TV-Interview: Ein Präsident ohne Wagemut

TV-Interview
Ein Präsident ohne Wagemut

Frankreichs Präsident Hollande wollte die öffentliche Meinung unbedingt zurück erobern – doch die Imagepflege mit einem großen TV-Interview misslang. Trotz eines endlosen Gespräches nannte Hollande keine konkreten Pläne.

ParisHaben Sie die Statur Präsident zu sein? Die erste Frage beantwortete François Hollande einfach nicht, obwohl Journalist David Pujadas sie zum Schluss des Interviews noch einmal stellte. Dabei ist die Sorge, ob Hollande seinen Job wirklich im Griff hat, bei den meisten Franzosen stark ausgeprägt.

Der Staatschef, Ton in Ton im dunkelblauen Anzug mit dunkelblauer Krawatte, obwohl ihm Imageexperten zu etwas mehr Mut mit einer roten Krawatte geraten hatten, blieb ruhig, auch wenn er etwas angespannt wirkte. Zu ruhig, auf diese provozierende Frage, die wohl niemand seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy gestellt hätte. Er wich aus, er wusste vorher, worauf er sich eingelassen habe. Er gab sich optimistisch und belehrend, klang eher wie ein Dozent, nicht wie ein dynamischer Staatschef.

Es ging fast ausschließlich um Wirtschaft. Daran wird Hollande gemessen. Nullwachstum, Arbeitslosenzahlen in Rekordhöhe, Firmenpleiten und schrumpfende Kaufkraft ließen Hollandes Beliebtheit in so kurzer Zeit einbrechen, wie noch bei keinem Präsidenten zuvor. 51 Prozent der Franzosen halten Hollande laut Umfragen schon für einen schlechten Präsidenten. „Wir brauchen wieder Wachstum“, betonte er zu den Fragen nach Wirtschaftsreformen. Aber er stellte nicht wirklich klar, wie er das erreichen will, sprach immer nur von einem „Werkzeugkasten“, den er geschaffen habe.

„Monsieur Bricolage“, Herr Bastler, urteilte die französische Presse dann auch über den Auftritt. „Sympathisch, seriös und intelligent“ habe er gewirkt, bescheinigten ihm die französischen Kommentatoren der verschiedensten politischen Richtungen. Wirklich überzeugt habe er aber nicht. Er habe den Ernst der Krise nicht richtig erkannt, es fehlte ihm der Wagemut. Es habe keine klare Vision gegeben, nur kleine zusammengebastelte Maßnahmen.

Diesmal habe er zwar etwas mehr Tempo gegeben als sonst, so sagte Hollande auch mal recht energisch : „Ich entscheide“ oder „Ich führe diese Schlacht“. Aber das reiche nicht, es war der desolaten Lage, in der sich die Nation befindet, nicht angemessen.

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