Tusk und Kaczynski in Umfragen vorn
Polen wählen neuen Präsidenten

In Polen sind rund 30 Millionen Bürger aufgerufen, den Nachfolger des scheidenden Präsidenten Aleksander Kwasniewski zu bestimmen. Die Wahl dürfte zwischen den beiden Spitzenkandidaten jener Parteien entscheiden, die schon vor zwei Wochen als Sieger aus den Parlamentswahlen hervorgingen.

HB WARSCHAU. Insgesamt traten zwölf Kandidaten an. In letzten Umfragen lag Donald Tusk von der liberalen Bürgerplattform (PO) mit wenigen Prozentpunkten vor seinem Konkurrenten Lech Kaczynski von der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Sollte wie derzeit erwartet keiner der beiden auf Anhieb 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, kommt es am 23. Oktober zu einer Stichwahl.

Kwasniewski darf nicht für eine dritte Amtsperiode antreten. Der Kandidat seiner Partei, des Bündnisses der Demokratischen Linken (SLD), Wlodzimierz Cimoszewicz, hatte Mitte September das Rennen aufgegeben. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr. Mit ersten Prognosen wird unmittelbar danach gerechnet.

Der 48-jährige Tusk und seine Partei haben angekündigt, die Wirtschaft mit Steuersenkungen und der Bekämpfung übermäßiger Bürokratie ankurbeln zu wollen. Der Historiker will sich zudem für eine Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarn Deutschland und Russland einsetzen und Polen stärker in der Europäischen Union zu verankern.

Dem populären Warschauer Bürgermeister Kaczynski ist es mit seiner Partei gelungen, den armen Teil Polens für sich zu gewinnen, der sich durch die Veränderungen nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems benachteiligt fühlt. Kaczynski verspricht, die Märkte weniger radikal als die Liberalen zu öffnen, den Wohlfahrtsstaat zu erhalten und eine moralische Wende des Landes anzuführen, das die Skandale und Vetternwirtschaft des von ehemaligen Kommunisten gebildeten Bündnis der Demokratischen Linken (SDL) satt hat.

Gegenüber Deutschland und Russland nimmt der 56-Jährige eine betont distanzierte Haltung ein und polemisiert gerne gegen die angebliche Gefahr, dass die mächtigen Nachbarn erneut über die Köpfe der Polen hinweg entscheiden möchten.

Mit Äußerungen über eine Wiedereinführung der Todesstrafe und eine Einschränkung der Rechte für Homosexuelle reicht seine Ausstrahlung weit nach rechts: Der wegen seiner rechts-nationalen und anti-semitischen Botschaften umstrittene katholische Rundfunksender Radio Maria hat dazu aufgerufen, die Liberalen „absaufen zu lassen“ und Kaczynski zu wählen, „der unsere patriotischen Werte verkörpert“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%