TV-Kritik
Wie Griechenland in die Krise steuerte

Die Arte-Dokumentation „Griechenland, Stunde Null“ wandelt auf den Spuren der Krise – und macht als Kernprobleme Steuersystem und Korruption aus. Der Film liefert interessante Einblicke, doch es fehlt die Struktur.
  • 15

DüsseldorfDie Dokumentation hatte harte Konkurrenz: Zeitgleich zur Achtelfinalpartie zwischen Belgien und USA zeigte Arte am Dienstagabend den Film „Griechenland, Stunde Null“. Und während einige zumindest noch vorschlugen, hin- und her zu schalten ...

... waren dann doch die meisten eher in Fußball-Stimmung:

Dabei waren sich die beiden Fernseh-Optionen gar nicht so unähnlich: Beiden lagen hochinteressante Fragen zu Grunde (wer kommt ins Viertelfinale? Was macht die Krise mit Griechenland?), aber die Stunde zwischen 22 und 23 Uhr plätscherte dann trotzdem eher so dahin.

Während das Fußballspiel dann am Ende spannend wurde, kam der Film immerhin zu Beginn schnell zur Sache: „Was hat sich getan, in Griechenland?“, fragen die Macher direkt nach dem Vorspann. Wie ist es um die Reformen bestellt, die Griechenland der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond versprochen hat, als es im Gegenzug Kredite in Milliardenhöhe bekommen hat?

Dieser Frage im Detail nachzugehen, ist sicherlich nicht einfach – umso gespannter wartet der Zuschauer auf die 50 Minuten, die folgen. Auf eine klar strukturierte Antwort wartet er allerdings leider vergeblich.
„Griechenland, Stunde Null“, die Dokumentation des französischen Journalisten Jean Quatremer und des Regisseurs Pierre Bourgeois, folgt dem Historiker Nicolas Bloudanis auf einer Tour durch das Land. Für den Film besucht er verschiedene Menschen, die entweder von der Krise respektive den auf die Krise folgenden Reformen betroffen sind oder die versuchen, diese Reformen durchzusetzen.

Was diese Menschen zu sagen haben, ist meistens interessant. Aber gerade am Anfang kommen im Minutentakt neue Protagonisten zu Wort, die oft so wenig vorgestellt werden, dass der Überblick, wer gerade über was spricht, schnell verloren geht. Überhaupt verlässt sich der Film sehr darauf, dass allein das Thema Griechenland schon ausreicht, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Dramaturgie oder gar eine Art Gliederung fehlt. Selbst der rote Faden der Frage „Was hat sich getan?“ zieht sich nicht konsequent durch.

Kommentare zu " TV-Kritik: Wie Griechenland in die Krise steuerte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Der Fehler des Euro: er ist eine reine politische Fehlkonstruktion, da die Politik sehr früh, gegen alle Warnungen, alle wesentlichen ökonimischen Gesetze missachtet und teils diffamiert hat."

    Diese Ansicht, dass der Euro eine Fehlkonstruktion gewesen sei, teile ich nicht. Das die Besetzung der politischen Ämter eine Fehlbestzung war und ist, dessen sind wir uns einig.

    Das Problem lag lediglich darin, dass man das Problem mit unfähigen Politikern angegangen ist.

    Einer der größten Fehler war m.E. die Entmündigung der Deutschen Bundesbank. Zugegeben, sie war konsequent zum Ziel der agierenden Politiker. Aber richtig war es trotzdem nicht.

    Wenn wir heute über AfD oder nicht reden, dann geht es nicht um einen Parteinamen, sondern um die Qualität der handelnden Personen. Die werden in Kürze genauso schlecht sein wie die übrigen Parteien, wenn auch die sich von den bekannten Charakteren unterwandern lassen. Haben wir dies nicht auch bei den Piraten oder den Grünen beobachten können? Deren positive Ansätze waren auch schnell kassiert.

