte
„Dieser Anschlag ist vergleichbar mit dem Attentat auf Charlie Hebdo“

Der Anschlag in Tunis sei der erste in der Geschichte der tunesischen Hauptstadt, sagt Terrorexperte Alaya Allani. Im Interview spricht er darüber, welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen.
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Bei dem Anschlag auf das Nationalmuseum von Tunesiens Hauptstadt Tunis starben 21 Menschen, 50 wurden verletzt. Die Jagd nach den Täter läuft auf Hochtouren. Alaya Allani (58) ist Professor für Zeitgeschichte an der Manouba-Universität in Tunis. Der Autor zahlreicher Publikationen ist einer der führenden Experten für islamistische Bewegungen und Terrorgruppen im Nahen Osten. Im Interview spricht er über die Bedeutung des Anschlags für Tunesien, was es heißt, eine lange Grenze zu Libyen zu haben und die Entwicklung des islamistischen Dschihadismus in der Region.

Was bedeutet der Terrorangriff auf das Bardo-Museum für Tunesien?
Dieser Anschlag ist der erste in Tunis überhaupt und ereignete sich unmittelbar neben dem Parlament. So etwas hat es noch nie gegeben in der Geschichte unseres Landes. Das wird die Zivilgesellschaft, die Regierung und die politischen Parteien noch stärker mobilisieren, dem Terrorismus entgegenzutreten. Die Verabschiedung des Anti-Terrorgesetzes, das momentan im Parlament beraten wird, wird beschleunigt werden. Es wird sicher Konsequenzen geben, was sie konkrete Polizeiarbeit vor Ort angeht. Auch wird man die ganze Lage des islamistischen Dschihadismus in der Region neu bewerten müssen.

Was meinen Sie konkret?
Ich denke vor allem an Libyen und Algerien, unsere beiden direkten Nachbarn. Libyen geht durch eine sehr instabile Phase, die auch Auswirkungen auf unser Land hat. Wir haben eine lange Grenze mit Libyen. Wir müssen mit allen Kräften helfen, dass dort der Nationale Dialog zwischen den beiden verfeindeten Kontrahenten wieder in Gang kommt – dem islamistischen Lager im Westen und dem mehr säkularen Lager im Osten. Abgesehen davon besteht die Gefahr, dass sich die Terroristen aus Algerien und Libyen zusammenschließen.

Wer sind die Täter des Bardo-Museums?
Die beiden erschossenen Terroristen sind nach Angaben aus Kreisen der Polizei sehr jung und Grenzgänger zwischen Algerien und Tunesien. Hinter dieser Operation stehen nach meiner Einschätzung die Extremisten von „Okba Ibn Nafaa“, einer Terrorzelle von „Al Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM)“. Die Gruppe besteht zu 70 Prozent aus Algeriern und zu 30 Prozent aus Tunesiern. Sie ist sehr gut organisiert und hat sich in den Chaambi-Bergen nahe der Grenze zu Algerien verschanzt. Dort operiert auch ein zweites Terrorkommando – Ansar al-Scharia. Ansar al-Scharia ist jedoch von den Sicherheitskräften in letzter Zeit stark dezimiert worden. Es gab 1500 Verhaftungen. Ihre Führung sitzt entweder im Gefängnis oder ist im Exil. Die viel gefährlichere und radikalere Gruppe ist darum „Okba Ibn Nafaa“. Sie sind verantwortlich für zahlreiche Terroraktionen, vor allem das Massaker an tunesischen Soldaten im Juli 2014 während des Ramadans, als 15 Soldaten starben und 20 verletzt wurden.

Wie gut ist Tunesiens Polizeiarbeit gegen den Terror?
Seit der Revolution des Arabischen Frühlings 2011 gab es in Tunesien 28 Terroranschläge, bei fast allen hatten die Täter die Sicherheitskräfte im Visier. Die Arbeit von Polizei und Armee hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert. Ihre Sicherheitsstrategie ist viel entwickelter als früher, trotzdem hat sie das Blutbad im Zentrum von Tunis nicht verhindert. Dieser Anschlag auf das Bardo-Museum ist vergleichbar mit dem Attentat auf Charlie Hebdo in Paris oder dem großen Autobombenanschlag auf die Polizeizentrale in Kairo Anfang 2014. Das tückische bei dem Anschlag in Tunis ist, dass die Attentäter sich mit Uniformen verkleidet hatten. Wichtig ist daher, dass Tunesiens Militär Methoden entwickelt, künftig falsche und echte Soldaten zu unterscheiden.

