TV-Duell vor den Parlamentswahlen
Prodi will mit Reichensteuer punkten

Zwei Fernsehduelle zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seinem Herausforderer Romano Prodi nach amerikanischen Muster sollen über den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien entschieden. Prodi verbuchte dabei am Wochenende einen strategischen Sieg: Berlusconi verzichtete auf seine Pressekonferenz, die eigentlich nach den TV-Duellen stattfinden sollte. Sie hätte dem Premier das letzte Wort gegeben, was Prodi abgelehnt hatte.

MAILAND. Die Duelle wurden jetzt für den Dienstag und den 3. April festgelegt. Die Wahl findet am 9. und 10. April statt. In den meisten Umfragen liegt Berlusconi trotz einer Aufholjagd seit Jahresbeginn noch immer vier bis fünf Prozentpunkte hinter Prodi (siehe auch: „Kopf an Kopf“). Noch im vergangenen Sommer war der Abstand jedoch zweistellig. Nach einer von Berlusconis Partei Forza Italia in Auftrag gegeben Umfrage des US-Wahlforschungsinstituts Penn, Schoen & Berland (PSB) liegt die Regierungskoalition sogar 0,5 Prozentpunkte vor den Herausforderern.

Im Wahlkampf dominieren die Wirtschaftsthemen: Erbschaftsteuer, Vermögensteuer und Kinderbonus. In ihrem fast täglichen Schlagabtausch duellieren sich die beiden Lager vor allem bei den Finanzen. Dabei profiliert sich Prodis Mitte-links-Bündnis vor allem mit Steuererhöhungen für Wohlhabende, während die Regierungskoalition unter Premier Berlusconi weitere Steuersenkungen verspricht.

Bei den Wählern steht neben der Sicherheit die Wirtschaft oben auf der Liste der Prioritäten, denn Italien steckt in einer schweren Krise. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag im vergangenen Jahr bei Null, bei der Wettbewerbsfähigkeit fällt das Mittelmeerland im internationalen Vergleich immer weiter zurück, und wegen der steigenden Preise beklagen immer mehr Italiener, nur schwer mit ihrem Einkommen auszukommen – die Zahl der verschuldeten Privathaushalte steigt.

Die Mitte-links-Opposition, die bei den Wahlen unter dem Namen „Unione“ antritt, setzt vor allem auf höhere Steuern für Wohlhabende. Erst vergangene Woche schlug der ehemalige EU-Kommissionspräsident Prodi vor, die Steuern auf Kapitalerträge von derzeit 12,5 Prozent auf 20 Prozent zu erhöhen, um im Gegenzug die Lohnnebenkosten um fünf Prozentpunkte senken zu können. Außerdem liebäugelte Prodi vergangene Woche mit der Wiedereinführung der Erbschaftsteuer.

Seite 1:

Prodi will mit Reichensteuer punkten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%