    Wenn wir das Thema Euro ernsthaft angehen wollen, dann müssen wir Bürger dafür Sorge tragen, dass Personen mit dem Projekt beauftragt werden, die das Thema "stemmen" können. Damit meine ich nicht, dass alle der gleichen Meinung sein müssen. Sie müssen vielmehr in der Lage sein, einen tragbaren Konsens bei unterschiedlicher Meinung auf hohem fachlich Niveau herbeizuführen.

    In diesem "Euro-Team" sehe ich einen Weidmann, einen Weber, einen Stark, einen Issing ebenso wie einen Sinn oder auch Lucke. Ich sehe darin keine als Lügner enttarnte Personen. Weder einen Juncker, noch einen Schäuble oder gar eine Merkel. Einen Gabriel oder Nahles sehe ich auch nicht dort.

    Vielleicht ist in der Tat das letzte Horn zur Rettung des Euros, Europas schon geblasen. Hoffen wir, dass sich eine Gruppe der Verantwortlichen sich findet und das Ruder noch einmal herum zu reißen.

  • Ich kann alles nachvollziehen, was Sie zum Ausdruck bringen. Aber ich bin gehe von zwei sich differenzierten Ansichten aus.

    1. es dauert länger als wir annehmen.
    2. der Druck "auf dem Kessel" erhöht sich weiter. Ein kontrolliertes Entspannen ist nicht in Sicht.

    Ich erinnere mich an eine Situation im Devisenhandel 1987. Mit Mehrheit gingen wir davon aus, dass der USD spätestens zum Jahresende "die Krätsche" macht. Im Nachhinein muss man feststellen, dass es weiterging und noch "doller" als zuvor.

    Wer organisatorische Änderungen in einem Großbetrieb, eine Fusion von Unternehmen mitgemacht, ja wer scheinbare Zusammenbrüche von Unternehmen erlebt hat, der greift auf folgenden Erfahrungsschatz zurück.

    Zuerst wird auf Zeit gespielt. Dann wird die Hoffnung verbreitet, dass sich die Situation klärt, wenn man erst einmal über belastbare Zahlen verfügt. Dann werden Institutionen eingeschaltet, die erfahrungsgemäß mit der Situation überfordert sind und nicht zu einem Ende kommen - in der Regel Richter. Und letztlich hat sich ein noch viel größeres Problem aufgetan, dass das bisherige Problem als Kinderei erscheinen läßt.

  • Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie im Ganzen richtig verstehe.

    Ich will vor allem sagen, dass wir in ein paar Jahren mit ganz anderen Inflationsraten zu rechnen haben als heute. Will man die Schuldenlast der Südeuropäer mildern, und der politische Wille das durch Inflationierung zu tun ist offensichtlich, ist mit einer Geldentwertung iHv 30-40% innerhalb weniger Jahre zu rechnen. Wie das genau passiert, das wird man sehen. Und dass Draghi das auch verschleiern, als "alternativlos", als "nur einmalig" oder "nur kurzfristig" usw. deklarieren wird, ist klar. Aber ich glaube er ist sich mittlerweile auch darüber im klaren, dass er Deutschland in der Falle hat, die Deutschen sich kaum noch wehren können und politisch wehren werden. Die deutsche Politik ist ja eindeutig auch korrumpiert (Schäuble), in großen Teil inkompetent, und in großen Teilen auch links-ideologisch orientiert. Das ist ja unser eigentliches Problem...

    Aber mittels der Medien (vor allem Staatsfernsehen), das hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, lassen sich die Deutschen prima leiten, ggf aufhetzen gg Euro-Kritiker, und damit auch entmündigen. Niemand stört sich ja an der überaus deutlichen Ent-Demokratisierung im Rahmen der Euro-Politik. Und das wird sicher in Zukunft durch Brüssel noch viel heftiger und deutlicher. Auch das ist eindeutig politisches Kalkül...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%