TV-Interview mit Sarkozy: Alle wollen Angie

TV-Interview mit Sarkozy
Alle wollen Angie

Die Kanzlerin erfreut sich in Frankreich ungeahnter Beliebtheit. Nicolas Sarkozy hofft beim gemeinsamen Interview darauf, dass Merkels Glanz auf ihn abstrahlt. Doch Herausforderer François Hollande stört das Tête-à-tête.
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ParisAngela Merkel und Nicolas Sarkozy zelebrieren heute in Paris den deutsch-französischen Ministerrat.  Doch die offizielle Tagesordnung mit Steuerharmonisierung und Forschungskooperation verschwindet im Schatten eines medialen Ereignisses: Zum ersten Mal geben Sarkozy und Merkel ein gemeinsames Fernsehinterview, das abends auf ZDF und France 2 ausgestrahlt wird. Weil Deutschland und Merkel persönlich derzeit in Frankreich sehr populär sind, Sarkozy selbst aber anhaltend unbeliebt bleibt, sucht der Präsident die Nähe der Kanzlerin. Bilder sind wichtiger als Worte, der Auftritt im TV soll nur eine Botschaft transportieren: Ich, Sarkozy, bin der geschätzte Partner der mächtigen Deutschen, mit mir spielt Frankreich im Top-Club mit.

Sarkozy ziert sich immer noch, seine Kandidatur offiziell anzukündigen. „Manchmal lässt eine Verzögerung die Begierde steigen“, begründet er seine Hinhaltetaktik. Die Lust der Franzosen auf ihn muss noch kräftig zunehmen, wenn Sarkozy eine Chance auf die Wiederwahl haben will. Denn die Wähler ziehen in allen Umfragen seit Monaten den sozialistischen Gegenkandidaten Francois Hollande ihrem Präsidenten vor. Jüngst hat er seinen Vorsprung sogar ausbauen können.

Weil Sarkozy angesichts steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Wachstums nicht mit eigenen Erfolgen wuchern kann, will er sich ein wenig vom derzeitigen deutschen Glanz borgen. Doch wie ein kecker Nebenbuhler stört der Herausforderer François Hollande das deutsch-französische Idyll, das Sarkozy so gerne über die Mattscheibe flackern lassen möchte. Wie das Handelsblatt erfuhr, hat Hollande in Berlin offiziell um einen Besuchstermin bei Merkel gebeten.

Die hat noch nicht entschieden, wie sie damit umgehen soll. Ein Wust von gegensätzlichen Interessen ist zu klären: Einerseits hat Merkel geärgert, dass Hollande auf dem letzten SPD-Parteitag in Berlin von einer erhofften SPD-Regierung ab 2013 schwärmte. Außerdem will er den gerade vereinbarten Fiskalpakt neu verhandeln, um dem Vertrag mehr Wachstumskomponenten zu injizieren. Und sie will natürlich nicht der politischen Promiskuität verdächtigt werden: Gerade hat ihr Generalsekretär Gröhe ein wenig zu platt verkündet, Merkel werde Sarkozys Wahlkampf unterstützen. Da kann sie schlecht dem Herausforderer schöne Augen machen.

Aber - und das ist ein großes aber - Hollande hat nun mal sehr gute Chancen, der nächste französische Präsident zu werden. Deshalb kann sie ihn nicht brüskieren. Außerdem will Hollande ja nicht wie der damalige Wahlkämpfer Obama eine Rede am Brandenburger Tor halten, sondern nur im Kanzleramt vobeischauen. Und Hollande hat ja auch schon versichert, dass er finanzielle Disziplin ganz toll findet und keinesfalls Streit mit Deutschland vom Zaun brechen will. Das macht ihn akzeptabel. Sogar als Typ passt er besser zu ihr als Sarkozy: Nicht so gespreizt, nicht so sprunghaft, keine hohen Absätze, um größer zu erscheinen, als er ist. Wie Merkel läst Hollande die Dinge lieber reifen, als ständig hyperventilierend Betriebsamkeit zu demonstrieren.

Das spricht alles für ein Stelldichein im Kanzleramt, ohne großen Medienauftrieb. Den bekommt Sarkozy, versprochen ist versprochen. Hollande, ganz der Kavalier, der glaubt, das seine Zeit schon noch kommt, nimmt das gelassen hin: „Wir verstehen, dass die Kanzlerin die politische Nähe zu Sarkozy herausstellt“, ließ er seinen Wahlkampfmanager Moscovici mitteilen.  Die künftige Regierungszusammenarbeit, so deutete er an, werde dann mit Hollande stattfinden.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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  • Erkläre mir Margritt was ich aus der geschichte nicht gelernt haben soll.
    Offensichtlich habe ich nicht auf dieser Erde gelebt - in Gegensatz zu solchen Klugscheissern wie Du .-
    Danke!

  • Das sind so die geschönten Nachrichten fürs dumme Volk. Man könnte es auch Propaganda nennen
    Als mehr sehe ich das nicht.
    Wer wirklich glaubt, die Franzosen bewundern die Deutschen und machen nun Politik wie Merkel das möchte, also Agenda 2010 mit Niedrig- und Dumpinglöhnen, der irrt gewaltig.
    Merkel mag ja klug sein, aber Sarkizy ist schlauer und zieht die Dame über den Tisch.
    Frankreich will über Deutschland siegen, das ist es
    Das beste Beispiel ist der Rettungsschirm. Hier schrie Sarkozy am lautesten nach weiterer Erhöhung. Denn der Schirm rettet ja nicht Länder sondern Banken und hier hauptsächlich franz. Banken
    Also klappt doch, läuft doch für Sarkozy bestens

  • Ihr betagtes Stammtischgeplapper, Ihre konsequente Ignoranz gegenüber des generischen Maskulinums, Ihre völlig realitätsfremde Verschwörungstheorie...
    Unerträglich!

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