Twitter-Hashtag #BoycottGermany
„Kauft keine deutschen Produkte!“

Wer ist Schuld an der europäischen Krise? Zumindest für viele Nutzer auf Twitter ist klar: Deutschland. Sie rufen jetzt zum Boykott deutscher Produkte auf. Und auch der griechische Verteidigungsminister macht mit.
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DüsseldorfEine Einigung im Griechenland-Konflikt scheint gefunden, der griechische Premier Alexis Tsipras hat sich den Bedingungen der Gläubiger für ein neues Hilfspaket gefügt. In Europa kehrt trotzdem keine Ruhe ein. Für viele ist es die deutsche Bundesregierung, die mit ihrer harten Haltung die Krise in Europa verschärft und Griechenland ein unmögliches Spardiktat aufgedrückt hat.

Nicht nur internationale Medien kritisieren die deutsche Position. Auch Twitter-Nutzer aus ganz Europa meinen: Deutschland ist Schuld an der Krise in Europa – und fordern nun den Boykott deutscher Produkte. Das Hashtag „BoycottGermany“ wurde auch in Deutschland zum Toptrend.

Wenn es um Deutschland geht, ist der Nazi-Vergleich nicht weit. Das durfte schon Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erfahren, der in einer griechischer Zeitschrift als KZ-Aufseher karikiert wurde. Und auch beim Boykott-Aufruf darf das Bild vom Nazi-Deutschen nicht fehlen. Nutzerin@Vicky68 zieht den Vergleich zu den Weltkriegen: Den Ersten hätte Deutschland mit Gewehren geführt, den Zweiten mit Panzern und den Dritten führe das Land mit Banken:

Wer sich nicht sicher ist, welche Produkte von jetzt an boykottiert werden sollten, dem hilft Nutzer @chrisbrulak mit einem Foto der Biermarke Holsten:

@Philiponus meint ironisch, dass sich der Boykottaufruf auf Produkte, nicht aber auf Milliardenhilfen, die von Deutschland kommen, beziehe:

Versöhnlich gibt sich Nutzerin @LeeloooDallas. Sie bedauert, dass auf Twitter nun Nazi-Parolen aufkommen. Und weist daraufhin, dass nicht alle Griechen diese Haltung unterstützen:

@Marktzyniker findet, dass sich keiner wirklich über den Boykott-Aufruf wundern könne und bezieht sich auf die „Bild“-Titelseite, die die Kanzlerin mit Pickelhaube und der Forderung „Heute brauchen wir die eiserne Kanzlerin!“ zeigte. Ein Volk, dass eine solche Bildsprache kaufe, brauche sich nicht über den Aufruf zu wundern.

Nutzer @TheHelldrick meint, dass das Hashtag beschreibt, wie die deutsche Kanzlerin ein halbes Jahrhundert Fortschritt wieder rückgängig gemacht habe:

Aber auch die Politik hält sich aus der Boykott-Debatte nicht heraus. Der griechische Verteidigungsminister retweetet den Boykottaufruf zumindest:

Zumindest die Wirtschaft befürchtet keinen größeren Schaden durch die Boykott-Aufrufe gegen deutsche Produkte. „Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. „Solche Aufrufe hat es seit Beginn der Griechenland-Krise immer wieder gegeben. Sie sind weitgehend wirkungslos verpufft.“

Kommentare zu " Twitter-Hashtag #BoycottGermany: „Kauft keine deutschen Produkte!“"

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  • ja, am besten wie die Lemminge, mit dem ganzen Stolz in die Katastrophe; das hilft sicher. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, sind es nicht deutsche sondern europäische Kredite. Das müsste sich eigentlich auch langsam herum gesprochen haben.

  • Schützt die Griechen vor dem deutschen Krediten! Weg mit den Hilfen. Griechenland muss seinen Stolz bewaren.

  • Genau so sehe ich das auch, wir werden in 5 Jahren genau den gleichen Mist mit den gierigen Griechen erneut haben...Sie forderten, sie gaben es aus und sie meckerten...

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