TV-Kritik Günther Jauch
„Die Ukraine liegt näher als Mallorca“

Günther Jauch diskutierte die Kriegsgefahr auf der Krim mit Marina Weisband und einem ähnlich eloquenten Russen. Es gelang ein sachlicher Austausch von Argumenten. Die Kritik der Runde galt nicht nur Wladimir Putin.
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Berlin„Gibt es jetzt Krieg?“ – so eine Frage darf sich eine aktuelle Talkshow natürlich nicht entgehen lassen. Insofern hatte Günther Jauchs Redaktion am Sonntag das Thema „Armes Deutschland, reiches Deutschland – Wie ungerecht ist das Geld verteilt?“ kurzfristig abgesagt zugunsten einer Diskussion über die Lage auf der Halbinsel Krim. Das letzte Mal wurde eine ähnliche Frage, wenngleich nicht Europa betreffend, im August bei Anne Will betalkt. Damals ging es um Syrien. Was dort anschließend geschah, könnte in der Ukraine auch drohen: ein Bürgerkrieg.

Das insbesondere würde in Kiew befürchtet, sagte die gebürtige Ukrainerin Marina Weisband. Damit eröffnete die talkshowerfahrene Piratenpolitikerin einen besonnenen Austausch scharfer Argumente. Jauch, der nicht übermäßig tief im Thema steckte, streute manchmal selten beachtete Fakten ein wie den, dass die Ukraine näher an Deutschland liegt als Athen oder Mallorca. Vor allem ließ er, anders als häufig, seine gut ausgewählten

Gäste immer wieder direkt miteinander sprechen. So konnte ein differenziertes Bild eines komplexen Konflikts entstehen.

Beziehungsweise von zwei Konflikten, wie es Wolfgang Ischinger, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, formulierte. Es gebe einen in der Ukraine und einen um die Ukraine.

Was den internationalen Konflikt angeht, gab es sowohl Kritik an vielen Akteuren als auch durchaus konkrete Lösungsvorschläge. Kritik galt natürlich Kremlchef Wladimir Putin. Wenn der Duma-Beschluss zur Intervention in der Ukraine umgesetzt werde, „begeht Russland einen Völkerrechtsbruch“, brachte Ischinger auf den Punkt. Kritik galt aber auch der Europäischen Union. „Die Art und Weise, wie die EU das Assoziationsabkommen verhandelt wurde, war fahrlässig“, beklagte die ehemalige Moskau-Korrespondentin der „FAZ“ und jetzige „Spiegel“-Journalistin, Christiane Hoffmann. Die EU habe die Ukraine behandelt wie Island und die enorme Bedeutung des Landes für die russische Westpolitik nicht berücksichtigt, meinte Ischinger.

Sie habe „Kolonialpolitik“ treiben wollen, sagte Ivan Rodionov. Der russische Journalist arbeitet als Chefredakteur einer in Berlin ansässigen, zum staatlich finanzierten Sender „Russia Today“ gehörenden Fernsehagentur. Er beklagte wiederholt „Versimpelungen“ in der deutschen Berichterstattung. So gelte der gestürzte Präsident Janukowitsch erst, seitdem er das EU-Abkommen verweigerte, als „prorussisch“, habe dabei vorher einen „Gaskrieg“ gegen Russland geführt.

Weitere Kritik galt dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Auflagen, die er der Ukraine für Finanzhilfen macht. Der Fonds denke „völlig apolitisch“, kritisierte der Linken-Politiker Gregor Gysi: „Wir brauchen in der Ukraine jetzt keine Sparpolitik wie in Griechenland“. „Wirtschaftliche Gesundung und politische Stabilisierung zusammen“ seien dort kaum möglich, befürchtete Hoffmann. Ebenfalls Kritik galt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Das von diesem ausgehandelte Abkommen „galt schon am Abend nicht mehr“, bemerkte Gysi. Es gab keinen Widerspruch, auch weil – tatsächlich bemerkenswert – kein Vertreter der Regierungsparteien im Studio saß.

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  • @ deltaone

    „....mir Ihre verschrobene Geschichtsklitterung zu verdeutlichen.“

    Sie müssen sich nicht bei mir bedanken, Sie haben ja „Ihren“ Guido Knopp und Stefan Aust, die haben das richtige Geschichtsbild.
    Hier ein Zitat, über das Sie vielleicht nachdenken sollten:

    "Mit Greuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen ...Und nun fangen wir erst richtig damit an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was sie etwa in anderen Ländern noch an Sympathien gehabt haben, und sie selber so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun. Wenn das erreicht ist, wenn sie beginnen, ihr eigenes Nest zu beschmutzen, und das nicht etwa zähneknirschend, sondern in eilfertiger Bereitschaft, den Siegern gefällig zu sein, dann erst ist der Sieg vollständig. Endgültig ist er nie. Die Umerziehung (Reeducation) bedarf sorgfältiger, unentwegter Pflege wie englischer Rasen. Nur ein Augenblick der Nachlässigkeit, und das Unkraut bricht durch, jenes unausrottbare Unkraut der geschichtlichen Wahrheit."
    Sefton Delmer, ehemaliger britischer Chefpropagandist nach der Kapitulation 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm (Die Propaganda der Alliierten wird durch den Überleitungsvertrag Art. 7.1 als „offensichtliche Tatsache“ vom deutschen Strafrecht geschützt.)

    Sie sind eines der vielen Opfer dieser Propaganda. An sich nicht schlimm, schlimm finde ich, daß Sie sie nicht anzweifeln sondern auch noch verteidigen.

  • Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Bemühungen, mir Ihre verschrobene Geschichtsklitterung zu verdeutlichen. Keinesfalls werde ich mich auf den Weg des relativierenden Revanchismus begeben, diesen Irrweg dürfen Sie gerne allein weiter gehen.

  • @ deltaone

    „.....Nationalsozialisten (yahel) als Feinde der Freiheit,....[ .. ] ...über welche die Geschichte hinweg gegangen ist.“


    Wem es an Argumenten und Wissen gebricht, der diffamiert, denn die Nazikeule liegt bei vielen immer noch gut in der Hand.
    Und wo saßen Sie im Geschichtsunterricht? Vermutlich hinter einer Säule. Ihre Geschichtskenntnisse sind gleich Null.

    „......und "Deutschland, Deutschland über alles.........."

    Zu Ihrer Erinnerung: Das Lied der Deutschen wurde 1841 von Hoffmann von Fallersleben auf der damals britischen Insel Helgoland gedichtet. Die Melodie dazu ist noch älter und stammt aus dem 18ten Jahrhdt.

    „...Hand in Hand der Vergangenheit nachträumend.“

    „Wer nicht weiß woher er kommt, weiß auch nicht wohin er geht.“ Sprichwort.

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