TV-Duell
Afghanistan probt die Mediendemokratie

In zwei Monaten wird in Afghanistan ein neuer Präsident gewählt, Karsai darf nicht noch einmal antreten. Fünf Kandidaten lieferten sich jetzt das erste TV-Duell. Die freie Debattenkultur ist ein Lichtblick am Hindukusch.
  • 0

KabulPlötzlich war es finster im voll besetzten Technikraum über dem Fernsehstudio. Doch das TV-Team ließ sich vom Stromausfall nicht aus der Ruhe bringen. Unbeirrt diskutierten die 13 Männer und drei Frauen über Resonanzböden und Kameraeinstellungen weiter. Das Redaktionsteam von Tolo TV steckte mitten in den Vorbereitungen für das erste Fernsehduell vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan. Schließlich sprang der Generator an und die Lichter flackerten wieder auf.

Die Vorbereitung fruchtete trotz der Hindernisse: Mit der ersten Fernsehdebatte vom Dienstag hat der Wahlkampf Fahrt aufgenommen. In zwei Monaten, am 5. April, wird erstmals seit dem Sturz der Taliban 2001 ein neuer Präsident gewählt. Das amtierende Staatsoberhaupt, Hamid Karsai, darf gemäß Verfassung kein drittes Mal antreten.

Fünf der insgesamt elf Anwärter auf das Präsidentenamt stellten sich der Debatte, darunter Abdullah Abdullah, der bereits 2009 einer der Favoriten war. Auch der frühere Außenminister Salmai Rassul, der ehemalige Finanzminister Aschraf Ghani und der einstige Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak waren mit von der Partie. Schließlich nahm noch der Bruder des Präsidenten, Kajum Karsai, teil.

Die Debatte drehte sich vor allem um das von den USA angestrebte Sicherheitsabkommen, das einen Verbleib von US-Soldaten nach dem Ende der Nato-Mission am Hindukusch ermöglichen soll. Abdullah, Kajum Karsai, Ghani, Rassul und Abdullah sprachen sich für eine Unterzeichnung eines solchen Abkommens aus. Amtsinhaber Karsai sträubt sich noch dagegen.

Der Stromausfall bei Tolo TV während der Vorbereitungen unterstrich die ganz alltäglichen Widrigkeiten, mit denen die Redakteure fertig werden müssen, um in einem darbenden und vom Krieg verwüsteten Land über den Wahlkampf zu berichten. „Das sind nur technische Probleme“, wiegelte indes Fernsehmoderator Mudschahid Kadar ab, der die Debatte begleitete.

Und tatsächlich zeigen sich die Medien von ihrer besten Seite. Die lebhafte Berichterstattung trägt die Züge eines medialen Wahlkampfes in einer moderne Demokratie: Zeitungen drucken Profile der Kandidaten und auf den Fernseh- und Radiostationen laufen Polittalkshows.

Seite 1:

Afghanistan probt die Mediendemokratie

Seite 2:

Große Medienvielfalt, keine Zensur

Kommentare zu " TV-Duell: Afghanistan probt die Mediendemokratie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%