U-Bahn-Attentäter hatten Verbindung zur El Kaida
In London kommt Kritik an Geheimdiensten auf

Nach neuen Berichten waren die Londoner U-Bahn-Attentäter besser vernetzt als bisher angenommen. Bisher hieß es in Geheimdienstkreisen, die vier britischen Muslime, die am 7. Juli sich selbst und mindestens 51 weitere Menschen in den Tod rissen, seien den Geheimdiensten als „unbeschriebene Blätter“ unbekannt gewesen. Nun kommt insbesondere die britische Inlandsabwehr MI5 zunehmend in Erklärungsnot. Rufe nach einer offiziellen Untersuchung der Geheimdienstarbeit dürften diese Woche wieder lauter werden.

mth LONDON. Vor allem der als „Teamchef der Zelle“ bezeichnete 30-jährige Hilfslehrer Mohammed Sidique Khan hatte neuen Berichten zufolge offenbar gute Kontakte zu El Kaida. Unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise wird berichtet, Khan habe Anfang 2004 an einem „Terroristengipfel“ in Pakistan teilgenommen. Dies habe der in den USA einsitzende, geständige El-Kaida Computerexperte Mohammed Junaid Babar Ermittlern bestätigt. Außerdem habe Khan mit einem El-Kaida-Anwerber in den USA telefoniert. Laut der Zeitung „Sunday Times“ wurde Khan vor einem Jahr nach der Vereitlung eines Sprengstoffanschlags auf einen Londoner Nachtclub überprüft, dann aber als Randfigur eingestuft und nicht weiter observiert.

Ein weiterer Attentäter, Shazad Tanweer, soll in Pakistan den inzwischen inhaftierten Islamisten Osama Nazir getroffen haben. Das habe dieser pakistanischen Ermittlern bestätigt, berichtete der Londoner „Mirror“. Pakistanische Ermittler überprüften in den Handys der Londoner Bomber gespeicherte Kontakte. Agenturberichten aus Pakistan zufolge wurden mindestens vier Personen auf Ersuchen der britischen Terrorismusabwehr verhaftet.

Quellen im britischen Inlandsgeheimdienst MI5 verweisen auf beschränkte Mittel, die eine Observierung aller Verdächtigen unmöglich mache. Vergangenes Jahr stellte die britische Regierung Geld für 1 000 zusätzliche MI5-Mitarbeiter bereit. Doch werde es Jahre dauern, bis adäquate Informationsnetze aufgebaut werden können. Eine in der „Sunday Times“ anonym zitierte Quelle vergleicht den Informationsstand bezüglich des radikalen Islamismus mit dem über den IRA-Terrorismus Anfang der siebziger Jahre. Damals habe die IRA praktisch „ohne Schaden“ tun können, was sie wollte.

Unterdessen bezeichneten Polizeikreise Berichte, wonach die Londoner Bombenleger von ihren Hintermännern hereingelegt worden seien, als unsinnig. Der „Daily Mirror“ hatte spekuliert, die vier seien keine Selbstmordtäter gewesen, sondern hätten ihre Bomben ablegen und dann entkommen wollen. Ohne ihr Wissen seien aber nicht nur Zeitzünder in Gang gesetzt, sondern die Bomben gezündet worden. Laut Polizei spricht dagegen, dass der vierte Bomber sich eine Stunde nach den anderen in die Luft sprengte: „Er wusste doch, dass seine drei Komplizen getötet wurden“.

Rätselhaft bleibt, warum die Anschläge vom üblichen Muster der Selbstmordattentate abweichen. So wurden die Bomben in Rucksäcken und nicht auf dem Körper getragen. Der „Mirror“ führte an, zwei Täter hätten kleine Kinder und im Falle Lindseys auch eine schwangere Frau zurückgelassen. Sie hätten Rückfahrkarten gekauft und nicht, wie Selbstmordattentäter es normalerweise tun, beim Auslösen der Bomben „Allah ist groß“ gerufen. Die Täter waren nicht nach dem islamischen Märtyrer-Ritus rasiert.

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