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„Etwa 3000 junge Tunesier kämpfen in Syrien und Irak“

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  • @Lisa Walter
    Zitat aus Ihrem Kommentar: "Mittlerweile heißt es, wie im Vorgängerkommentar, dass man für einen falschen Witz die Verantwortung für seine Ermordung trägt. "

    Nein, das habe ich nicht geschrieben! Sondern dass die zwei Attentate nicht vergleichbar sind weil es bei dem von Paris Menschen traf die provozierten. Die damit rechneten angegriffen zu werden.

    Ich persönlich halte Provokation nicht für gedeckt über die Meinungsfreiheit. Wenn Sie das anders sehen, dann wäre es für Sie sicherlich auch ok wenn man Sie in einem Cartoon mit übergroßen Brüsten, blonden Haaren und dem Gesicht einer Ziege darstellen würde?
    Oder würden Sie das als Provokation und Beleidigung empfinden?

    Tja, Toleranz ist - wenn man die Rechte und Gefühle der ANDEREN tolleriert - nicht wenn man von anderen Toleranz verlangt.

    Und das betrifft eben alle. Ich erwarte von den Christen, den Moslems und den Juden, dass sie alle eine von allen gewählte Regierung respektieren und sich nicht in die Politik mit Forderungen einmischen. Letzteres wird aber immer wieder vom Rat der Juden gemacht in Deutschland. Damit demonstrieren sie, dass sie sich für etwas besseres halten. Sorry, das sind sie nicht. Wenn sie behandelt werden wollen wie alle anderen, dann müssen sie endlich anfangen sich zu verhalten wie alle anderen. Jemand der immer wieder eine spezielle Behandlung fordert wird mit den negativen Seiten seiner Forderungen leben müssen. Kein Mensch kann nur das für ihn positive erwarten. Alles im Leben hat zwei Seiten.

  • Die Aufklärung und unsere Freiheit sind in Gefahr alle schauen weg.

    Frau Lisa Walter,
    und was ist mit der Freiheit der Palästinenser und der afrikanischen Länder, die noch immer ausgebeutet und versklavt werden?

    Die armen Juden und die "pösen" Araber, Palästinenser, Deutschen,...

    Die ewige "Opferrolle der Juden". Sie Frau Lisa Walter und andere nerven viele Mitbürger und mich damit.

    Gleiche Rechte, Pflichten,.... für alle - egal welche Religion, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft,...
    und !!! keine Sonderechte mehr für Juden.

    Wie viele Verbrechen haben die Juden in Palästina und der ganzen Welt in den letzten 70 Jahren begangen?
    Ermordungen auf jede Art und Weise, Landdiebstahl ohne Ende abzusehen, ethnische Säuberungen in Palästina,...
    Aber das wollen Sie nicht hören und sehen.

    Oder wie viele Israelis mit 2-,3-,4-Pässen leben überall auf der Welt, gehen zum töten nach Palästina und kommen danach zurück. Bis nach Südafrika.

    Verliert nicht jemand, der in einer fremden Armee dient automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit?
    Und - Welche Aufklärung meinen Sie?

    Wie würden Sie Maria als Straßenh.... gezeichnet finden?
    Ich halte nichts davon. Es gibt Grenzen und Tabus, Moral, Anstand, die man im Interesse des Friedens nicht brechen und übertreten sollte.

    Aber sicher. Als Frau werden Sie Urteile gut finden die Betrüger und Betrügerinnen unterstützen.
    Siehe
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/recht/urteil-zu-kuckuckskindern-herber-rueckschlag-fuer-scheinvaeter/v_detail_tab_comments/11520718.html

  • Keine andere Ideologie besitzt das Privileg, trotz einer nicht endenden Blutspur, von unseren Medien stets in Schutz genommen zu werden. Seit Jahren ist „relativieren“, „verharmlosen“ oder gar „verschweigen“ die gängige Methode. Inzwischen werden Juden in Europa bedroht, bespuckt und ermordet und unsere Moralisten schweigen (weil die Täter nicht ins rot-grüne Weltbild passen). Mittlerweile heißt es, wie im Vorgängerkommentar, dass man für einen falschen Witz die Verantwortung für seine Ermordung trägt.
    Die Aufklärung und unsere Freiheit sind in Gefahr alle schauen weg.

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