TV-Duell
Berlusconi und Prodi langweilen die Italiener

Im italienischen Wahlkampf läuft nur wenig nach in Westeuropa üblichen Mustern. Raue und gelegentlich absurde Methoden erschrecken dort schon lange nicht mehr. Überrraschend anders verlief jedoch das TV-Duell zwischen Ministerpräsident Berlusconi und Romano Prodi.

HB ROM. „Wir sehen einem Duell auf Leben und Tod entgegen, das nicht nur dem Ansehen unseres Landes schadet, sondern auch seiner Demokratie“, warnte der „Corriere della Sera“ noch vor der Sendung. Gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi trat der international profilierte Wirtschaftsexperte Romano Prodi an der Spitze eines Linksbündnisses an. Der konservative Regierungschef ließ zuvor keine Gelegenheit aus, seine Gegner zu diskreditieren.

Im Januar bezeichnete Berlusconi einen Streik bei der staatlichen Fluggesellschaft Alitalia als Teil einer linken Verschwörung und deutet an, den Arbeitskampf mit einem Militäreinsatz niederschlagen zu lassen. Ein andermal drängte der Regierungschef der Staatsanwaltschaft Dokumente auf, die eine versuchte Einflussnahme der Linken auf eine spektakuläre Banken-Übernahme im Land entlarven sollen.

Beim gestrigen ersten verbalen Schlagabtauschs im öffentlichen Sender Rai konnte jedoch Herausforderer Prodi punkten. Der Oppositionsführer versuchte, seinen Ruf als farbloser Politiker abzustreifen. Immer wieder lächelte er, blickte direkt in die Kamera und forderte die Wähler auf, ihm eine Chance für die Wiederbelebung der Wirtschaft zu geben, die über die vergangenen fünf Jahre kaum gewachsen ist. „Jetzt wird jemand gebraucht, der entschlossen und uneigennützig ein Gefühl der Einigkeit zurückgibt, dieses Gefühl, dass den Menschen verdeutlichen kann, dass Italien ein großartiges Land ist.“

Die römische Zeitung „La Repubblica“ schrieb am Mittwoch über das Duell: „Der „fünfjährige Langeweile-Plan“, der gestern um 21 Uhr laut der eingefleischtesten Anhänger Silvio Berlusconis hätte offenbart werden sollen, hat sein erstes Opfer gefordert: Und zwar Berlusconi selbst, der bei seinem ersten Fernsehduell gegen Romano Prodi kläglich versagt hat."

Nach Einschätzung des Organisators der Debatte, Paolo Gentiloni, "sprach Prodi wie der künftige, Berlusconi dagegen wie der scheidende Ministerpräsident, der seine Bilanz mit zu vielen Zahlen verteidigte". "Häufig einfach langweilig", fand Berlusconis Ex-Minister Marco Follini von der Zentrumspartei UDC die Debatte.

Berlusconi zog Prodis Antworten ständig ins Lächerliche. „Ich kann meinen Ohren und Augen nicht trauen“, sagte er etwa lächelnd und schüttelte dabei den Kopf. Dann warf er dem Rivalen vor, bloß ein „Strohmann... eine Fassade“ seines Bündnisses zu sein. In einem seltenen Augenblick der Anspannung forderte Prodi mehr Respekt ein. Er kritisierte Berlusconis ständige Vorwürfe, er habe verschiedene Probleme von der Mitte-links-Regierung geerbt, als er 2001 an die Macht kam. „Sie reden, als seien Sie in der Opposition gewesen. Was haben sie in diesen fünf Jahren mit einer Mehrheit von 120 Parlamentssitzen getan? Gesetzen zugestimmt, die nur Sie selbst betrafen?“

Den Großteil der Debatte nahm die Wirtschaftspolitik ein. Die beiden Kontrahenten legten ihre Pläne für die Steuerpolitik dar und machten sich gegenseitig für die Preissteigerungen nach Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 verantwortlich.

Prodis Mitte-links-Bündnis liegt in jüngsten Umfragen rund vier Prozentpunkte vor dem Regierungslager. Eine am Dienstag veröffentlichte Erhebung zeigte jedoch, dass noch rund ein Viertel der Wähler unentschlossen war, wem es beim Urnengang am 9. und 10. April die Stimme geben sollte.

Waren frühere TV-Duelle in Italien noch locker angegangen worden, so war jenes vom Dienstagabend von einer strikten Reglementierung geprägt: Das Aufeinandertreffen fand in einem farblosen Fernsehstudio statt und folgte den Regeln, die zuletzt im US-Wahlkampf gegolten hatten. Dabei überzog Berlusconi regelmäßig die Zeit, die ihm für Antworten vorgegeben worden war. Am Ende beschwerte er sich über die Einschränkungen. „Mir scheint, als hätten wir es nicht geschafft - zumindest soweit es mich betrifft, den Italienern zu sagen, was sie wissen sollten“, räumte der Regierungschef ein.

Ein zweites und letztes Fernsehduell von Berlusconi und Prodi ist für den 3. April geplant.

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